Wachsende Überschuldung: Financial Fairplay – sonst droht der "Ruin"
zuletzt aktualisiert: 28.08.2011 - 18:17Monte Carlo (RPO). Die Fußball-Welt schaute in den vergangenen Tagen gebannt nach Monaco. Doch der Supercup und die Europapokal-Auslosungen standen im Fürstentum nur zeitweilig im Blickpunkt. Unter den Vereinsvertretern aus ganz Europa und den Uefa-Repräsentanten wurden hinter den Kulissen intensiv elementare Themen debattiert.
Das Financial Fairplay, die angestrebte Neuregelung für wirtschaftlich gesundere Verhältnisse im Profifußball, beherrschte in Monte Carlo fast alle Gespräche in den Sitzungssälen der Europäischen Fußball-Union (Uefa) und den Hotels der Klubgesandten.
"Setzt sich der aktuelle Trend fort, so riskiert der Profifußball den Ruin", betonte Uefa-Präsident Michel Platini. Aktuelle Nachweise zu höchst kritischen Themenpunkten gab es dieser Tage zuhauf. Die Nachrichten über die Absage kompletter Spieltage in Italien und Spanien, die Zwangsabstiege in Griechenland, der Wettskandal in der Türkei oder die Finanznot von 14 niederländischen Vereinen wurden diskutiert.
Ebenso problematisch wird die wachsende Überschuldung zahlreicher Klubs in Europa und der Einstieg immer neuer Investoren aus Katar betrachtet. Darum ist die finanzielle Konsolidierung Platinis wichtigster Programmpunkt seiner zweiten Amtszeit.
Holzhäuser bezweifelt Vorteile für die deutschen Klubs
Die Kernfrage bei den Diskussionen lautete: Wie sind die hohen Erwartungen an das Financial Fairplay zu erfüllen? An der Dringlichkeit, in Europas Fußballs eine Wettbewerbsgleichheit einzuführen, besteht kein Zweifel. "Es ist wichtig, dieses Thema anzupacken", sagte Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. "Aber ob sich dadurch wirklich ein Vorteil für die Bundesliga-Klubs ergeben wird, bleibt abzuwarten. Die Umsetzung wird sicherlich ein Problem sein."
Ersten Maßnahmen hat die Uefa jedoch bereits eingeleitet. Der Verband überwacht seit diesem Sommer die Aktivitäten aller Vereine auf dem Transfermarkt. Ab der nächsten Saison dürfen die Klubs, die im Europapokal starten wollen, nur noch 45 Millionen Euro Schulden pro Jahr machen, von 2015 bis 2018 dürfen die Ausgaben die Einnahmen nur noch um 30 Millionen übertreffen.
Erst ab 2019 ist mit einem maximalen Verlust von lediglich fünf Millionen Euro ein annähernd ausgeglichener Haushalt notwendig. "Allein dies sichert den Fortbestand der Vereine", sagt Platini. Betrachtet werden bei den Berechnungen immer die vergangenen drei Jahre. Von gesundem Wirtschaften sind besonders die Klubs in Spanien und Italien weit entfernt, in England kommt das Geld häufig von reichen Klubeignern.
Mayer-Vorfelder: "Der Ansatz der Uefa ist sehr gut"
"Der Ansatz ist sehr gut, dass man endlich versucht, das Ganze fairer zu gestalten", erklärte Gerhard Mayer-Vorfelder im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. "Das Geld von Mäzenen oder Investoren wird zukünftig als Darlehen, also als Schulden angerechnet. Das macht die Sache international ausgeglichener."
Denn Vereinsübernahmen wie in anderen Ländern sind im deutschen Fußball verboten. Gerade in England (Manchester City) und seit einiger Zeit auch in Spanien (FC Malaga) und Frankreich (Paris St. Germain) wurden enorme Summen investiert, die von außerhalb Europas in den Fußball flossen. "So etwas wird in Zukunft schwieriger. Voraussetzung dafür ist aber, dass man das so strikt kontrolliert, wie beispielsweise in Deutschland.
Dann sind solche Gelder natürlich willkommen", sagt Mayer-Vorfelder, der Ehrenpräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und langjähriges Mitglied der Uefa-Führung.
Theoretisch könnte die Bundesliga in den kommenden Jahren also profitieren, indem die großen ausländischen Klubs nicht mehr wahllos horrende Summen für Transfers und Gehälter zahlen dürfen. "Ich bin nicht sicher, ob es wirklich ein Vorteil für uns wird", sagt Holzhäuser.
Die Richtlinien sind in vielen Fällen noch nicht klar. Noch ist exakter zu definieren und zu formulieren, welche Investitionen zugelassen werden und welche nicht. Den Europamarkt für Geldgeber aus aller Welt zu schließen, kann kaum das Ziel der Uefa sein, denn damit fielen Milliarden von Euro an Investitionen aus, von denen nicht nur die reichen Klubs profitieren.
Europas Fußball könnten Milliarden fehlen
Ob die Bundesliga am Ende des Prozesses ihre Stellung verbessert hat, ist unklar. "Ich bezweifle das. Es ist nicht auszuschließen, dass immer wieder Schleichwege gefunden werden, um die Vorgaben zu umgehen", sagte Mayer-Vorfelder. Der 78-Jährige sieht die Umsetzung des Financial Fairplays als größte Herausforderung für Platini: "Das wird eine schwere Bewährungsprobe für ihn. Er legt sich mit den großen Klubs an und setzt sich für die Kleinen ein."
Die Bundesliga gilt schon seit Jahren als Vorbild für solides Wirtschaften, das regulierende und kontrollierende Lizenzierungsverfahren der Deutschen Fußball-Liga wird von der Uefa zur Nachahmung empfohlen.
Die strikten Richtlinien werden von einigen deutschen Klubs als Grund dafür gesehen, dass Bayerns Sieg in der Champions League 2001 der bislang letzte deutsche Titel in Europa war.
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