Lizenzpflicht wird abgeschafft: Fifa will Höchstgrenze für Beraterhonorare
zuletzt aktualisiert: 06.04.2011 - 16:59Frankfurt/Main (RPO). Der Fußball-Weltverband FIFA will den Spielerberatern den Geldhahn zudrehen. "Das Beraterwesen ist das Schlimmste, was dem Fußball passieren konnte. Für mich gibt es nur die Lösung, eine Höchstgrenze für die Beraterhonorare einzuführen. Zudem muss geklärt werden, ob Spieler oder Verein das Honorar bezahlen, damit der Berater nicht noch doppelt abkassiert", sagte DFB-Ehrenpräsident Gerhard Mayer Vorfelder dem Sport-Informations-Dienst (SID).
"MV" sitzt bei der Fifa noch immer in der Spielerstatutenkommission, die in Kürze über die Reform des Transferwesens entscheiden wird. Spätestens beim 61. Kongress des Weltverbandes am 31. Mai und 1. Juni in Zürich will die FIFA die Reform absegnen. Zunächst wird die Lizenzpflicht für Berater abgeschafft. Und ab 2012 sollen die Spielervermittler bei Transfers dann nur noch drei Prozent und nicht wie derzeit noch üblich zehn Prozent der Ablöse kassieren.
Zudem ist der Fifa der weltweite Kinderhandel ein Dorn im Auge. "Die Berater sprechen ja schon seit Jahren auch schon 14 oder 15-Jährige an. Oder auch deren Eltern, denen versprechen sie dann Gott und die Welt. Und der Vater springt darauf an, weil er ja in seinem Kleinen etwas sieht, was er selbst nie geworden ist - ein kleiner Franz Beckenbauer", sagte Mayer-Vorfelder, der damit auch dem Augsburger Manager Andreas Rettig aus der Seele spricht.
Denn der Chef der Kommission Leistungszentren der Bundesliga sieht bei den Transfers von Minderjährigen auch in Deutschland eine "alarmierende Tendenz". Zuletzt hatte Hertha BSC Berlin allen Scouts von 1899 Hoffenheim Stadionverbote erteilt und sich bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) über Abwerbepraktiken des Erstligisten beschwert. "Es ist nicht ersichtlich, dass ein 14-Jähriger einen Spielerberater braucht. Da wird eine Pseudo-Bedeutung vorgegaukelt, die uns das Leben schwer macht", sagte Rettig.
Die 36 Erst- und Zweitligisten haben in der abgelaufenen Saison 2009/2010 nach Angaben der DFL insgesamt 71,6 Millionen Euro im Zuge von Transfers an die Berater überwiesen. Mit der Abschaffung der Lizenz für die Berater will die Fifa 14 Millionen Euro sparen. "Ich hoffe, dass der DFB seinen Einfluss geltend macht und diesen Unfug verhindert. Man kann nur überrascht sein, wie der Fußball Korruption bei der Fifa beklagt und selbst alle Tore für den Wilden Westen aufmacht", sagte der lizenzierte Berater Lars-Wilhelm Baumgarten.
Die Bundesliga-Manager sehen indes Handlungsbedarf und begrüßen die Reform. Denn wenn die Spielervermittler bei ihren Provisionen in Zukunft Abstriche machen müssen, bleibt den Vereinen mehr Geld für Einkäufe.
"Man sieht ja, dass die Lizenzpflicht ständig umgangen wird. Das Problem mit den Spielervermittlern ist durch die Lizenz nicht gelöst worden. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre ist die Idee der Fifa , die Lizenzierung der Spielervermittler zu reformieren, deshalb absolut nachzuvollziehen", sagte Leverkusens Sportchef Rudi Völler: "Mir tun nur diejenigen leid, die schwer für die Lizenz gebüffelt und Geld dafür ausgegeben haben."
Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen ist allerdings nicht davon überzeugt, dass neue FIFA-Regularien zu einer Änderung der Marktlage führen. "Dieser Markt bewegt sich außerhalb jeglicher Regeln, das wird auch in Zukunft so sein. Aber eine Lizenz für Spielervermittler auszustellen ist so, als wenn man in der Sahara die Straßenverkehrsordnung einführen will", sagte Bruchhagen.
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