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Neuer Präsident der Fifa
Infantino muss sofort funktionieren

Das bedeutet die Wahl von Infantino
Das bedeutet die Wahl von Infantino
Zürich. Schon am Montag macht Gianni Infantino alles anders als Joseph S. Blatter. Mit einem Fußballspiel, bei dem er selbst mit Freuden und Journalisten auf dem Platz stehen will, beginnt der 45-Jährige seine erste Arbeitswoche als neuer Präsident des Fußball-Weltverbands. Dem ersten kleinen Schritt Richtung Transparenz und Öffnung der Fifa müssen dann viele weitere und viel größere folgen.

"Ein neues Zeitalter hat begonnen", versicherte Infantino, der am Freitagabend die Wahl des Fifa-Kongresses in der zweiten Runde gewonnen hatte und damit den ewigen Blatter beerbte: "Wir werden unermüdlich arbeiten, um sicherzugehen, dass der Fußball wieder in die Fifa und die Fifa wieder zum Fußball findet."

Die Aufgabe könnte kaum schwieriger sein. Denn natürlich schauen die Justizbehörden, die kritischen Sponsoren, die (deutschen) Politiker weiter mit Argusaugen auf den krisengeplagten Weltverband. Stand jetzt sind die verabschiedeten Reformen und der neue Präsident nur Versprechen.

Reaktionen: "Ein guter Tag für den Weltfußball"

"Wir fordern die neue Fifa-Führung auf, die Reformen als oberste Priorität zu sehen", hieß es in einer Erklärung des Kreditkarten-Giganten Visa: "Unsere Erwartung ist, dass die Fifa unverzüglich handelt und eine Kultur der Transparenz, Verlässlichkeit und Integrität schafft." Das milliardenschwere Getränkeunternehmen Coca Cola äußerte sich ähnlich

Mit dem am Freitag mit großer Mehrheit verabschiedeten Reformpaket hat der Weltverband dafür allerdings die Voraussetzungen geschaffen. Unter anderem eine Gewaltenteilung, mehr Transparenz und Integrität sowie eine Frauenquote werden in die Fifa-Statuten implementiert und treten 60 Tage nach der Wahl in Kraft.

"Das war ein guter Tag für die Fifa, vielleicht sogar ein historischer, dass muss die Zukunft zeigen. Die Arbeit ist noch nicht beendet, sie beginnt mit dem heutigen Tag erst richtig", sagte der ehemalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (65), der noch im Fifa-Exekutivkomitee sitzt.

Porträt: Infantino - neuer Fifa-Präsident FOTO: dpa, hm

Presse feiert neuen Fifa-Präsidenten

In Europa überschlugen sich am Tag nach Infantinos Inthronisierung die Schlagzeilen der Zeitungen. "Gianni Infantino ist der Auserwählte", schrieb die spanische Marca. "Der Schweizer hat die Mission, das ramponierte Image der Fifa zu restaurieren", stand im Blatt El Pais. In Infantinos Heimatland titelte die Boulevardzeitung Blick: "FIFAntino. Hand aufs Herz: Diese Wahl ist gut für den Fußball und gut für die Schweiz." Die Aargauer Zeitung meinte: "Unser nächster Fußballkönig. Der Thron bleibt in der Schweiz."

Im Fußball-Mutterland England brachte die Daily Mail allerdings auch deutlich Skepsis zum Ausdruck: "Selbst der Einschlag eines Meteoren würde das Gesicht der Fifa kaum verändern. Die beiden Lebensformen, die in einer post-apokalyptischen Landschaft am wahrscheinlichsten überleben würden, sind Kakerlaken und Fifa-Funktionäre. Infantino war unter den gegebenen Umständen das geringste Übel."

Außerhalb Europas werden die kleineren der 209 Fifa-Verbände vor allem auf die Einlösung eines Infantino-Versprechens pochen: mehr Geld. Der neue Fifa-Boss will künftig alle vier Jahre über eine Milliarde Dollar mehr an die Mitglieder ausschütten.

Kurioserweise kündigte Interims-Generalsekretär Markus Kattner eine finanzielle Schieflage für die laufende Haushaltsperiode (bis 2018) an. 550 Millionen könnten fehlen. Die Finanz-Rücklagen des Weltverbandes belaufen sich derzeit aber noch auf nie dagewesene 1,412 Milliarden Euro.

"Ich glaube, ich habe da eine gewisse Erfahrung. Wenn die Fifa fünf Milliarden einnimmt, ist es kein Problem, 1,2 Milliarden davon in die Fußball-Entwicklung zu investieren", versprach Infantino: "Das muss die erste Priorität sein, alles andere steht dahinter. Mein Arbeit bei der Europäischen Fußball-Union zeigt, dass die Uefa nicht bankrott gegangen ist. Ich mache mir da keinerlei Sorgen."

Für Sorgen hat der Infantino-Aufstieg aber dennoch bei der Uefa gesorgt. Der mächtige Europa-Verband ist durch den Abgang des Generalsekretärs eine Woche führungslos – Uefa-Präsident Michel Platini ist Stand jetzt für sechs Jahre gesperrt.

Den neuen Generalsekretär wird deshalb am Freitag (4. März) das Uefa-Exekutivkomitee bestimmen. Ein neuer Boss soll erst gewählt werden, wenn Platinis Verhandlung vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS abgeschlossen ist. Zum Uefa-Kongress Anfang Mai wird die Zeit deshalb ganz schön knapp. Spätestens zum Anpfiff der EURO 2016 (10. Juni bis 10. Juli) wird es aber einen neuen Uefa-Boss geben – oder der alte kommt rehabilitiert zurück.

(sid)
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