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Niersbach: "Sehr, sehr freie Interpretation von Blatter"

Porträt: Niersbach: Vom Journalisten zum Macher im Fußball
Porträt: Niersbach: Vom Journalisten zum Macher im Fußball FOTO: RPO
Düsseldorf. Das Thema WM-Boykott gerät im Zuge des Fifa-Skandals in den Fokus. Die Engländer erhöhen den Druck auf den Deutschen Fußball-Bund. Mit unserem Newsticker bleiben Sie auf dem Laufenden.

+++ Fifa-Ethikkommission schließt Sanz aus +++

Die Ethikkomission des Fußball-Weltverbandes Fifa unter Führung des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert hat am Montag Enrique Sanz für jegliche nationale und internationale Tätigkeit im Fußball gesperrt. Dem Generalsekretär des Kontinentalverbands CONCACAF (Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik) wird vorgeworfen, TV-Rechte verschoben zu haben. Neuste Fakten, die von der Staatsanwaltschaft New York der Fifa vorgelegt wurden, hätten zu diesem Entschluss geführt, teilte die Fifa mit.

+++ Belgier D'Hooghe droht mit Rückzug +++

Der Belgier Michel D'Hooghe hat seinen Rückzug aus der Fifa-Exekutive angedroht, sollte es nicht zu weitreichenden Reformen innerhalb des Fußball-Weltverbands kommen. "Ich kann mich nicht mit einer Institution abfinden, für die ich seit 27 Jahre die medizinische Verantwortung trage und in der es viel Korruption gibt, wie ich jetzt lese", sagte der Fifa-Medizinchef im belgischen Fernsehen. "Mein Schluss ist klar: Ich werde nicht länger unter diesen Bedingungen arbeiten. Wenn es bei dieser Atmosphäre in der Fifa bleibt, habe ich dort keinen Platz mehr."

Er werde bis zu einer Entscheidung nun warten, was sich in der Fifa nach der vierten Wiederwahl von Präsident Joseph Blatter ändern werde. "Je mehr wir werden, desto besser", sagte D'Hooghe. "Eine kleine Medikation reicht nicht mehr aus, dann muss man das Skalpell benutzen." Nach dem Korruptionsskandal mit sieben Festnahmen von Fußball-Funktionären in Zürich und insgesamt 14 angeklagten Personen hatte zuletzt der Engländer David Gill seinen Rückzug aus dem Exko erklärt.

+++ Niersbach wehrt sich nach Blatter-Aussagen +++

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat die von Fifa-Boss Joseph S. Blatter gestreuten Gerüchte über ein Streit-Telefonat mit Franz Beckenbauer zurückgewiesen. "Die Verwirrung habe ich geteilt. Als ich das am Sonntagmorgen gehört habe, konnte ich mich an kein Telefonat erinnern, in dem mich Franz Beckenbauer jemals 'zusammengefaltet' hätte", sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Montag in Frankfurt/Main.

Die Äußerungen Blatters seien "eine sehr, sehr freie Interpretation des Fifa-Präsidenten", sagte der 64-Jährige. Klärungsbedarf bestand zwischen den beiden deutschen Fußballgrößen nicht. "Wir brauchten keine großen Diskussionen, das war völlig harmlos", sagte Niersbach: "Wer mein Verhältnis zu Franz Beckenbauer kennt, der weiß, wie eng und freundschaftlich wir verbunden sind."

+++ Neuseeländer vor Rückzug +++

Der Neuseeländer Nick Davidson will sich einem Medienbericht zufolge aus der Ethikkommission des Fußball- Weltverbands Fifa zurückziehen. Das berichtete der "Herald on Sunday". Davidson zeigte sich "frustriert", dass er den Untersuchungsbericht des früheren Chefermittlers Michael Garcia zur skandalumwitterten WM-Vergabe 2018 in Russland und 2022 in Katar nicht zu sehen bekommen habe. Die Ethikkommission ist ein ständiger Ausschuss des Fußball-Weltverbands, Davidson ist eines von sechs Mitgliedern der Untersuchungskammer.

"Ermittler müssen die gesamte Story kennen. Michael Garcia hat nach den Regeln gespielt und hatte keine Autorisierung, den Bericht mir offenzulegen", sagte Davidson der Zeitung. Es müssten einige Punkte geändert werden, um die Untersuchungen effektiver zu machen. "Die Auffassung von Unabhängigkeit hängt von der Realität ab." Garcia war zurückgetreten, weil seine Untersuchungsergebnisse nicht zu einer Anklage in seinem Sinne geführt hatten.

