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Fifa-Sperre gegen ehemaligen DFB-Präsidenten
Grindel soll Niersbach ersetzen

WM 2006: Die Chronologie der DFB-Affäre
WM 2006: Die Chronologie der DFB-Affäre
Nyon. Reinhard Grindel genießt seine letzten Urlaubstage im Salzburger Land, tankt Kraft für die kommenden Monate. Auf den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) könnte in Zukunft vor allem auf internationalem Parkett deutlich mehr Arbeit zukommen. Denn Grindel wird bereits als Nachfolger von Wolfgang Niersbach, der am Montag durch die Fifa-Ethikkommission zunächst mal für ein Jahr schachmatt gesetzt worden war, gehandelt.

Grindel, der erst im vergangenen April Niersbach an der DFB-Spitze abgelöst hatte, hält sich aber bewusst noch bedeckt. Zunächstmal hofft der 54-Jährige nach der Sperre gegen seinen Vorgänger auf eine möglichst schnelle Rechtssicherheit. Man müsse abwarten, ob Niersbach "mit Blick auf seine persönlichen, internationalen Ämter in Uefa und Fifa" Berufung einlege. "Sollte er dieses ihm verbandsrechtlich zustehende Rechtsmittel wahrnehmen, gilt es dies zu respektieren. Der DFB wäre jedoch dankbar, wenn wir möglichst bald Rechtssicherheit hätten", sagte Grindel.

Niersbach, der am Montag wegen der Affäre um die WM 2006 für ein Jahr gesperrt worden war, will aber um seine Ehre kämpfen und lässt sich zeitlich nicht unter Druck setzen. "Ich lasse mich anwaltlich beraten und werde dann in Ruhe entscheiden, ob ich gegen diesen Entscheid Rechtsmittel einlege", sagte der 65-Jährige am Dienstag noch einmal entschlossen dem Sport-Informations-Dienst (SID). Er halte die Sanktion nach wie vor "für unangemessen und überzogen".

Der frühere DFB-Chef, der im November 2015 wegen des WM-Skandals seinen Rücktritt erklärt hatte, hatte vor allem mit Blick auf die Bewerbung für die EM-Endrunde 2024 in der Uefa-Exekutive die deutschen Interessen vertreten. Dem DFB ist natürlich auch deshalb daran gelegen, auch künftig in den Regierungen des europäischen und des Welt-Fußballs vertreten zu sein.

Sollte Niersbach seine Plätze im Fifa-Council und dem Uefa-Exekutivkomitee endgültig verlieren, müsste sich der DFB zunächst mal intern auf einen Nachfolgekandidaten für die Europäische Fußball-Union (Uefa) verständigen. Nach einem ungeschriebenen Gesetz ist der Posten in der Uefa-Exekutive dem amtierenden Präsidenten vorbehalten, sodass kein Weg an Grindel vorbeiführt.

Der frühere DFB-Schatzmeister, international noch ein unbeschriebenes Blatt, muss sich aber zur Wahl stellen, denn Erbhöfe gibt es in diesem Gremium nicht. Dass der Boss des Weltmeister-Verbandes gute Karten hat, ist aber unbestritten. Grindel könnte aber frühestens im Frühjahr 2017 auf dem Uefa-Kongress in Helsinki in die Exekutive gewählt werden. So lange bliebe der Platz vakant, sollte Niersbach mit seiner möglichen Beschwerde scheitern.

Zu sicher darf sich der DFB trotz seiner exponierten Stellung in Europa und auch in der Welt nicht sein, wie ein Beispiel aus der Vergangenheit zeigt. Der damalige DFB-Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder hatte 1998 überraschend seinen Sitz in der Fifa-Exekutive verloren, als er beim Votum der Mitgliedsverbände des Weltverbandes dem Malteser Joseph Mifsud unterlag.

(seeg/sid)
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