| 11.31 Uhr

Mit 38 Jahren Torschützenkönig
Luca Toni schraubt und schraubt und schraubt...

Porträt: Luca Toni: Ewiger Ohrenschrauber
Porträt: Luca Toni: Ewiger Ohrenschrauber FOTO: afp, mlm
Düsseldorf. 38 Jahre, fünf Tage, 22 Tore: Das sind die nackten Zahlen eines Rekordes, der nicht nur in Italien für Staunen sorgt. Luca Toni ist in der italienischen Serie A zum zweiten Mal in seiner Karriere Torschützenkönig geworden. Von Antje Rehse

Natürlich ist der 38 Jahre alte Toni damit der älteste "Capocannoniere" in der Geschichte der Serie A. Bislang gehörte dieser Rekord Dario Hübner, der sich 2002 im Alter von 35 Jahren die Torschützenkrone sicherte. "König des Tores", nennt ihn die Gazzetta dello Sport. "Der ewige Luca Toni", schreibt der Corriere della Sera über den Frauenschwarm, der noch immer nach jedem Treffer an seinem Ohr "schraubt".

Dass Toni sich den Titel wegen eines Doppelpack von Mauro Icardi für Inter Mailand am letzten Spieltag teilen muss – geschenkt. Schon vor dem Spiel von Inter hatte Toni angekündigt, sich die Partie gegen Empoli ganz entspannt anschauen zu wollen. Seine Hausaufgaben hatte er tags zuvor mit einem Tor beim 2:2 gegen Juventus Turin schon gemacht. 

Goldener Schuh 14/15: Europas beste Torjäger FOTO: afp, JS/FC

Als Toni im Jahr 2000 seine Profikarriere begann, drückte jener Icardi, heute 22 Jahre alt, noch die Grundschulbank. Icardi ist der jüngste Torschützenkönig seit Paolo Rossi 1978 (21 Jahre).  Dem italienischen Trend entspricht er nicht. Unter den besten zehn Torschützen in Italien befinden sich in Antonio di Natale (37 Jahre, 14 Tore, Platz acht) und Miroslav Klose (36 Jahre, 13 Tore, Platz neun) noch zwei weitere Stümer im weit fortgeschrittenen Alter. In Gianluigi Buffon (37) und Andrea Pirlo (36) haben zwei weitere Fußball-Opas, wenn auch keine Stürmer, am Samstag die Chance, mit Juventus Turin die Champions League zu gewinnen und damit das Triple perfekt zu machen. Zudem wurde Francesco Totti in dieser Saison mit 38 Jahren zum ältesten Spieler, der je ein Tor in der Champions League erzielt hat. Zum Vergleich: In der Bundesliga kam in dieser Saison kein einziger Spieler überhaupt nur zum Einsatz, der 38 Jahre oder älter ist.

Die Rückkehr von "Tonigol" zu alter Stärke ist aber vor allem deshalb bemerkenswert, weil die Karriere des 1,94 Meter großen Hünen eigentlich schon vorbei schien. 2012 war Toni ins Fußballrentner-Paradies Dubai gewechselt, um dort bei Al-Nasr seine vermeintlich letzten Millionen als Stürmer zu verdienen. Doch Toni blieb nur ein halbes Jahr in den Vereinigten Arabischen Emiraten, kehrte zurück in seine Heimat, wo er nach einer durchwachsenen Saison beim AC Florenz dann bei Hellas Verona wieder richtig aufblühte. 20 Tore und Platz zwei in der Torschützenliste standen nach seiner ersten Spielzeit bei den Nord-Italienern zu Buche. Nun, ein Jahr später, sind es zwei Tore mehr und Platz eins. "Ich fühle mich wohl hier und möchte gerne hier weiterspielen", sagt Toni, dessen Vertrag ausläuft. Und: "Ich fühle mich wie 30."

Möglicherweise hat auch sein privates Glück zum wer weiß schon genau wievielten Frühling des Angreifers beigetragen. Nachdem im Juni 2012 der gemeinsame Sohn, den er mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Marta Cecchetto erwartet hatte, tot geboren wurde, bekam das Paar im Juni 2013 eine gesunde Tochter.

Fotos: Luca Toni trifft gegen Juve und schraubt am Ohr FOTO: dpa, hm

Für den Weltmeister von 2006 ist es insgesamt die dritte Auszeichnung als Torschützenkönig. Die erste sicherte er sich in der Saison 2005/06 mit 31 Treffern für Florenz, 2007/08 zeigte er sich mit 24 Toren auch in der Bundesliga für den FC Bayern München treffsicher. Seine Tore – insgesamt waren es in 89 Spielen derer 58 für den deutschen Rekordmeister – ließ sich Toni teuer bezahlen. Wie in diesem Frühling durch einen Schadenersatzprozess vor dem Landesgericht München um nicht entrichtete Kirchensteuer herauskam, verdiente der Torjäger mit dem breiten Grinsen in München in zweieinhalb Jahren knapp 43,5 Millionen Euro brutto. Rechnet man genau nach, kommt man auf 749.781,59 Euro pro Tor.

In Verona dürfte der Kurs deutlich tiefer liegen. In Ruhe wolle er sich nun mit der Vereinsführung von Hellas zusammensetzen, um über eine gemeinsame Zukunft zu entscheiden, kündigte Toni nach dem letzten Spiel der Saison an. "Mit meinen Teamkollegen, mit dem Trainer und mit der Vereinsführung habe ich eine spezielle Beziehung", sagte er. Klingt nicht nach Abschied. Ob seine Vertragsverlängerung davon abhänge, ob auch Trainer Andrea Mandorlini beim Verein bleibe? "Das weiß ich nicht. Vielleicht will er den Angriff ja verjüngen", wird Toni von der Gazzetta dello Sport zitiert. Man kann sich ausmalen, dass er dabei wieder einmal sein breitestes Grinsen aufgesetzt hat.

 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Luca Toni schraubt und schraubt und schraubt...


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.