Drohender Wett-Skandal im Fußball: Italiens WM-Viertelfinale manipuliert?
zuletzt aktualisiert: 01.09.2008 - 11:23Düsseldorf (RPO). Der angebliche Skandal um Wett-Manipulationen im Fußball scheint immer neue Ausmaße anzunehmen. Neben zwei deutschen Liga-Spielen und dem WM-Achtelfinale zwischen Brasilien und Ghana (3:0) sollen laut Journalist Declan Hill offenbar auch WM-Partien von England und Italien manipuliert worden sein.
Nachdem der „Spiegel“ über zwei angeblich verschobene Partien (Lauterns 1:5 in Hannover 2005 und Siegens 0:2 gegen Karlsruhe 2005) sowie dem manipulierten Brasilien-Spiel berichtet hatte, stehen nun augenscheinlich auch das WM-Viertelfinale zwischen Weltmeister Italien und der Ukraine (3:0) sowie das Achtelfinale zwischen England und Ecuador (1:0) im Zwielicht.
Laut "Bild" will der kanadische Enthüllungsreporter Hill heute Abend in der ARD-Sendung "Beckmann" (22.45 Uhr) seine neuen Anschuldigungen vortragen. Dem Bericht zufolge werde der Journalist erläutern, dass er von asiatischen Wettpaten über Manipulationen bei den genannten Spielen gehört habe.
Die Fifa will sich noch nicht zu den von Hill gemachten Vorwürfen äußern. Ein Sprecher wollte lediglich bestätigen, dass sich Hill und Fifa-Bos Joseph Blatter getroffen haben. "Wir brauchen mehr Details, bevor wir entscheiden, ob wir eine Stellungnahme abgeben", erklärte der Offizielle des Weltverbands.
Unterdessen hat sich der Rechtsanwalt des kroatischen Wett-Betrügers Ante Sapina angesichts der neuen Manipulationsvorwürfe in der Fußball-Bundesliga sehr skeptisch" darüber geäußert, "dass sich der Verdacht auch nur verdichten lässt". In einem Interview mit stern.de schildert der Berliner Anwalt, einer der besten Kenner der Wettszene, wie schwer es seiner Einschätzung nach für potentielle Wettbetrüger ist, die Schiebung einer Partie zu erreichen.
"Für Ante Sapina war es schon schwierig, über einen Schiedsrichter ein Spiel unbemerkt zu beeinflussen. Mehrfach unterließ Hoyzer es, spielentscheidend im Sinne von Sapina zu pfeifen. Was meinen Sie, wie schwierig die Manipulation für einen einzelnen Spieler ist, wenn schon der Schiedsrichter Probleme hat? Fußball ist ja nicht Tennis, das Resultat hängt von 1000 Dingen ab", erklärt Conen.
Die bisher bekannten Informationen hält der Anwalt für wenig beweiskräftig. So soll bei dem Zweitliga-Spiel Karlsruhe gegen Siegen der Spieler, der den Kontakt zu dem unter Manipulationsverdacht stehenden malaysischen Zocker hatte, der Siegener Torwart Adnan Masic gewesen sein. Dem hält Conen entgegen: "Grundsätzlich ist der Torwart interessant für Wettbetrüger. Aber im Fachblatt ,kicker' erhielt dieser Torwart eine 2 - die beste Note seiner Mannschaft. Ich kann mir daher nicht vorstellen, dass er auch nur versuchte, zu deren Nachteil zu agieren."
Conen verweist auch auf die Tatsache hin, dass das Match Hannover gegen Kaiserslautern, "das erste Spiel des neuen Kaiserslauterer Trainers war, eine Partie, in der sich Spieler neu beweisen müssen und nicht einfach mal extraschlecht spielen. Man kann auch nicht das Ergebnis des Spiels als überraschend werten. Kaiserslautern hatte vorher zuhause klar gegen Nürnberg verloren, ebenfalls eine Mannschaft aus dem Tabellenkeller, und verlor anschließend munter weiter. Hannover siegte nach dem Spiel auch in Dortmund."
Stefan Conens Mandant Ante Sapina setzte bei Fußballwetten jahrelang Hunderttausende Euro und zahlte dem Schiedsrichter Robert Hoyzer für die Manipulation von Spielen 67000 Euro. Sapina wurde zu zwei Jahren und elf Monaten Haft und einer Geldstrafe in Höhe von 1,8 Millionen Euro verurteilt; er kam im Juli 2008 frei. Heute lebt er in Berlin, arbeitet in der Gastronomie und ist von der Spielsucht therapiert.
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