| 18.42 Uhr

Antrag auf transparente Kabinen abgelehnt
Fifa-Wahl findet statt, Reformpaket steht auf der Kippe

Fragen und Antworten zum außerordentlichen Fifa-Kongress
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Zürich. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat seinen Segen für die Wahl des neuen Fifa-Präsidenten gegeben. Noch wichtiger ist dem Fußball-Weltverband aber die andere Abstimmung.

Die Absage ist endgültig vom Tisch, der neue Fifa-Präsident wird ohne Glaskabinen gewählt - aber der bitter nötige Neuanfang des Fußball-Weltverbandes steht weiter auf der Kippe. "Die ganze Welt blickt diese Woche auf uns", appellierte Interimspräsident Issa Hayatou (69) an die Verbände aus der ganzen Welt, die am Freitag die Weichen für die Zukunft stellen sollen. Präsidentschaftswahl hin oder her - wichtiger sind die Reformen.

"Die Annahme dieser sendet ein starkes Signal und zeigt, dass wir zugehört haben und die erforderlichen Maßnahmen treffen, um das Vertrauen zurückzugewinnen und unsere Leistung zu verbessern", sagte der Kameruner nach der obligatorischen Sitzung des Exekutivkomitees mit dem früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach (65). Am Mittwochmorgen, um kurz vor 9.00 Uhr, waren die hohen Herren in schwarzen Limousinen ins Fifa-Hauptquartier gefahren.

"Jede einzelne dieser Maßnahmen ist für die Zukunft der Fifa - und den Fußball weltweit - entscheidend. Wir rufen alle Mitgliedsverbände dazu auf, die Reformen diese Woche hier in Zürich voll zu unterstützen und sie danach zu Hause in ihrer Gesamtheit umzusetzen. Das ist unsere gemeinsame Verantwortung für den Fußball", fügte Hayatou an. Der Haken: Für die Verabschiedung braucht es die Dreiviertelmehrheit der 207 stimmberechtigten Verbände (Kuwait und Indonesien bleiben wohl suspendiert) - das ist eine Menge in der Fifa-Welt, in der viele Funktionäre vom alten System profitiert haben.

Erst wenn über Amtszeitbeschränkung, Gewaltenteilung und Co. entschieden wurde, wird dann, wahrscheinlich am Freitagnachmittag, der neue Fifa-Präsident gewählt. Der Vorstoß des jordanischen Kandidaten Prinz Ali bin Al Hussein (40), die Wahl zumindest zu verschieben, scheiterte am Mittwochabend am Internationalen Sportgerichtshof CAS, der "provisorische Maßnahmen" ablehnte.

Der Prinz hatte beantragt, für die Abstimmung transparente Kabinen für die Vertreter der Fifa-Mitgliedsverbände installieren zu lassen. Bezahlt und nach Zürich geschafft hatte er sie offenbar schon.

Domenico Scala, der für die Wahl zuständige Fifa-Kommissionschef, hatte das ohnehin abgelehnt, die Anwälte des Prinzen riefen anschließend den CAS an. "Ich bedauere, dass das System uns im Stich lässt", teilte der 40-Jährige anschließend in einem Statement mit. Die exakte Begründung will der CAS "in einigen Tagen" veröffentlichen.

Von einer gläsernen Abstimmungskabine versprach sich Ali als einer von fünf Kandidaten auf die Nachfolge von Joseph S. Blatter (79) mehr Transparenz. "Nur eine transparente Glaskabine kann beweisen, dass jeder Abstimmende bei seinem Votum nur seinem Herzen und seinem Gewissen folgt. Dass es keine Zwangsstimmen gibt, die durch gepostete Fotos und damit Druck von außen erzwungen wurden", sagte Renaud Semerdjian, einer der Anwälte von Prinz Ali, der Nachrichtenagentur AFP.

Prinz Ali tritt bei der Abstimmung gegen UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino aus der Schweiz (45), Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa aus Bahrain (50), den Franzosen Jérôme Champagne (57) und Tokyo Sexwale (62/Südafrika) an. Im ersten Wahlgang benötigt der Sieger zwei Drittel der Stimmen. Danach genügt die absolute Mehrheit (über 50 Prozent). Infantino und der Scheich werden das Rennen unter sich ausmachen.

(ems/sid)
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