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Fifa-Präsident gehe es "richtig gut"
Blatter wusste von dubiosen Millionen-Zahlungen

Fotos: Sepp Blatter: 17 Jahre an der Spitze der Fifa
Fotos: Sepp Blatter: 17 Jahre an der Spitze der Fifa FOTO: dapd, Alessandro Della Bella
Zürich. Immer neue Enthüllungen lassen den Weltverband Fifa nicht zur Ruhe kommen. Präsident Joseph S. Blatter versucht derweil, den Anschein der Normalität zu erwecken.

Die Fußball-Welt, die er aufgebaut hat, bricht um ihn herum zusammen – doch Joseph S. Blatter sieht aus wie ein glücklicher Rentner. Im kurzärmligen, hellblauen Hemd, das Sakko sauber aufgehängt, sitzt der 79-Jährige mit seiner Tochter Corinne in der Wirtschaft zur Höhe Zollikon in der Nähe des Zürichsees und lächelt in die Kamera. Dass der Druck der erschütternden Korruptionsvorwürfe auch auf den Noch-Präsidenten des Weltverbands FIfa immer mehr zunimmt – geschenkt.

"Meinem Vater geht es wirklich richtig gut", sagte Corinne Blatter-Andenmatten dem Sonntagsblick und schickte per SMS den Fotobeweis: "Er fühlt sich frei wie nie in seinem Leben." Das ist angesichts der immer neuen Details zu den systematischen Betrügereien bis auf die höchste Funktionärsebene erstaunlich – hat aber so auch bei den vergangenen Skandalen immer funktioniert. Ins Gefängnis sollen andere wandern.

"Wir fordern Jack Warner auf, uns von diesem Wahnsinn, den er über uns gebracht hat, zu befreien und sich schnell in den USA seinem Prozess zu stellen", sagte Prakash Ramadhar, Justizminister des Inselstaats Trinidad und Tobago. Warner, früher als Fifa-Vize Blatters enger Vertrauter und jahrelang Stimmenbeschaffer für den Mann aus dem Wallis, ist eine der Schlüsselfiguren in der Anklageschrift der US-Behörden und soll ähnlich wie Chuck Blazer zum "Whistleblower" gegen Blatter werden – wenn er sich denn endlich in den USA stellen würde.

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Was der zwielichtige Geschäftsmann aber wirklich weiß und belegen kann, ist völlig offen. Von jenen zehn Millionen US-Dollar, die Warner mutmaßlich statt für karitative Zwecke für das eigenen Wohlbefinden ausgegeben hat, hatte Blatter jedenfalls Kenntnis. Das bestätigte die Fifa am Montag der englischen Zeitung "Daily Telegraph". Der Weltverband betonte aber, Kenntnis zu haben bedeute nicht, in die Sache auch "involviert" gewesen zu sein.

Am Wochenende hatte die südafrikanische Sunday Times von einer E-Mail des Fifa-Generalsekretärs Jerome Valcke aus dem Jahr 2007 berichtet, in der er andeutet, dass Blatter wohl von jenen zehn Millionen US-Dollar gewusst hat.

Ob aber nun mit Blatters Segen oder ohne: Die Fifa und die südafrikanische Regierung bestehen seit Tagen darauf, dass die Summe (angewiesen vom inzwischen verstorbenen Fifa-Funktionär Julio Grondona aus Argentinien) für ein Entwicklungsprogramm in der Karibik geflossen sei, und auf keinen Fall für die Bestechung bei der Vergabe der WM nach Südafrika 2010 gedient habe. Unlautere Dinge hat dann Empfänger Warner mit den Millionen getrieben.

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Warner war Anfang 2008, als die Fifa die zehn Millionen Euro in drei Raten überwies, der Präsident des Kontinentalverbands von Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik Concacaf. Allein 4,86 Millionen Euro der Gesamtsumme seien über den Weg einer lokalen Supermarktkette an ihn zurückgeflossen, berichtete die BBC.

Derweil sorgte eine am Montag aufgetauchte Summe nicht für eine weitere Verschärfung der tiefen Krise, sondern für Belustigung bei allen Fifa-Kritikern. United Passions, der hochkarätig besetzte Film über die Geschichte des Weltverbandes, hat bei seinem Kino-Start in den USA ein Debakel erlebt.

Nach Berichten amerikanischer Medien spielte der Streifen, der unter anderem Hollywood-Star Tim Roth in der Rolle von Blatter und Gerard Depardieu als Jules Rimet zeigt, an den ersten beiden Tagen lediglich 545 Euro ein. Die Fifa hatte das Projekt mit 25 Millionen Euro finanziert...

Weitere Informationen zur Fifa in unserem Dossier.

(sid)
 
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