Prozess nach Krawallen in Catania: Italiens Fußball-Skandal nur ein Missverständnis?
zuletzt aktualisiert: 07.04.2007 - 15:12Rom (RPO). Zwei Monate nach dem Tod des italienischen Polizisten Filippo Raciti bei den Fan-Krawallen auf Sizilien lässt die Zeugenaussage eines Beamten Zweifel an der Todesursache aufkommen. Zeugenaussagen zufolge starb er doch nicht durch den Angriff des seitdem in Haft sitzenden Hooligans. Der Vorfall im Februar hatte Italien regelrecht in eine Staatskrise gestürzt.
Nun die Wende: So soll Raciti von seinem Kollegen angefahren worden sein, als dieser versuchte, rückwärts fahrend vor den Hooligans zu flüchten. "Ich hörte einen Schlag auf das Auto, und dann sah ich Raciti mit den Händen an seinem Kopf. Ich stoppte und sah einige Kollegen, die ihn stützten", sagte der Beamte in der vom Magazin L'Espresso veröffentlichten Aussage.
Bislang wird ein 17 Jahre alter Hooligan verdächtigt, Raciti am Rande des Spiels Catania Calcio gegen US Palermo mit einem aus den Toilettenräumen des Stadions herausgerissenen Waschbecken erschlagen zu haben. Der seit 8. Februar in Untersuchungshaft sitzende Jugendliche beteuert jedoch seine Unschuld.
Nach Meinung seiner Verteidiger werfe die Aussage des Beamten ein anderes Licht auf die Vorfälle. "Ich denke, der Junge hat damit nichts zu tun. Die Verbindung mit dem Unfall scheint sehr plausibel", sagte Giuseppe Lipera der Nachrichtenagentur Reuters.
Italienische Politiker forderten unterdessen eine schnelle Untersuchung der Behauptungen. "Die Aussage beinhaltet Elemente, wonach sich ein völlig anderer Fall als nach der offiziellen Version ergibt. Das veranlasst uns stark zu der Annahme, dass der Tod Racitis ein tragischer und banaler Unfall war", sagte Rechtsexperte Orazio Licandro von der kommunistischen Partei PDCI.
Catanias Staatsanwalt Gaspare La Rosa sagte am Freitag, dass die Aussage des Beamten dem Richter bei der Anordnung der Untersuchungshaft für den 17 Jahre alten Tatverdächtigen bekannt gewesen sei. Untersuchungen in eine andere Richtung seien damals allerdings nicht in Betracht gezogen worden.
Der Vorfall im Februar hatte Italien in eine regelrechte Staatskrise gestürzt. Die italienische Regierung verhängte nach den Krawallen von Catania schärfste Sicherheitsvorkehrungen zur Bekämpfung der Gewalt in den italienischen Fußball-Stadien. In den Stadien, in denen die Sicherheitsstandards nicht garantiert werden können, wurde unter Ausschluss der Öffenlichkeit gespielt. Am ersten Wochenende nach den Krawallen waren alle Fußball-Begegnungen sogar abgesagt worden.
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