US-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann: "Immer noch der gleiche Hampelmann"
zuletzt aktualisiert: 07.09.2011 - 15:23Brüssel (RPO). Es war ein gewohntes Bild im Dauerregen von Brüssel. Jürgen Klinsmann gestikulierte an der Seitenlinie, nutzte die komplette Breite der Coaching-Zone und trieb seine Mannschaft nach vorne. "Für uns geht es in erster Linie nicht um die Ergebnisse, auch wenn man natürlich immer gewinnen will. Da bin ich immer noch der gleiche Hampelmann", sagte der Nationaltrainer der USA nach der 0:1 (0:0)-Niederlage in Belgien.
Kurz nach dem Schlusspfiff wirkte er dann auch ein wenig angefressen. Ein kurzer Handschlag mit Belgiens Nationalcoach Georges Leekens, dann stapfte Klinsmann ins Trockene.
Durchschlagskraft fehlt
Dort philosophierte der 47-Jährige im kleinen Kreis über seine bislang, von den Ergebnissen her, erfolglose Amtszeit. Drei Spiele, ein Unentschieden und zwei Niederlagen: "Was uns fehlt ist die Durchschlagskraft und die Coolness. Da verlieren sie noch ein wenig die Übersicht", stellte Klinsmann klar. Gegen den letzten deutschen Gegner in der EM-Qualifikation blieb das junge US-Team zumeist harmlos, ideenlos und anfällig in der Defensive. Doch für Klinsmann zählt nicht das Hier und Jetzt, sondern die Zukunft.
Daran arbeitet der Ex-Bundestrainer eifrig. Gegen Belgien präsentierte Klinsmann einige hoffnungsvolle Talente, "die in die nächste Phase eintreten. Diese Talente bilden das Gerüst für die Olympiamannschaft, das die A-Nationalmannschaft füttern soll. Deshalb schmeißen wir die auch da rein". Dass das neu formierte US-Team Zeit brauche, war in Brüssel nicht nur zu sehen, sondern auch in jedem zweiten Satz zu hören.
Doch Klinsmann, der von 2004 bis 2006 bereits den Deutschen Fußball-Bund (DFB) reformierte und die Strukturen auf den Kopf stellte, ist Berufs-Optimist. Wenn der 47-Jährige über den US-Fußball im Speziellen und seine persönliche Aufgabe im Allgemeinen schwärmt, wird man an das "Sommermärchen" von 2006 erinnert. An den Motivator Klinsmann, der sein Umfeld mitreißen kann. Er kenne dann jetzt auch beide Welten und hoffe, bald zu wissen, wie "beides dann zusammenschmilzt. Das sind alles verschiedene Ebenen, die man irgendwann miteinander verknüpfen kann."
"Klinsmann mehr als ein Motivator"
Seine Mannschaft bringe die Voraussetzungen für höhere Ziele mit. "Die Jungs sind hungrig, die wollen lernen, die hören zu. Jeden Satz, den du sagst, lesen sie dir von den Lippen ab", sagte Klinsmann. Der Plan sei langfristig, betonte auch Steven Cherundolo von Hannover 96. "Den Fußball werden wir nicht neu erfinden." Aber eine neue Taktik, neue Gesichter und neue Trainingsmethoden gebe es, verriet der Abwehrspieler. "Er achtet auf sehr viele Kleinigkeiten, auf die vorher nicht geachtet wurde. Er motiviert uns, aber er ist sicher mehr als ein Motivator. Er hat im taktischen Bereich sehr viel drauf", sagte Cherundolo über Klinsmann.
Klinsmann hat in den USA eine Mammutaufgabe übernommen. Das Problem, dass die heimische Major League Soccer nur von März bis Oktober läuft, will Klinsmann mit neuen Ideen lösen. Sein Blick gehe auch nach Mexiko: "Da kommen Spieler aus dem Latinobereich hoch, die mehr technisch geschult sind, aber nie eine richtige Chance gekriegt haben", sagte Klinsmann. Und seinen Youngstern rät er, erst einmal in Amerika zu bleiben, bis sie die entsprechende Reife haben: "Aber das ist ein langwieriger Prozess". Das war in Brüssel deutlich zu sehen.
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