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Prozess in Norditalien
Was hatte Weltmeister Iaquinta mit der Mafia zu tun?

Vincenzo Iaquinta und die 'Ndrangheta: Weltmeister vor Gericht
Vincenzo Iaquinta soll mit der Mafia zusammengearbeitet haben. FOTO: dpa, pal sam hae lof
Reggio Emilia . 147 Angeklagte müssen sich vor einem Gericht in Norditalien verantworten. Es geht um die Mafia 'Ndrangheta. Unter ihnen ist auch der italienische Fußballweltmeister Vincenzo Iaquinta.

Der bisher größte Mafia-Prozess Norditaliens soll am kommenden Mittwoch in Reggio Emilia beginnen. Im Visier steht die kalabrische 'Ndrangheta. Im sogenannten Aemilia-Prozess müssen sich insgesamt 147 Angeklagte, darunter auch der italienische Fußballweltmeister Vincenzo Iaquinta und sein Vater Giuseppe, verantworten. Dem 36 Jahre alten ehemaligen Stürmer werden illegaler Waffenbesitz und Unterstützung der Mafia vorgeworfen, sein Vater wird verdächtigt, Mitglied der Verbrecherorganisation zu sein. 

Vincenzo Iaquinta weist jegliche Vorwürfe zurück. Er wisse nicht einmal, was die 'Ndrangheta ist, sagte er einer Regionalzeitung. Bei dem Mega-Prozess geht es um die kriminellen Verwicklungen der Mafia im Immobilienbau. Besonders nach den zwei katastrophalen Erdbeben in der Region Emilia-Romagna 2012 soll die eigentlich in Süditalien verwurzelte 'Ndrangheta am Wiederaufbau verdient haben. Zu den Anklagepunkten zählen klassische Mafia-Verbrechen wie Mord, Geldwäsche, Erpressung, Korruption und Stimmenverkauf für Kommunalwahlen.

Angeklagt sind 25 Gefängnisinsassen sowie zahlreiche Beamte, Politiker, Handwerker, Unternehmer und Journalisten. Viele von ihnen wurden bei gezielten Aktionen der Polizei und des Militärs zu Beginn des Jahres 2015 festgenommen. Für den Mega-Prozess wurde eigens eine Aula innerhalb des Gerichts von Reggio Emilia errichtet, die rund eine halbe Million Euro gekostet haben soll. 

Eigentlich ist die 'Ndrangheta eine Mafia-Organisation aus Kalabrien, der südlichsten Region des italienischen Festlandes. Doch bereits in den 1980er Jahren hat sie sich in den wohlhabenden Norden des Landes ausgebreitet. Heute besitzt sie Stützpunkte auf der ganzen Welt. Das Syndikat macht mit Waffen- und Menschenhandel sowie Drogenschmuggel Milliardengeschäfte. In Deutschland verübte sie 2006 vor einer Pizzeria in Duisburg einen Mordanschlag auf sechs Kalabrier, der für Aufsehen und Entsetzen sorgte.

(dpa)
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