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Serie A
Tränen und Trauer bei Tottis Abschied

Fotos: Roma siegt bei Tottis letztem Spiel
Fotos: Roma siegt bei Tottis letztem Spiel FOTO: afp
Rom. Der letzte Kaiser von Rom ist Geschichte: Unter Tränen hat sich Francesco Totti im Stadio Olimpico von seinen Anhängern verabschiedet. Die Zukunft der lebenden Legende ist offen.

Ein großer Wunsch blieb ihm verwehrt. "Ich bin als Spieler der Roma aufgewachsen, ich möchte als Spieler der Roma sterben", hatte Francesco Totti einst gesagt. Auch wenn die Tränen und die Trauer bei seinem Abschied aus dem Stadio Olimpico an eine Beerdigung erinnerten: Der letzte Kaiser von Rom lebt, er wird nur nie wieder im Trikot seiner größten Liebe auflaufen.

"Leider ist der Moment gekommen, der für mich nie hätte kommen sollen", sagte Totti mit bebender Stimme: "Ich habe den ganzen Tag geweint. Dies war das einzige Trikot, das ich je getragen habe. Ich würde gerne ein Gedicht, ein Lied schreiben. Aber alles, was ich kann, ist meine Füße zu benutzen, um mich auszudrücken."

70.000 Zuschauer im erstmals seit Monaten wieder ausverkauften Olympiastadion lauschten den Worten ihres "Capitano" ergriffen. Sie hatten sich auf diesen Tag eingestellt, hatten eine Botschaft an ihre Nummer 10 vorbereitet: "Totti ist die Roma", stand in der Kurve geschrieben. Und doch fühlte sich das Ende einer Ära für viele Anhänger in der ewigen Stadt an wie das Ende aller Tage.

Ein letztes Mal hatte Totti seine Füße sprechen lassen, hatte nach seiner Einwechslung in der 54. Minute mitgeholfen, das 3:2 gegen den FC Genua und die Qualifikation für die Champions League zu sichern. Dass nun endgültig Schluss sein soll, konnten selbst einige seiner langjährigen Weggefährten kaum fassen.

Totti hat Angst vor der Zukunft

"Nach so vielen gemeinsamen Jahren, werde ich Francesco beim Training nicht mehr treffen. Er wird mir unglaublich fehlen", sagte Stürmer Daniele De Rossi. Deutschlands Nationalspieler Antonio Rüdiger twitterte ein gemeinsames Foto mit Totti: "Es gibt Fußballer. Es gibt gute Spieler. Und dann gibt es unseren Capitano. Grazie, es war mir eine Ehre!"

Nach 25 Jahren, 786 Spielen und 307 Toren für die Roma beginnt nun das zweite Leben des Volks-Tribuns. Er habe Angst vor der Zukunft, gab Totti unumwunden zu: "Diesmal kann ich nicht zwischen den Löchern des Netzes sehen, was danach sein wird. Diesmal brauche ich Euch und Eure Wärme", rief er seinem Volk zu, ehe er an der Schulter seiner Frau Ilary Blasi und vor den Augen seiner drei Kinder den Emotionen freien Lauf ließ.

Er bekomme noch immer Gänsehaut, wenn er an den 17. Juni 2001, den Tag seiner einzigen Meisterschaft denke, sagte Totti. Ein Titel mit der Roma sei ihm immer mehr wert gewesen als zehn mit Juventus oder Real Madrid. Ab Montag werde er erwachsen sein - und seine Karriere mit 40 Jahren womöglich bei einem anderen Klub fortsetzen. Ein Wechsel ins Ausland ist nicht ausgeschlossen, genauso wenig wie ein Amt bei den Giallorossi, den Rot-Gelben.

"Wenn er als Manager bei uns bleiben will, wird er einen neuen Job erlernen müssen. Doch bei uns sind für ihn die Tore stets offen", sagte Generaldirektor Mauro Badissoni. Juventus-Ikone Gianluigi Buffon, mit dem Totti 2006 in Deutschland Weltmeister geworden war, wünschte seinem Freund "ein gutes Leben, unabhängig davon, welchen Weg Du jetzt einschlägst".

(sid)
 
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