| 13.44 Uhr

Entscheidung über Aufnahme in die Uefa
Verliert die Schweiz Xhaka und Shaqiri an Kosovo?

Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri: Bald Kosovo statt Schweizer Nati?
Granit Xhaka und die Schweiz: echte Liebe? FOTO: dpa, lg sam lus
Budapest. Kosovo will beim Kongress in Budapest zum 55. Mitglied der Uefa werden. Das ist angesichts von Protesten aus Serbien ein Politikum. Doch auch die Schweiz hat Bedenken. Die Eidgenossen wollen ein Abwandern einiger ihrer Spitzenspieler für die WM-Quali verhindern.

In ihrem Wappen haben die Fußballer des Kosovo zwei Sterne mehr als Weltmeister Deutschland auf der Trikotbrust. Sechs Sterne prangen auf blauem Grund – nicht für Titelehren, versteht sich, sondern als Analogie zur Flagge der kleinen Republik am Südwest-Zipfel Serbiens. Die Fußball-Meriten sind noch begrenzt. Erst seit 2014 sind Testspiele vom Weltverband Fifa erlaubt. Bei der Premiere gab es ein 0:0 gegen Haiti. Ein 2:0 gegen Äquatorial Guinea steht als höchster Sieg zu Buche.

Schon bald könnten echte Wettbewerbsspiele folgen. Die Uefa entscheidet am Dienstag bei ihrem Kongress in Budapest über die Aufnahme, eine Woche später könnte beim Weltverbandskongress in Mexiko-Stadt schon die Fifa-Mitgliedschaft anstehen. "Das Warten hat sich gelohnt. Das ganze Land freut sich. Ich kann es noch gar nicht fassen, dass wir im Herbst wohl WM-Quali spielen dürfen!", sagte Albert Bunjaku der Schweizer Zeitung "Blick".

Der frühere Bundesliga-Profi des 1. FC Nürnberg spielt nicht mehr für die Schweiz, sondern für die Heimat seiner Vorfahren. Wird das Kosovo Uefa- und Fifa-Mitglied, dürfte man schon an der Ausscheidungsrunde für die WM 2018 in Russland teilnehmen. Die vage Hoffnung Bunjakus: Andere prominente Profis könnten seinem Vorbild folgen. Auch Gladbachs Granit Xhaka oder der frühere Münchner Xherdan Shaqiri haben Wurzeln im Kosovo.

Shaqiri sagte vor dreieinhalb Jahren, angesprochen auf ein solches Szenario: "Wenn der Kosovo eine Nationalmannschaft bekommt, werde ich diese neue Situation beurteilen." Im Hause Xhaka könnte natürlich auch die Entscheidung reifen, gemeinsam mit seinem Bruder Taulant, der momentan für Albanien spielt, für das Heimatland aufzulaufen. Der heutige Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach sagte damals: "Ich müsste es mir eventuell überlegen." Heute halten sich die Schweizer Stars mit offiziellen Äußerungen noch zurück, solange sich die Fifa noch nicht positioniert hat. Einzig Valon Behrami, früher beim Hamburger SV, legt sich klar fest: "Ich habe mich im Fußball einmal für ein Land entschieden, ich spiele für immer für die Schweizer Nati."

Doch die Uefa-Aufnahme ist erst einmal heikel genug. Großer Widerstand kommt aus Serbien, das die Abspaltung der Republik mit einer Fläche halb so groß wie Hessen, nicht akzeptieren will. Bereits die Anerkennung durch das Internationale Olympische Komitee, die Athleten aus dem Kosovo den Start in Rio ermöglicht, wurde als "Schlag" empfunden. "Vier Mal haben wir es geschafft, das Thema von der Agenda zu nehmen und die große Ungerechtigkeit zu verhindern", sagte Serbiens Fußball-Chef Tomislav Karadzic.

Erol Salihu, Generalsekretär der Federata e Futbollit e Kosovës, spricht hingegen von einem historischen Moment. Unaufhörlich habe man bei der Uefa an die "Tür geklopft". Die Hoffnungen wuchsen, als auch Gibraltar 2013 die Mitgliedschaft erhielt. Bedenken, es fehle in Pristina an der nötigen Fußball-Infrastruktur wie einem adäquaten Stadion, werden zerstreut.

Aus der Schweiz und skandinavischen Ländern werden sportliche Bedenken formuliert. Man drängt auf eine Regelung, dass ein Nationenwechsel à la Bunjaku nicht mehr möglich sein soll. Auch in Deutschland sind Fußballer aus dem Kosovo aktiv. Fanol Perdedaj vom FSV Frankfurt entschied sich nach Junioren-Spielen im DFB-Trikot für eine sportliche Zukunft in Kosovos A-Team. Beim 2:2 im Freundschaftsspiel gegen EM-Teilnehmer Albanien stand im November 2015 ein halbes Dutzend im Kosovo-Kader, darunter St.-Pauli-Profi Enis Alushi, Ehemann von 2007-Frauen-Weltmeisterin Lira Alushi.

(dpa)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri: Bald Kosovo statt Schweizer Nati?


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.