+++ Warner fordert Ermittlungen gegen Blatter +++

Der unter Korruptionsverdacht stehende frühere Fifa-Vizepräsident Jack Warner hat Ermittlungen gegen Fußball-Weltverbandschef Joseph Blatter gefordert. Kein anderer habe so viel Schande über die Fifa gebracht, sagte der ehemalige Spitzenfunktionär. "Warum ermittelt keiner in Asien, warum nicht in Europa? Warum gibt es keine Ermittlungen gegen Blatter?" Ob Blatter korrupt sei, könne er nicht sagen. "Wenn ich in seinem Alter wäre, würde ich in Rente gehen und die Führung der Fifa an einen Jüngeren übergeben."

Warner war im Jahr 2011 im Zuge eines Korruptionsskandals von seinem Amt als Fifa-Vize zurückgetreten. Er hat jegliche Verfehlungen abgestritten. Neben Warner sind 13 weitere Fußball-Funktionäre im Zuge des Skandals angeklagt worden.

+++ Brasiliens Fußball-Legende Pele unterstützt Blatter +++

Brasiliens Fußball-Legende Pele hat die Wiederwahl des Schweizer Fifa-Präsidenten Joseph Blatter begrüßt. Dem jüngsten Korruptionsskandal zum Trotz bezeichnete er die Wahl als "perfekt".

An der Spitze des Fußball-Weltverbands brauche es Menschen mit Erfahrung, sagte Pele am Sonntag (Ortszeit) in Havanna. Der 74-Jährige begleitet seinen früheren US-Verein Cosmos New York zu einem historischen Spiel gegen die kubanische Nationalelf. Die Partie findet am Dienstag (23.00 Uhr MESZ) statt. Den dreifachen Weltmeister Pele plagen immer wieder gesundheitliche Beschwerden. Nach mehreren Krankenhausaufenthalten im Jahr 2014, wurde Pele erst im Mai wegen Prostatabeschwerden operiert.

+++ Fifa stellt neue WM-Richtlinien am 11. Juni vor +++

Der immer heftiger in die Kritik geratene Fußball-Weltverband Fifa will am 11. Juni neue Richtlinien für die Vergabe von Weltmeisterschaften bekanntgeben. Dies erklärte Alexander Koch, Stellvertretender Leiter der Fifa-Unternehmenskommunikation, in der Sendung Günther Jauch in der ARD. Dabei sollen dann wie von der Fifa einige Male angedeutet auch Punkte wie Menschenrechte oder der Korruptionsindex berücksichtigt werden. An den umstrittenen Vergaben der Weltmeisterschaften 2018 nach Russland und 2022 nach Katar will die Fifa aber eisern festhalten

+++ Südafrika weist Vorwürfe zurück +++

Der südafrikanische Sportminister Fikile Mbalula hat Bestechungsvorwürfe rund um die Vergabe der WM 2010 erneut vehement zurückgewiesen. Bei den Anschuldigungen handele es sich um "Lügen" und "Propaganda", die darauf abzielten, den guten Ruf Südafrikas zu zerstören, hieß es in einer Mitteilung Mbalulas. Es seien keine Steuergelder verwendet worden, um von der Fifa den Zuschlag für die WM zu erhalten. Südafrika sei wütend über die Anklage der amerikanischen Justizbehörden, die versuchten, die Regierung in Pretoria als korrupt darzustellen, zitierte die Online-Nachrichtenseite "Eyewitness News" den Minister am Montag.

Der frühere Chef des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft, Danny Jordaan, hatte zuvor eine Sonderzahlung von zehn Millionen Dollar eingeräumt. Das Geld sei jedoch entgegen einer Anklageschrift der US-Justizbehörden keine Bestechung der Fifa gewesen. Jordaan zufolge wurde das Geld 2008 an die Konföderation von Nord- und Mittelamerika Concacaf bezahlt, um den Sport dort zu fördern.

+++ Katars Ex-Regierungschef: WM ohne Bestechung an den Golf geholt +++

Katars ehemaliger Ministerpräsident hat Korruptionsvorwürfe gegen das Emirat bei der Vergabe der WM 2022 zurückgewiesen. "Wir haben das in einem fairen Wettbewerb erreicht. Da gab es keine Korruption", sagte Scheich Hamad bin Dschassim bin Dschaber al-Thani dem US-Fernsehsender Fox am Sonntag.
Die Debatte sei nicht fair. Der Scheich spielte auch auf mögliche Vorbehalte westlicher Gesellschaften gegenüber Katar an: "Ist das so, weil es ein arabisches, islamisches, kleines Land ist? So empfinden das die Menschen in der Region."

Scheich Hamad war 2010 während der skandalumwitterten Abstimmung über den WM-Gastgeber Regierungschef Katars. Die Eröffnung eines Strafverfahrens wegen Korruptionsverdachts durch die Schweizer Behörden vergangene Woche hatte die Diskussionen um die umstrittenen WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar vier Jahre später wieder verschärft.

