Kein Fußball über 2500 Meter: FIFA-Höhenangst bereitet Schwindelgefühle
VON BEN BINKLE - zuletzt aktualisiert: 31.05.2007 - 12:32Düsseldorf (RPO). Von den Plänen des Weltverbandes Fifa, Spiele in einer Höhe von über 2500 Metern zu verbieten, profitieren vor allem die etablierten (süd-)amerikanischen Fußballnationen wie Brasilien und Argentinien. Ihnen bleibt künftig die erschwerliche Reise zu den "Fußballzwergen" in den Anden erspart.
Die Empörung in den Anden-Ländern war groß, denn die Fifa-Verordnung würde den Nationalteams von Kolumbien, Ecuador und Bolivien ihren Heimvorteil nehmen: Die Stadien in Bogota (2600 Meter), Quito (2850) und La Paz (3700) sind direkt vom Verbot des Weltverbandes betroffen. Dort dürfen in Zukunft weder Länderspiele noch internationale Partien in Klubwettbewerben ausgetragen werden.
Die Reaktion der betroffenen Länder kam umgehend: Boliviens Präsident Evo Morales forderte bereits nachdrücklich, das Verbot wieder aufzuheben. Fifa-Präsident Joseph S. Blatter hingegen rechtfertigt die Neuerung mit mehr Chancengleichheit und aus medizischen Gründen. "Wir müssen an die Gesundheit der Spieler denken", spielt der Schweizer auf die Probleme des Höhentrainings an.
Wie verändert sich der menschliche Körper in der Höhe?
Bei Spielen in der Höhe ist der menschliche Organismus extremeren Anforderungen ausgesetzt. Durch den verminderten Luftdruck nimmt der Körper weniger Sauerstoff auf und kann nicht das gewohnte Leistungsniveau abrufen. Zwar kann sich der Mechanismus auf die veränderten Bedingungen einstellen, doch braucht er dafür Zeit: Ein effektives Höhentrainingslager dauert zwischen drei und vier Wochen. Anschließend kann der Körper auch nach der Rückkehr in flacheres Gefilde mehr Sauerstoff transportieren und daher länger höhere Belastungen aushalten. Aus diesem Grund ist das Höhentraining bei vielen Leistungssportler wie Rad- oder Skiprofis sehr beliebt.
Kurzaufenthalte in der Höhe, wie sie bei Auswärtsspielen in der südamerikanischen WM-Quaifikation üblich sind, haben für die Gästeteams eher negative Effekte. Wie groß der Heimvorteil der höhenerprobten Nationalteams ist, zeigt schon ein Blick auf die Ergebnisse der WM-Quali 2006. Ecuador schlug im Estadio Olimico Atahualpa in Quito die mehrfachen Weltmeister Brasilien und Argentinien und selbst Bolivien, Schlusslicht in der Tabelle, trotzte dem Starensemble der "Selecao" in der Höhe von Bogota ein 1:1 ab.
Hat die Fifa politische Ziele?
Dass hinter der Maßnahme des Weltverbandes nicht nur medizinische, sondern auch politische Ziele stecken, darf zumindest vermutet werden. Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass das Aztekenstadion und das Olympiastadion in Mexiko-Stadt mit 2240 Höhenmetern knapp unter der Fifa-Richtlinie bleiben.
Dort sprang Bob Beamon bei den Olympischen Spielen 1968 den damaligen Fabelweltrekord von 8,90 Metern - nicht wenige Experten schreiben diesen legendären "Sprung ins 21. Jahrhundert" der dünnen Luft zu.
Was nun aber Mexiko von Ecuador und Bolivien unterscheidet ist mehr als einige Höhenmeter: Die Mittelamerikanier sind kein Fußballzwerg und haben entsprechend eine andere Lobby vorzuweisen. Die "el Tri" sind Dauergast bei WM-Endrunden, waren selber schon zwei Mal Ausrichter (1970 und 1986) und gelten neben den USA Aushängeschild der CONCACAF-Gruppe. Außenseiter Ecuador hingegen schaffte 2006 erst zum zweiten Mal die Qualifikation für die Endrunde - was vor allem an ihrer Heimstärke lag.
Welche Folgen gibt es?
Dieses Vorteils beraubt würde es für die kleinen Fußballnationen in Südamerika noch schwieriger, die Phalanx der etablierten Länder wie Brasilien, Argentinien oder Uruguay zu durchbrechen. Die "neue Chancengleichheit" dürfte andererseits bei den Favoritennationen mit Wohlwollen aufgenommen worden sein.
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