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"Sind für solche Spiele gemacht"
"Senator" Khedira glaubt an Juventus' Stärke

Bayern-Gegner Juventus Turin im Porträt
Bayern-Gegner Juventus Turin im Porträt
Weltmeister Sami Khedira genießt bei Juventus Turin allerhöchste Wertschätzung. Für das Duell gegen die Bayern, mit denen Turins "Talisman" noch eine Rechnung offen hat, wurde er eigens geschont.

Pep Guardiola liebt Mittelfeldspieler, Sami Khedira aber offenbar nicht. Der Trainer von Bayern München hätte im Sommer 2014 nur "ja" sagen müssen, als ihm die Münchner Bosse den frisch gekürten Weltmeister als Nachfolger von Toni Kroos auf dem Silbertablett servierten - doch Guardiola winkte ab. Nun ist Khedira trotz Jungstar Paul Pogba Herzstück und Talisman bei Juventus Turin, wo die Bayern am Dienstag (20.45 Uhr/Live-Ticker) zum Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gastieren.

"Ich fühle mich in Klub und Stadt sehr, sehr wohl, ja richtig zu Hause. Es ist mir sehr leicht gemacht worden, mich zu integrieren", sagt Khedira. Wobei: Er hat es der alten Dame ebenfalls leicht gemacht. Ohne den verletzten Khedira, der im vergangenen Sommer ablösefrei von Real Madrid zu Italiens Rekordmeister kam, tat sich Juventus zu Beginn der Saison schwer. Seit er dabei ist, läuft's. "Das hat nicht viel mit meiner Person zu tun", sagt Khedira bescheiden und verweist auf die Abgänge der Stars Andrea Pirlo, Arturo Vidal und Carlos Tevez, die erst langsam kompensiert worden seien.

Porträt: Sami Khedira: Weltmeister und Weltenbummler FOTO: dpa, gh

Juve-Coach Allegri vergleicht Khedira mit Pirlo

Trainer, Mitspieler und Medien sind aber sehr wohl der Meinung, dass Turins Aufschwung mit Khedira zusammenhängt. "Ich halte Sami für einen ganz großen Spieler", sagt Coach Massimiliano Allegri. Khedira möge mitunter langsam wirken, aber das sei bei Pirlo früher genauso gewesen. Wie der ehemalige Juve-Regisseur sei Khedira "umsichtig, er versteht es großartig, das Spiel zu lesen und zu animieren" - ein Vergleich wie ein Ritterschlag. "Er macht sehr wenig Fehler, steht fast immer richtig. Wir sind froh, ihn zu haben", sagt Allegri.

Nebenmann Pogba nennt Khedira "unverzichtbar". Der Deutsche habe "fünf Lungen, er läuft für alle mit". Die Gazzetta dello Sport sieht den 28-Jährigen als "Allegris Trumpf gegen den FC Bayern" und bezeichnet ihn als "Talisman". In 16 Pflichtspielen mit Khedira gelangen Juve 14 Siege (zwei Remis; Punkteschnitt: 2,75), ohne ihn nur elf in 20 Begegnungen (fünf Niederlagen, vier Remis; Punkte: 1,85).

Der Corriere dello Sport verlieh ihm den Ehrentitel "Senator", den altgediente Haudegen wie Torhüter Gianluigi Buffon (38) tragen, und schrieb: "Khedira giert nach Erfolgen und Trophäen. Seine Erfahrung und sein Charisma könnten gegen die Super-Bayern zum entscheidenden Element werden."

Beim 0:0 in Bologna am vergangenen Freitag wurde Khedira eigens geschont. Der ehemalige Stuttgarter fühlt sich geschmeichelt von all dem Lob. "Bei Juve werden nicht nur die Stürmer und Künstler anerkannt", sagt er, das habe er "lange vermisst". In Madrid, der Stadt von Zauberfüßchen Cristiano Ronaldo, war das anders. In Turin schätzen sie neben Khediras strategischen Fähigkeiten und seinem Vorwärtsdrang (drei Tore, drei Assists) seinen unbändigen Willen. Muskelfaserriss, Oberschenkelprobleme, Adduktorenverletzung - er kam immer stark zurück. "Der Spieler hat ein Wunder vollbracht", schrieb die Gazzetta nach dem jüngsten Comeback.

Hilfe bekam er dabei ausgerechnet aus München, vom ehemaligen Bayern-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. "Das ist natürlich ein schönes Thema", sagt Khedira, "aber das mache ich schon seit zehn Jahren." Eine Rechnung habe er aber schon noch offen mit den Bayern. 2012, erinnert er sich, "bin ich mit Real relativ bitter im Elfmeterschießen ausgeschieden".

Die Münchner, meint er respektvoll, hätten "eine der besten Mannschaften auf diesem Planeten, das ist kein Geheimnis". Aber Angst? "Wir sind auch eine Mannschaft, die für solche Spiele gemacht ist." Vor allem er.

(old/sid)
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