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Erfolgloser Minimalisten-Fußball
AC Pisa hat die beste Abwehr und ist Letzter

AC Pisa: Tabellenletzter mit der besten Abwehr der Serie B
Gennaro Gattuso. FOTO: dpa, Olivier Maire
Pisa/Düsseldorf. Italiens Vorzeige-Zerstörer Gennaro Gattuso legt auch als Trainer höchsten Wert auf Defensivarbeit. Mit dem AC Pisa ist dem Weltmeister nun ein besonderes Kunststück gelungen. Der AC Pisa hat kurz vor Saisonende die beste Abwehr der Liga – und ist Tabellenletzter.

Gattuso war mehr als ein Fußballer, sein Name steht inzwischen für eine ganze Spielergattung. Kaum einer verstand sich so gut darauf, seine Gegenspieler mürbe zu machen, wenige kämpften so rücksichtslos gegen sich und andere, keiner schaute so tödlich. Gattuso war das Gegenteil eines Kreativen, doch in seinem Fach ein Gigant. Was aus diesem Prototyp des Zerstörers, der in 538 Spielen für seine Klubs 14 Tore erzielte, dabei aber 138 Gelbe Karten einsammelte und sieben Mal vom Platz flog, für ein Trainer werden sollte, konnte man ja ahnen. 

Ganz so glanzvoll wie die Spielerkarriere verlief die Trainerlaufbahn des Gennaro Gattuso bislang allerdings nicht. Nach einem Intermezzo beim FC Sion wurde der Weltmeister von 2006 bei US Palermo in der zweiten italienischen Liga nach nur sechs Spielen entlassen, mit OFI Kreta musste er gegen schwere finanzielle Turbulenzen kämpfen und trat gleich zwei Mal zurück. Erst beim AC Pisa fand Gattuso ein kleines Glück und stieg mit seinem Klub in die Serie B auf. Auch hier trat er zwar eigentlich zum Ende der Saison 2015/16 zurück, ließ sich aber einen guten Monat später wieder anheuern. 

Ob er diese Entscheidung bereut, darüber darf spekuliert werden. Von großem Erfolg ist die Zusammenarbeit seither jedenfalls nicht mehr geprägt. Sein Klub ist Tabellenletzter, sorgt dabei aber vermutlich für einen Rekord: Als Tabellenschlusslicht stellt Pisa die beste Abwehr der Liga, hat in 39 Spielen erst schlanke 29 Tore kassiert. Spitzenreiter SPAL 2013 etwa hat dagegen bereits sieben Gegentreffer mehr kassiert. Auch im internationalen Vergleich ist die Marke ohne Konkurrenz. Bundesliga-Schlusslicht Darmstadt 98 hat bereits 58 Tore kassiert, genau doppelt so viele wie die Toskaner – und das, obwohl die "Lilien" in der Bundesliga acht Spiele weniger bestritten haben. In Deutschland könnte allein der FC Bayern mit 17 Toren noch auf eine ähnliche Betonabwehr verweisen, gegen Verfolger RB Leipzig jubelte der Gegner bereits 31 Mal.

Pisa müsste demnach um den Aufstieg mitspielen. Allein: Gattusos Team macht zu wenig aus der Defensivstärke. Zehn Mal hat Pisa bereits 0:0 gespielt und elf Mal 0:1 verloren, nach 39 Spieltagen durften die Anhänger des Klubs erst 22 Tore beklatschen. Das kann ebenfalls ligaweit niemand unterbieten. Immerhin ist es Gattuso mit diesem Minimalistenfußball gelungen, die Fußballweisheit, dass die Defensive angeblich Meisterschaften gewinne, eindrücklich zu widerlegen. Der Abstieg ist Pisa so gut wie sicher. Aufgeben aber werden die Schwarz-Blauen ganz gewiss erst, wenn auch das letzte Spiele abgepfiffen ist. So hat es Gattuso jedenfalls immer gehalten.

(ako)
 
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