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Bad Boy erklärt umstrittene Biografie
Boateng hat mit Deutschland abgeschlossen

Kevin-Prince Boateng erklärt Biografie und schließt mit Deutschland ab
Kevin-Prince Boateng hat seine Biografie erklärt. FOTO: dpa, kno nic
Berlin. Weißes Hemd, grauer Pulli, dunkle Hose: Im feinen Zwirn hält Kevin-Prince Boateng Hof. In der Suite 393 des noblen Berliner Ritz-Carlton-Hotel in Berlin stellt der Badboy nach dem Wirbel um seine Biographie einiges klar. "Ich wollte einfach nur ein gutes Buch schreiben und meine Geschichte erzählen", sagte der 28-Jährige im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst.

In seinem Buch inszenierte sich der Milan-Profi bewusst als Lebemann. 10.000 Pfund habe er in seiner Londoner Zeit in mancher Nacht verprasst, kam morgens angetrunken zum Training. "Ich glaube, jeder macht im Leben verrückte Sachen. Ich bin einer, der es auch raushaut."

Boateng verfolgt mit seiner Biographie eine Art Mission. "Jeder denkt, Fußballer haben ein super Leben, tolle Autos. Aber man muss mal den Schleier wegnehmen, dahinter gucken. Dazu soll mein Buch beitragen."

Das Image des Deutsch-Ghanaers in Deutschland hat ziemlich gelitten. Nach dem unrühmlichen Rauswurf bei Schalke 04 im letzten Jahr schließt er eine Rückkehr definitiv aus. "Ich habe die Tür nach Deutschland geschlossen", betonte der zentrale Mittelfeldspieler: "Traurig bin ich darüber nicht. Eher enttäuscht, dass in Schalke im zweiten Jahr alles drunter und drüber ging."

Probleme mit Höwedes

Probleme gab es auf Schalke zwischen 2013 bis 2015 mit Weltmeister Benedikt Höwedes. "Es gibt auch im Fußball immer Menschen, die man nicht besonders mag. Das war bei uns der Fall." Dass Schalkes Manager Horst Heldt Strafzahlungen bis zu 500.000 Euro angedroht hatte, falls in seiner Biographie negativ über Funktionsträger des Klubs berichtet werde, ließ den Buchautor eher kalt. "Die Aussage von Horst Heldt habe ich auch mitbekommen. Bei mir hat sich noch keiner gemeldet."

Auch auf das Kapitel über sein Foul an Michael Ballack vor der WM 2010, das zum Karriereende des "Capitanos" in der Nationalmannschaft geführt hat, habe es keine negativen Reaktionen gegeben. Boateng hatte behauptet, dass einige deutsche Nationalspieler sogar froh gewesen seien, dass Ballack bei der WM nicht dabei war. "Zwei, drei Spieler lesen gerade das Buch. Sie haben mir gesagt, dass sie es sehr gut finden. Das war es. Sonst gab es keinerlei Reaktionen."

Bruder Jerome "der beste Innenverteidiger der Welt"

Begeistert ist Boateng von der Entwicklung seines Halbbruders Jerome. "Mit Thiago Silva ist er für mich der beste Innenverteidiger der Welt", sagte der anderthalb Jahre ältere Kevin-Prince. Neid verspüre er aber nicht, dass sein Bruder mittlerweile viele große Titel gewonnen habe, er aber nicht. "Nein. Ich kenne keinen Neid", sagte der gebürtige Berliner: "Ich habe andere Siege gefeiert. Für mein Leben, für meine Familie. Die kann man nicht kaufen. Ich bin durch Tiefen gegangen und da wieder rausgekommen."

Der frühere England-Legionär traut der deutschen Nationalmannschaft auch bei der EM in Frankreich den großen Wurf zu. "Das ist für mich fußballerisch die beste Mannschaft der Welt", sagte Boateng und geriet regelrecht ins Schwärmen: "Wie sie Fußball spielen, mit der falschen Neun und ohne richtigen Stürmer. Wenn sie so spielen wie 2014, werden sie auch Europameister."

Seine eigene Karriere läuft noch nicht nach Plan. Bei seinem neuen und alten Klub AC Mailand stehen fünf Einwechslungen und ein Tor zu Buche. Über die Rolle des Ergänzungsspielers ist er nicht hinaus gekommen.

"Ich persönlich will natürlich mehr spielen", gesteht er ein. Seinen bis Sommer laufenden Vertrag bei Milan würde der 15-malige Nationalspieler Ghanas gerne verlängern, um seinen ganz persönlichen Auftrag zu erledigen: "Ich will gerne noch einmal allen beweisen, was ich kann."

(seeg/sid)
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