| 18.19 Uhr

Kritik am Fußball-Weltverband
"Genug ist genug": Sportfunktionäre attackieren die Fifa

Fifa: Diese 16 Fifa-Funktionäre wurden angeklagt
Fifa: Diese 16 Fifa-Funktionäre wurden angeklagt
Der Fußball-Weltverband Fifa kommt einfach nicht zur Ruhe - was den höchsten deutschzen Sportfunktionären gar nicht passt. Sie kritisieren den Verband scharf.

Für Thomas Bach ist das Fass längst übergelaufen, für Alfons Hörmann die Fifa endgültig ein bemitleidenswerter Patient auf der Intensivstation: Die höchsten deutschen Sportfunktionäre haben den kriselnden Fußball-Weltverband scharf attackiert. "Genug ist genug!", sagte Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), allgemein mit Blick auf die elende Situation: "Was man jetzt sieht, geht darüber nochmal hinaus mit den neuen Anklagen und mit den neuen Verhaftungen."

Die Bekanntgabe der US-Justiz, gegen insgesamt 16 teils hochrangige Fifa-Funktionäre zu ermitteln, hatte den Weltverband am vergangenen Donnerstag bei der Sitzung des Exekutivkomitees in Zürich in seinen Grundfesten erschüttert. Als bislang letzte Übeltäter waren am Freitag der ehemalige Präsident des peruanischen Fußball-Verbandes, Manuel Burga, und Ecuadors Verbandschef Luis Chiriboga festgenommen worden. Zudem wurde Hector Trujillo, Generalsekretär des guatemaltekischen Verbandes, hollywoodreif in der Morgendämmerung auf einem Kreuzfahrtschiff gefasst.

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"Es ist traurig auf der einen Seite, ermutigend auf der anderen", sagte DOSB-Boss Hörmann am Samstag auf der Mitgliederversammlung des deutschen Dachverbandes in Hannover, "dass die Organisationen in sich nicht mehr die Kraft zu Erneuerungen, zu sauberer und verantwortungsvoller Verbandsführung umsetzen." Der schwer kranken Fifa legte er daher eine schnelle Therapie nahe: "Es ist manchmal wertvoll, Hilfe von außen zu haben."

Mit all ihren Skandalen und den resultierenden negativen Schlagzeilen erweisen Fifa und der ebenfalls angezählte Leichtathletik-Weltverband IAAF dem Sport in der Außendarstellung ohnehin schon jetzt einen Bärendienst. "Die Glaubwürdigkeit wird auf eine harte Probe gestellt", sagte der auch für den Sport zuständige Bundesinnenminister Thomas de Maiziere und warnte: "Wir müssen aufpassen, dass die Menschen sich nicht abwenden."

Hörmann äußerte zudem die Befürchtung, dass man - sollten die Skandale, nicht bald ein Ende finden - "an einen Punkt kommt, an dem wir uns fast nicht mehr trauen, uns als Sportfunktionäre zu outen." Speziell die Fifa und das Verhalten der (ehemals) in Zürich handelnden Personen seien laut Hörmann "nur noch inakzeptabel und beschämend". Auch ein Angriff auf den ehemaligen DFB-Chef Theo Zwanziger.

Fotos: Razzia in Schweizer Luxus-Hotel FOTO: dpa, wb ak jak

"Kein Geringerer als Zwanziger erzählt seit Wochen", kritisierte Hörmann, "was in der Vergangenheit schiefgelaufen ist." Daher könne er sich nicht erklären, wie es passieren kann, "dass jemand auf Weltverbandsebene nicht mitbekommt, (...) was im Rahmen seiner Verantwortung notwendig gewesen wäre."

Zwanziger (70), von 2011 bis 2015 Teil der Regierung im Fußball-Weltverband, wies die Angriffe vehement zurück. Als einen äußerst "schäbigen Versuch, von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken", stufte er die Parolen Hörmanns ein: "Wer ist denn dieser Herr Hörmann? Er hat nie versucht, mit mir zu reden."

Aus der Defensive schaltete der Jurist aus Altendiez daher blitzschnell in den Angriff um, sieht sich eher als treibende Kraft des eingeleiteten Erneuerungsprozesses. "Ich habe in der Fifa vier Jahre lang versucht, Reformen durchzusetzen", sagte Zwanziger in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS). Auf sein Betreiben sei ja erst die Ethik-Kommission der FIFA erst entstanden, die "jetzt so gut arbeitet", behauptete Zwanziger. Zudem seien die jüngsten Verhaftungen nur geschehen, weil er den suspendierten Fifa-Präsidenten Joseph S. Blatter "ermunterte, der Schweizer Staatsanwaltschaft Akten zu übergeben".

Wer auch immer wann und wo Erneuerungen ins Leben rief - Bach sieht es als dringendste Notwendigkeit an, den Weg fortzusetzen und "tiefgreifende Reformen herbeizuführen". In der Fifa, sagte er, seien ja "reformwillige Kräfte vorhanden". Man müsse ihnen nur zum Durchbruch verhelfen.

(sid)
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