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Prognosen sind schwierig
Infantino und Scheich Salman feilschen um jede Stimme

Porträt: Infantino - neuer Fifa-Präsident
Porträt: Infantino - neuer Fifa-Präsident FOTO: dpa, hm
Zürich. Die Präsidentschaftswahl der Fifa ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Gianni Infantino und Scheich Salman. Auch in den letzten Stunden vor dem Fifa-Kongress gehen beide auf Stimmenjagd.

Bis zur letzten Sekunde wird um jede Stimme gefeilscht, in geheimen Gesprächen hinter verschlossenen Türen der vielleicht entscheidende Deal eingefädelt: Vor dem Kongress des Fußball-Weltverbandes am Freitag haben Rechenspielchen und Absprachen Hochkonjunktur - die Wahl des neuen Fifa-Präsidenten in Zürich wird zum Krimi mit ungewissem Ausgang!

Die beiden Schwergewichte Gianni Infantino (45) und Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa (50), die das Kopf-an-kopf-Rennen im Zürcher Hallenstadion unter sich ausmachen werden, erklärten sich in den wegweisenden Stunden am Donnerstag jeweils quasi selbst schon zum Nachfolger des gefallenen Joseph S. Blatter (79).

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"Ich habe meine Gründe, um sogar noch selbstbewusster zu sein", sagte Infantino, der am Donnerstag in einem Brief an alle Fifa-Mitglieder noch einmal für sich warb ("Ich halte meine Versprechen"), der Nachrichtenagentur AFP. Ähnlich siegessicher äußerte sich der Scheich. Verlässliche Zahlen konnten allerdings beide nicht präsentieren - es bleibt bei der puren Spekulation.

Afrikaner werden zu den Königsmachern

Sicher ist: Infantino hat als Uefa-Generalsekretär fast alle 53 Stimmen der Europäischen Fußball-Union (Uefa) sicher. Der Scheich kann als AFC-Präsident auf so gut wie alle 44 Stimmen (Indonesien und Kuwait sind gesperrt) der asiatischen Konföderation bauen. Zu den Königsmachern werden dadurch die Afrikaner, von denen sich beide Favoriten die Mehrheit der Stimmen erhoffen.

Blatters mögliche Nachfolger FOTO: ap

Die 54 Fifa-Mitglieder aus dem afrikanische Kontinentalverband CAF sind die wankelmütigsten innerhalb des Weltverbandes. Ein fragwürdiger Deal mit der AFC über gegenseitige Entwicklungshilfe hätte dem Scheich eigentlich auch alle Afrika-Stimmen sichern sollen. Zuletzt aber reiste Infantino nach Kapstadt, und grub dem Mitglieder der bahrainischen Königsfamilie offenbar (ein bisschen) Wasser ab. Ob es reicht, wird erst am Freitag klar sein.

Infantino dürfte die Mehrheit der 35 Stimmen aus Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik (CONCACAF) bekommen - obwohl ein CONCACAF-Sprecher am Donnerstag ankündigte, dass die Verbandsspitze ihren Mitgliedern keine Empfehlung für einen Kandidaten gegeben hat. Was die zehn Südamerikaner (CONMBEOL) machen, ist völlig offen. Dazu kommen elf Wähler des ozeanischen Verbandes OFC.

Prognosen? Schwierig! In einer AFP-Umfrage beantworteten zwar 161 der insgesamt 209 Fußball-Verbände (wahlberechtigt sind 207) eine entsprechende Frage - nur 100 davon gaben aber Auskunft darüber, wer ihre Stimme am Freitag bekommt.

Was ohnehin schon bekannt war, wird dabei bestätigt: Prinz Ali bin Al Hussein (40/Jordanien), Jerome Champagne (57/Frankreich) und Tokyo Sexwale (62/Südafrika) sind reine Zählkandidaten, deren Namen erst nach dem ersten Wahlgang, in dem der Sieger noch eine Zweidrittelmehrheit (138 Stimmen) braucht, interessant werden. Ab der zweiten Runde ist nur noch die absolute Mehrheit (über 50 Prozent) der abgegebenen und gültigen Stimmen nötig - und der Schwächste fliegt.

Es würde dann auf die Wechselwähler ankommen, die von den drei Verlierern umschwenken. Wer also vorher Champagne wählt, wählt dann Infantino? Oder den Scheich? Es sind Rechenspiele.

Laut der AFP-Umfrage bekam der Uefa-General im Vorfeld die Unterstützung aus 68 der 100 Länder, dem Scheich sagten 28 Nationen ihre Stimme zu. Allerdings waren die UEFA-Verbände deutlich auskunftsfreudiger als die der afrikanischen oder asiatischen Konföderation.

Nur vier Verbände sprachen sich für Prinz Ali aus - immerhin vier mehr als für Champagne und Sexwale.

(sid)
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