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Fußball in Italien
Lazio-Spiel von Rassismus-Vorfällen überschattet
Fußball in Italien: Lazio-Spiel von Rassismus-Vorfällen überschattet
Cagliaris Kolumbianer Victor Ibarbo wurde von den Römer Zuschauern rassistisch beleidigt. FOTO: dapd, Riccardo De Luca
Rom. Nach dem Eklat um den ehemaligen Bundesliga-Profi Kevin-Prince Boateng ist auch das Serie-A-Spiel zwischen Lazio Rom und Cagliari Calcio (2:1) am Samstagabend von rassistischen Vorfällen überschattet worden. Ultras von Lazio, das mit Nationalspieler Miroslav Klose aufgelaufen war, beschmipften den dunkelhäutigen Cagliari-Spieler Victor Ibarbo.

Aus der Kurve der berüchtigten Lazio-Anhänger, die in der Vergangenheit wegen ihrer rechtsextremistischen Orientierung häufiger für Aufsehen gesorgt hatten, ertönten in der ersten Halbzeit Pfiffe und hämische Rufe gegen den Kolumbianer. Daraufhin wandte sich Cagliaris Generaldirektor Luciano Marroccu an den Schiedsrichter und drohte mit dem Abzug der Mannschaft, sollten die Pfiffe nicht verstummen. Ibarbo versicherte allerdings, dass er das Spielfeld nicht verlassen werde, selbst wenn die Schmährufe anhalten sollten. Daraufhin wurde das Match fortgesetzt.

Boatengs Spielabbruch noch frisch

Der gebürtige Berliner Boateng hatte am Donnerstag im Testspiel gegen Pro Patria anders gehandelt und in der 26. Minute das Spielfeld verlassen, weil er und seine dunkelhäutigen Teamkollegen wiederholt von gegnerischen Fans rassistisch verhöhnt worden waren. Die Partie wurde abgebrochen, weil auch Boatengs Mitspieler aufhörten zu spielen. Für die konsequente Reaktion erhielten Boateng und sein Team europaweit viel Anerkennung. Im Nachrichtendienst Twitter bezeichnete Boateng die Zwischenfälle in Rom am Sonntag als "sehr traurig". Boateng kündigte an, überlegen zu wollen, ob er seine Karriere in Zukunft in Italien fortsetzen will.

Marroccu sprach nach dem Spiel von "verwerflichen Vorfällen". Er habe den Schiedsrichter angesprochen, weil die Rufe zu laut geworden seien. "Aber den Beschluss über den Abbruch des Spiels muss der Schiedsrichter fällen", sagte der Manager von Cagliari.

"Unsere Fans sind keine Rassisten"

Lazio-Präsident Claudio Lotito hielt sich mit Kritik an den eigenen Anhängern zurück. "Unsere Fans sind keine Rassisten. Wir haben auch einige dunkelhäutige Spieler in unseren Reihen. Wir können nicht jeden einzelnen Fan kontrollieren", sagte Lotito: "Ich denke, dass die Fan-Gemeinschaft insgesamt bewertet werden muss, und unsere Fangemeinschaft ist intakt. Einige wenige Rassisten können nicht das Gesamtbild beeinflussen."

Die Römer gewannen ihr Heimspiel gegen Cagliari Calcio mit viel Mühe 2:1 (0:0 und festigten dadurch den zweiten Tabellenplatz). Klose holte dabei den Elfmeter zum entscheidenden zweiten Tor heraus. Durch das achte Spiel ohne Niederlage in Serie verkürzte Lazio den Rückstand auf Spitzenreiter Juventus Turin vorerst auf fünf Punkte, der Meister kann aber am Sonntag gegen Sampdoria Genua nachlegen.

Marco Sau (62.) hatte die Gäste aus Sardinien im Stadio Olimpico in Führung gebracht, ehe Abdoulay Konko (79.) ausglich. Kurz vor Schluss wurde es dann turbulent: Nach einem Einsteigen von Cagliaris Torwart Michael Aggazi gegen Klose (83.) entschied Schiedsrichter Filippo Meli unter großen Protesten der Gäste auf Strafstoß. Agazzi sah Gelb-Rot, Andrea Cossu wegen Reklamierens gar Rot. Den Elfmeter verwandelte Antonio Candreva (86.) für Lazio, das den Vorsprung gegen neun Gäste ins Ziel brachte.

Quelle: sid/can/csr
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