Gegenwind für den Fifa-Präsidenten: Homosexuelle fordern Blatters Rücktritt
zuletzt aktualisiert: 15.12.2010 - 13:32London (RPO). Fifa-Präsident Joseph S. Blatter muss sich nach seinem Plädoyer für einen Sex-Verzicht von Homosexuellen während der WM 2022 in Katar heftige Kritik gefallen lassen. Zahlreiche Homosexuellen-Verbände fordern als Konsequenz der Äußerung eine Entschuldigung und sogar den Rücktritt des Weltverband-Chefs.
"Herr Blatter sollte seine Ausnahmen unverzüglich zurücknehmen und sich entschuldigen. Andernfalls sollte er zurücktreten", sagte der Präsident des Zusammenschlusses der schwulen Fußball-Fans, Chris Basiurski: "Viele Schwule und Lesben leben in Ländern, in denen ihnen die Todestrafe oder das Gefängnis droht, wenn sie entdeckt werden. Diese Menschen benötigen unsere Hilfe, unseren Respekt und unsere Unterstützung."
"Ignoranter Neandertaler"
Auch ehemalige Sportler sind von der Aussage Blatters erschüttert. Der frühere Basketball-Profi John Amaechi, der sich nach seiner Karriere in der nordamerikanischen Profiliga NBA als schwul outete, bezeichnete Blatter als einen "ignoranten Neandertaler".
Blatter hatte erklärt, dass Homosexuelle aus Respekt gegenüber dem WM-Gastgeber auf Sex verzichten sollten, solange sie sich in Katar aufhalten. Homosexualität ist in dem Emirat illegal.
DFB unterstützt Wiederwahl
Trotz der skandalträchtigen doppelten Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 unterstützt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Wiederwahl von Blatter im kommenden Jahr. "Was hätten wir für einen Grund, einen neuen Fifa-Präsidenten zu suchen? Die gegen seine Exko-Kollegen erhobenen Korruptionsvorwürfe sind nicht belegt, und ich habe Sepp Blatter - bei allem, was über ihn geschrieben und erzählt wird - immer als einen Menschen kennengelernt, dem die weltweite Fußball-Entwicklung in all ihren Facetten sehr am Herzen liegt und der sich gleichermaßen für den Spitzen- und Breitenfußball einsetzt", sagte Zwanziger der "Sport Bild".
Während Blatter nach dem Rückzug der möglichen Gegenkandidaten Chung Mong-Joon (Südkorea) und Mohamed Bin Hammam (Katar) im Juni 2011 beim 61. Ordentlichen Fifa-Kongress in Zürich voraussichtlich zum vierten Mal nach 1998, 2002 und 2007 ins höchste Amt des Weltfußballs gewählt wird, will Zwanziger im Fifa-Exekutivkomitee Nachfolger des scheidenden Franz Beckenbauer werden. Trotz der Korruptionsvorwürfe und der massiven Kritik an der WM-Vergabe bereut der DFB-Boss seine Kandidatur nicht.
"Ich kann doch wegen der aktuellen Negativschlagzeilen nicht sagen: 'Ich will da nicht mehr hin.' Außerdem sollte man die Dinge mit einem gewissen Augenmaß betrachten. Unter dem Strich steht der Fußball weltweit glänzend da. Und das ist vor allem der Verdienst der Fifa, die den Fußball weltumspannend fördert und gestaltet", meinte Zwanziger.
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