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Handspiel von Thierry Henry in der WM-Qualifikation
Fifa stellte Irland mit Millionenkredit ruhig

Frankreich darf dank Hand-Tor zur WM
Frankreich darf dank Hand-Tor zur WM FOTO: Screenshot ARD
Zürich. Das ungeahndete Handspiel von Thierry Henry vor dem entscheidenden Treffer im WM-Playoff-Spiel gegen Irland sorgte 2009 für Aufsehen. Nun kommt heraus, dass die Fifa den irischen Verband mit einem Millionenkredit ruhig stellte.

Die Fifa hat dem irischen Verband als Entschädigung für den nach einem ungeahndeten Handspiel verpassten WM-Einzug 2009 einen Kredit über fünf Millionen Dollar (rund 4,4 Millionen Euro) gewährt. Das räumte der Weltfußballverband am Donnerstag ein. Zuvor hatte der irische Verbandschef John Delaney in einem Radiointerview ausgepackt. Mit der Kreditzahlung sollte demnach ein juristisches Verfahren nach dem Play-off-Spiel zwischen Irland und Frankreich abgewendet werden.

Die Partie hatte im November 2009 in der Fußballwelt für Entrüstung gesorgt. In der Verlängerung besorgte der französische Verteidiger William Gallas den Ausgleichstreffer zum 1:1 – und sicherte seinem Team damit die Teilnahme an der WM 2010 in Südafrika, während Irland aus dem Wettbewerb flog. Den Treffer leitete Stürmer Thierry Henry jedoch irregulär mit einem Handspiel ein, was er später freimütig zugab. Irland legte wütenden Protest gegen die Fehlentscheidung des schwedischen Schiedsrichters Martin Hansson ein.

Fotos: Sepp Blatter: 17 Jahre an der Spitze der Fifa FOTO: dapd, Alessandro Della Bella

Er habe Fifa-Präsident Sepp Blatter mit einer Klage gedroht, sollte es keine Entschädigung geben – entweder durch ein Sonder-WM-Ticket für die irischen Nationalmannschaft oder finanziellen Ausgleich, sagte Verbandsboss Delaney dem Radiosender RTE. Daraufhin habe sich Blatter öffentlich über die irische Forderung mokiert, jedoch hinter den Kulissen im Geheimen rasch eine finanzielle Einigung angeboten.

Die Fifa teilte dazu mit, die damalige Schiedsrichterentscheidung war endgültig, was der irischen Fußballverband FAI auch akzeptiert habe. Um dessen Beschwerden aber ein Ende zu setzen, sei eine Übereinkunft getroffen worden. "Die Fifa gewährte FAI einen Kredit über fünf Millionen Dollar für den Bau eines Stadions in Irland." Auch die Uefa habe für die gleiche Arena Finanzmittel bereitgestellt, erklärte der Weltfußballverband weiter. Das 56.000 Sitze fassende Aviva-Stadion wurde schließlich 2010 eröffnet.

Auflage für den Kredit war laut der Fifa, dass das Geld zurückgezahlt werde, wenn sich Irland für die WM 2014 qualifiziere. Da das Land aber den Einzug ins Turnier erneut verpasst habe und in Anbetracht der finanziellen Lage des Verbands habe sich die Fifa entschieden, den Kredit zum 31. Dezember 2014 abzuschreiben, hieß es weiter.

Der Verband FAI erklärte in einer Reaktion, es habe sich vielmehr um eine "juristische Vergleichszahlung" gehandelt. Außerdem seien fünf Millionen Euro und nicht fünf Millionen Dollar geflossen. Im Übrigen habe es keine Bedingung außer Vertraulichkeit gegeben, erklärte der Verband.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf den Mangel an Transparenz, der die Fifa in ihren größten Skandal in ihrer 111-jährigen Geschichte gestürzt hat. Vergangene Woche wurden in Zürich auf Geheiß von US-Behörden sieben ranghohe Fifa-Funktionäre wegen Korruption festgenommen, gegen weitere wurden Ermittlungen eingeleitet. Die WM-Vergaben an Russland und Katar stehen auch im Fokus der Ermittlungen Schweizer Behörden.

Der aus Nordirland stammende Ex-Fifa-Vizepräsident Jim Boyce forderte auch eine Untersuchung zum Kredit für Irland. "So etwas Lächerliches habe ich noch nie in meinem Leben gehört", sagte er.

(ap)
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