+++ DFB-Vize Koch: Niersbach wird Stimme erheben +++

Auch DFB-Vizepräsident Rainer Koch hat sich trotz der Wiederwahl von Fifa-Präsident Sepp Blatter für einen Verbleib von Wolfgang Niersbach in der Exekutive des Weltverbands ausgesprochen. "Aus meiner Sicht ist es sehr wichtig und richtig, dass Wolfgang Niersbach einen Sitz im Exekutivkomitee hat", sagte Koch im Bayerischen Rundfunk. "Es ist dies das einzige Gremium, aus dem heraus Veränderungen in Angriff genommen werden können. Ob das gelingt, wird man sehen, aber ich bin ganz sicher, dass Wolfgang Niersbach dort seine Stimme erheben wird." Angesichts der jüngsten Skandale hatte Niersbach einen Verzicht auf das Amt in der Fußball-Weltregierung zunächst nicht ausgeschlossen, dies erscheint jedoch unwahrscheinlich. Auf die Frage, warum er sich den Fifa-Job antue, antwortete der DFB-Präsident beim Kongress in Zürich: "Weil entscheidende Leute im deutschen Fußball der Meinung sind, dass der DFB im wichtigsten Gremium des Weltfußball vertreten sein sollte. Deshalb nehme ich dieses Mandat an."

+++ Englands Verbandschef fordert Deutschland zu WM-Boykott auf +++

Englands Fußball-Verbandspräsident Greg Dyke hat Deutschland und andere wichtige Fußball-Nationen aus Protest gegen den wiedergewählten Fifa-Präsident Sepp Blatter zu einem WM-Boykott aufgerufen. Dieser müsse von mindestens "zehn großen Ländern" unterstützt werden, um Auswirkungen zu haben, sagte Dyke dem BBC Radio. "Ansonsten ist es zwecklos." Die Fifa würde "nur ernsthafte Maßnahmen unternehmen, wenn es genug Opposition gibt. Das wären sicherlich wir, das wären sicherlich die Niederländer, das wären sicherlich die Deutschen, die einen Wechsel forderten und weiter einen Wechsel fordern."

Diese Woche wollen die Mitgliedsverbände der Europäischen Fußball-Union Uefa vor dem Champions-League-Finale in Berlin über eine gemeinsame Strategie beraten. Uefa-Präsident Michel Platini hatte schon vor dem Fifa-Kongress in Zürich am vergangenen Wochenende für den Fall einer fünften Amtszeit Blatters den Rückzug europäischer Mannschaften aus allen Fifa-Wettbewerben nicht ausgeschlossen. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hatte sich allerdings danach klar gegen ein deutsches Fernbleiben bei der Weltmeisterschaft ausgesprochen. "Boykott ist eine schlechte Waffe. Wir haben uns so oft gegen Boykott ausgesprochen und das sollte auch die Grundhaltung sein", sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes.

+++ De Maiziere mahnt zu Einigkeit +++

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere hat die Europäische Fußball-Union (Uefa) in der Debatte über die Zukunft des Weltverbandes Fifa zu Geschlossenheit ermahnt. In einem Interview mit dem rbb-Inforadio setzte sich der CDU-Sportminister zur Durchsetzung von Reformen außerdem für die Einführung eines Stimmenproporzes bei der Fifa anstelle des derzeitigen "Jedem Verband eine Stimme"-Prinzip. De Maiziere sieht den Schlüssel für Veränderungen beim krisengeschüttelten Weltverband trotz des wirkungslosen Widerstands der Uefa gegen die Wiederwahl des umstrittenen Fifa-Bosses Sepp Blatter bei den Verbänden des Alten Kontinents: "Zunächst wäre mal wichtig, dass Europa sich einig ist. Das ist nicht der Fall gewesen", kritisierte der Minister den enttäuschenden Auftritt der Europäer in der Schweiz.

+++ Auch Liga-Präsident Rauball gegen WM-Boykott +++

Nach DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat sich auch Ligapräsident Reinhard Rauball gegen einen Boykott von Fußball-Weltmeisterschaften ausgesprochen. "Einen WM-Boykott europäischer Mannschaften halte ich für nicht diskutabel. Die Leidtragenden sind die Sportler, die ihre Karriere auf eine WM-Teilnahme ausrichten", sagte der 68-Jährige bei Sport Bild Plus. Der DFB-Vizepräsident sieht weitere Gründe, die gegen eine solche Idee sprechen. "Wenn man zum Beispiel sieht, dass Tausende deutsche Fans keine Kosten und Mühen gescheut haben, die Nationalmannschaft bei der WM in Brasilien zu unterstützen, wäre ein WM-Boykott auch ein Affront gegen die Fans", so Rauball. Niersbach hatte sich bereits am Wochenende gegen einen Boykott ausgesprochen. "Ich bin total dagegen. Das ist eine schlechte Waffe, das kann kein Mittel sein", erklärte der DFB-Präsident.

(sid/dpa)
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