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Fifa-Präsident tritt zurück
Europa atmet auf: Blatters Schritt "absolut richtig"

Blatter verkündet seinen Rücktritt
Blatter verkündet seinen Rücktritt FOTO: afp, vd/tlr
Düsseldorf. Fifa-Präsident Joseph S. Blatter legt sein Amt an der Spitze des Weltverbandes nieder. Eine Entscheidung, die weltweit hohe Wellen schlug.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach nannte die Entscheidung "überfällig" und "absolut richtig", für Uefa-Oberhaupt Michel Platini war der Entschluss "schwierig" und "mutig", IOC-Boss Thomas Bach sprach schlicht von "großem Respekt": Der Paukenschlag im Weltverband Fifa durch den überraschenden Rücktritt seines Präsidenten Joseph S. Blatter schlug weltweit hohe Wellen – und fand insbesondere in Europa Anklang.

"Ein Aufbruch, den die Fifa dringend braucht, ist nur mit einem neuen Mann an der Spitze möglich", sagte Niersbach und führte aus: "Denn ungeachtet des Wahlsiegs beim Kongress ist ja keine Ruhe eingekehrt." Zwar wollte sich der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), selbst seit Kurzem Mitglied im Fifa-Exekutivkomitee, noch nicht zu einem möglichen Nachfolger äußern – doch jetzt, wo Blatter plötzlich nicht mehr im Amt ist, scheint eine Kandidatur eines Anwärters aus Europa durchaus erfolgversprechend. Man müsse sich auch mit der Frage beschäftigen, ob Europa und die Uefa "einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken", sagte Niersbach daher.

Der Präsident der europäischen Fußball-Union (Uefa), Michel Platini, dessen Verhältnis zu Blatter ohnehin angeschlagen war, fasste sich kurz und begrüßte den Rücktritt des Schweizers: "Es war eine schwierige Entscheidung, eine mutige Entscheidung und die richtige Entscheidung", sagte Platini.

Deutlicher wurde da Ligapräsident Reinhard Rauball. "Dies ist ein guter Tag für den Weltfußball. Sepp Blatter hat der Fifa mit seinem Rücktritt einen großen Dienst erwiesen", sagte er und forderte zugleich zur Einheit auf: "Alle, die für eine Reform der Fifa ernsthaft eingetreten sind, sind nun gefordert, mit konstruktiven Vorschlägen zur Einheit des Fußballs beizutragen."

"Großartig für den Fußball"

Dabei seien Werte wie "Glaubwürdigkeit und Transparenz" wichtig: "Denn klar ist auch: Mit dem Rücktritt alleine sind noch lange nicht alle Probleme gelöst." An konkrete Zukunftsplanungen verschwendet Greg Dyke, Präsident des englischen Verbandes FA, derzeit noch keine Gedanken. "Großartig für den Fußball", kommentierte der 68-Jährige.

Auch die einstigen Präsidentschaftskandidaten, der ehemalige Weltfußballer Luis Figo (42) und der niederländische Verbandsboss Michael van Praag (67), begrüßten Blatters Demission. Beide hatten eine Kandidatur vorbereitet – diese dann aber unter der erdrückenden Präsenz Blatters zurückgezogen. "Was für eine schöne Nachricht", sagte van Praag, für Figo war es "ein guter Tag für die Fifa und für den Fußball. Der Wechsel kommt nun doch. Ich habe am Freitag gesagt, dass dieser Tag früher oder später kommen wird. Da ist er!"

Beide schlossen nicht aus, noch einmal zur Wahl zu stehen – man wolle nun die nächsten Tage abwarten und dann eine Entscheidung treffen. Die Politiker in Russland, dem umstrittenen Gastgeber der WM 2018, sind dagegen weiterhin von Blatter überzeugt. "Es ist offensichtlich, dass er die Fifa schützen will und erwartet, dass die Reformen in der Organisation weitergeführt werden", sagte der russische Sportminister Witali Mutko. Mit dieser Meinung stand er am Dienstag aber fast alleine da.

(sid)
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