| 21.56 Uhr

Fifa-Präsidentschaft
Platini schart Verbündete um sich

Das ist Michel Platini
Das ist Michel Platini FOTO: afp, VH/nb
Michel Platini kämpft um seine sportpolitische Zukunft und seine Kandidatur als Fifa-Präsident. Zwei Tage nach seiner Suspendierung scharen sich auch treue Verbündete um den französischen Uefa-Boss.

Michel Platini gibt auch im sportpolitischen Abseits nicht auf. Im Kampf um seine Kandidatur als Präsident des Weltverbandes Fifa zieht Frankreichs Fußball-Idol nach seiner Suspendierung als Fifa-Vize und Chef des Europa-Verbandes Uefa alle Register und schart Verbündete um sich.

Reaktionen: "Rote Karte für Blatter und Platini"

Der 60-Jährige selbst legte am Samstag nach Informationen der französischen Nachrichtenagentur AFP bei der Fifa-Berufungskommission fristgerecht Einspruch gegen seine 90-tägige Zwangspause ein. Zugleich forderte Südamerikas Kontinentalverband Conmebol die Aufhebung von Platinis Suspendierung, während der französische Nationalverband FFF nach Angaben der Zeitung Le Parisien eine Klage gegen Platinis provisorische Sperre beim Internationalen Sportgerichtshof CAS vorbereitet.

"Die Suspendierung ist unpassend und unangemessen. Die Unschuldsvermutung muss in Betracht gezogen werden. Herr Platini ist für kein Vergehen schuldig gesprochen worden, so dass seine Suspendierung die Integrität des Prozesses für die Wahl eines neuen Fifa-Präsidenten infrage stellt", erklärte der Conmebol mit Blick auf Platinis Hoffnungen auf die Nachfolge des ebenfalls suspendierten Fifa-Bosses Joseph S. Blatter (Schweiz).

Der FFF will angeblich versuchen, die Suspendierung des Europameisters von 1984 beim CAS als einerseits inhaltlich unbegründet und andererseits grundsätzlich schädigend für seinen eigenen Ruf anzufechten. Der Hintergedanke: Im Eilverfahren könnte in Lausanne eher eine Entscheidung fallen als in Platinis Berufungsverfahren bei der Fifa, so dass der einstige Weltstar möglicherweise schon wieder bei den Not-Konferenzen der Uefa-Exekutive am Donnerstag (15. Oktober) und des Fifa-Vorstands am 20. Oktober (Dienstag) am Tisch sitzen könnte.

Fotos: Sepp Blatter: 17 Jahre an der Spitze der Fifa FOTO: dapd, Alessandro Della Bella

Zwei Tage nach dem sporthistorischen Sturz der beiden mächtigsten Fußball-Funktionäre auf dem Globus kristallisierte sich Platinis generelle Taktik jedenfalls weiter klar heraus: In der "Nachschlag-Affäre" um die Millionen-Zahlung der Fifa von 2011 für Platini sieht der Uefa-Chef im Vergleich zu seinem offiziell als "Beschuldigter" geführten Erzfeind Blatter die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt. Klar ist aber auch, dass "Platoche" für den erhofften Befreiungsschlag endlich eine nachvollziehbare Erklärung für den dubiosen Geldtransfer benötigt.

Unterdessen machte der frühere Fifa-Vize und Blatter-Vertraute Jack Warner (Trinidad und Tobago) kein Hehl aus seiner Genugtuung über die zumindest vorläufige Absetzung seines einstigen Geschäftspartners. "Die selben Leute, die mir eine Grube graben wollten, sind nun selbst in einem viel tieferen Loch. Sie sind Opfer ihrer eigenen Tricks", sagte der als Schlüsselfigur im gesamten Fifa-Skandal geltende Ex-Minister des Karibikstaats.

Der 72-Jährige, der momentan gegen seine Auslieferung in die USA kämpft, verstieg sich auf einem Lehrer-Kongress in Port-of-Spain allerdings einmal wieder in Verschwörungstheorien gegen seine Hächer: "Ich verstehe nicht, warum keiner sehen mag, dass es eine Hexenjagd der Amerikaner ist. Ich weiß, dass die USA die Fifa übernehmen wollen, wie sie es schon mit den Vereinten Nationen gemacht haben, weil die Fifa und ihre WM das Einzige sind, was sie noch nicht unter ihrer Kontrolle haben."

Pressestimmen: "Das Spiel ist aus" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Wie wenig Blatter derzeit die Kontrolle besitzt, ist inzwischen im Internet offenkundig. Bei seinem "twitter"-Account ist der bisherige Zusatz mit der Nennung seiner Funktion in englischer Sprache ("President of Fifa, world football s governing body") schon gestrichen. Außerdem stellte "seine" Fifa auf ihrer Homepage im Menübereich "Der Präsident" ein Porträt von Isaa Hayatou (Kamerun) mit der Überschrift "Fifa Interimspräsident" ein und den Text über Blatter offline.

In seinem Geburtsort Visp jedoch wäre der 79-Jährige bei Spielen des FC Visp weiterhin gern gesehen. "Sepp ist bei uns immer willkommen", zitierte die Züricher Zeitung Tages-Anzeiger ein Vorstandsmitglied des Amateur-Klubs aus dem Oberwallis: "Wir werden ihn sicher nicht aussperren." Aller Gastfreundschaft zum Trotz jedoch würde Blatter den Informationen des Blattes zufolge durch den Besuch von Visper Spielen eine weitere Demütigung in Form einer zivilrechtlichen Klage wegen Hausfriedensbruches riskieren.

(sid)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

FIFA: Michel Platini schart Verbündete um sich


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.