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Verdacht der persönlichen Bereicherung
Fifa suspendiert Generalsekretär Valcke

Porträt: Jerome Valcke – vom Journalisten zum Funktionär
Porträt: Jerome Valcke – vom Journalisten zum Funktionär FOTO: afp, S Bo/RT/QL
Zürich. Der Fifa-Skandal hat die Nummer zwei in der Führung des Fußball-Weltverbandes zu Fall gebracht: Generalsekretär Jerome Valcke wurde am Donnerstag unter dem Verdacht der persönlichen Bereicherung überraschend von allen Aufgaben entbunden. Das teilte die Fifa am Abend mit.

Der Verband habe "von einer Reihe von Vorwürfen Kenntnis erhalten, die den Generalsekretär betreffen", hieß es in der wenige Zeilen langen Pressemitteilung. Der Fall sei zur Untersuchung an die Fifa-interne Ethikkommission weitergegeben worden.

Dem 54 Jahre alten Franzosen, seit 2007 Generalsekretär und der wichtigste Mann nach dem Schweizer Präsidenten Joseph S. Blatter (79), wird vorgeworfen, vom Ticketverkauf für Weltmeisterschafts-Endrunden persönlich profitiert zu haben. Die Vorwürfe hatte die in Zürich ansässige Agentur JB Sports Marketing bei einer Präsentation am Donnerstag erhoben. Valcke sei eine Gewinnbeteiligung versprochen worden.

Der wehrte sich am späten Donnerstagabend vehement in Form eines Statements durch seinen Anwalt Barry Berke, in dem die Vorwürfe als "konstruiert und unverschämt" zurückgewiesen wurden.

Das Handeln der Fifa ist offensichtlich eine direkte Reaktion auf diese neuen Entwicklungen. Valcke soll Zeugen zufolge zudem im Rahmen von Verhandlungen schon vor der offiziellen Vergabe erklärt haben, die WM 2022 sei fest an Katar zugesagt.

Die Untersuchungskammer der Ethikkommission teilte unverzüglich mit, die Mitteilung der Fifa "zur Kenntnis" genommen zu haben. "Sie weist darauf hin, dass sie grundsätzlich und eigenständig die ihr zu Kenntnis gebrachten Sachverhalte auf das Vorliegen eines möglichen Tatverdachts prüft. Die Frage, ob in einer konkreten Angelegenheit eine Untersuchung hängig ist, kommentiert die Untersuchungskammer nicht."

Valcke befand sich am Donnerstag Presseberichten zufolge auf dem Weg nach Russland. Auf dem Roten Platz von Moskau, Final-Ort der WM 2018, wird am Freitag der Festakt "1000 Tage bis zur WM" gefeiert.

Schweizer Behörden liefern Figueredo an die USA aus

In die juristische Aufarbeitung des Skandals war zuvor schon neue Bewegung gekommen. 78 Tage nach dem US-Auslieferungsantrag stimmten die Schweizer Behörden der Überstellung des früheren Fifa-Vizepräsidenten Eugenio Figueredo (Uruguay) zu. Dem 83-Jährigen droht in den USA nun sein Gerichtsverfahren – und den Verbrechern im Weltverband der nächste Kronzeuge, der unbequeme Wahrheiten auspacken könnte.

Figueredo wird in den USA vorgeworfen, "beim Verkauf von Marketingrechten für die Copa America der Jahre 2015, 2016, 2019 und 2023 von einem uruguayischen Sportvermarktungsunternehmen Bestechungsgelder in Millionenhöhe angenommen zu haben", teilte das Schweizer Bundesamt für Justiz (BJ) am Donnerstag mit. Zudem soll er sich "in den Jahren 2005 und 2006 namentlich durch die Verwendung von gefälschten medizinischen Gutachten die US-Staatsbürgerschaft erschlichen" haben.

Noch hat der frühere Vizepräsident des südamerikanischen Kontinentalverbands Conmebol 30 Tage Zeit, vor dem Bundesstrafgericht eine Beschwerde gegen seine Auslieferung einzureichen. Bleibt diese aus oder scheitert, wäre der 83-Jährige der erste der sieben am 27. Mai in Zürich verhafteten Verdächtigen, der zwangsweise ausgeliefert wird. Insgesamt stehen 14 Personen auf der US-Liste, davon neun (ehemalige) Fifa-Mitglieder.

Zuvor hatte der frühere Fifa-Vizepräsident Jeffrey Webb (Kaimaninseln) seiner Auslieferung freiwillig zugestimmt und gilt nun in den Korruptionsermittlungen der US-Behörden als möglicher Kronzeuge. Bei seiner ersten Anhörung vor einem Bundesgericht in Brooklyn hatte der 50-Jährige auf nicht schuldig plädiert. Ein Deal mit den US-Ermittlern scheint wahrscheinlich – am Montag hatte US-Justizministerin Loretta Lynch weitere Anklagen im Korruptionsskandal angekündigt.

Dafür könnte nun auch Figueredo bald entscheidende Hinweise liefern, um sich selbst so gut es geht zu retten. "Unsere Untersuchungen haben kein Limit, sie gehen weiter. Es ist ein globales Problem, aber wo immer die Geschäfte mit den USA in Berührung gekommen sind, können wir ermitteln", hatte Lynch gesagt. Die USA ermitteln wegen Betrugs, Bestechung, Geldwäsche und Steuerhinterziehung.

Die Vorwürfe gegen Figueredo, der "durch die Annahme von Bestechungsgeldern für die Vergabe von Sportmarketingverträgen den Wettbewerb massiv beeinflusst" und verfälscht habe, seien auch nach schweizerischem Recht strafbar, gab das BJ bekannt: "Dieses Verhalten wäre als unlauteres Handeln gemäß Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb strafbar. Auch die ihm zur Last gelegte Verwendung von gefälschten medizinischen Gutachten im Rahmen seines Einbürgerungsverfahrens wäre nach Schweizer Strafgesetzbuch als Urkundenfälschung strafbar." Daher seien sämtliche Voraussetzungen für eine Auslieferung erfüllt.

(sid)
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