| 19.07 Uhr

Talentfarm in Ostbelgien
In Eupen formt Katar sein Team für 2022

Katars  WM-Stadien 2022
Katars WM-Stadien 2022 FOTO: Entwurf: AS&P - Albert Speer & Partner GmbH
Eupen. Für die WM 2022 braucht Gastgeber Katar eine konkurrenzfähige Nationalmannschaft. Mit dem belgischen Zweitligist KAS Eupen hält sich der Wüstenstaat deshalb ein Farmteam in Europa, bei dem die größten Talente Spielpraxis sammeln sollen.

Keine 20 Kilometer hinter der Grenze zwischen Deutschland und Belgien bastelt Katar an seiner Mannschaft für die Fußball-WM 2022. Im beschaulichen 18.000-Seelen-Ort Eupen, Hauptstadt der kleinen deutschsprachigen Gemeinde in Ostbelgien, hält sich der steinreiche Wüstenstaat eine Art Farmteam. Beim Zweitliga-Klub KAS Eupen sollen die Top-Talente des Emirats am Persischen Golf reifen und Spielpraxis sammeln für den großen Auftritt im eigenen Land.

Seit 2012 kooperiert die Königliche Allgemeine Sportvereinigung (KAS) mit der katarischen Aspire Zone Foundation, die sich die weltweite Förderung des Spitzensports auf die Fahnen geschrieben hat. Damit die Heim-WM 2022 kein sportliches Desaster wird, suchten die Katarer damals nach einer Möglichkeit, ihren besten Nachwuchskräften in Europa die nötige Wettkampfhärte zu verleihen. Sie fanden die KAS Eupen, sportlich wie finanziell am Abgrund und froh über den Investor aus der Wüste.

"Wir haben den Fußball in Katar analysiert und beschlossen, dass wir die jungen Spieler aus ihrer Komfortzone holen müssen", sagt Andreas Bleicher, als Sportdirektor bei Aspire und Vorstandsmitglied der KAS hauptverantwortlich für das ungewöhnliche Projekt: "Das Niveau des belgischen Klub-Fußballs war für uns das richtige. Außerdem wollten wir nicht in einen Moloch, eine Großstadt, sondern in einen sozial abgesicherten Bereich."

Bei Eupen begrüßte man die Übernahme durch Katar und freute sich über eine "Win-Win-Situation", wie es Generaldirektor Christoph Henkel im Gespräch mit dem SID formuliert. "In Belgien gehört ohnehin jeder Verein irgendeinem Mäzen, Förderer oder Präsidenten", sagt der ehemalige Jugendkoordinator des 1. FC Köln. Der kleine Klub aus der Ardennenstadt, bis auf ein kurzes Gastspiel 2010/11 nie in der ersten belgischen Liga vertreten, stand plötzlich vor einer rosigen Zukunft. Das Umfeld wurde mit viel Geld enorm professionalisiert, die Mannschaft komplett neu zusammengestellt.

Sechs Katarer, fünf Senegalesen, vier Nigerianer und etliche weitere Afrikaner stehen heute in Eupens Profi-Kader. Alle stammen aus der Aspire-Akademie, Katars spektakulärem Fußball-Ausbildungszentrum in Doha. Als die Eupener durch zwei knapp verpasste Aufstiege merkten, dass es alleine mit den Talenten nicht reicht, holte Sportdirektor Josep Colomer, einst für den FC Barcelona Entdecker von Lionel Messi, noch einige routinierte Spanier dazu. Mit dieser Mischung soll der Sprung in die erste Liga in diesem Jahr endlich klappen.

Pressestimmen zur Winter-WM: "Turnier der Schande" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Der Saisonstart ließ sich mit zwei Siegen in den ersten beiden Spielen gut an, vor allem die katarischen Spieler scheinen den nächsten Entwicklungsschritt vollzogen zu haben. Gleich drei von ihnen standen beim Auftakt auf dem Feld, ihr Talentiertester, Akram Afif, erzielte sogar das Siegtor. Der 19 Jahre alte Offensivquirl ist eine der größten Hoffnungen für 2022. "Bei der WM in meinem Heimatland zu spielen, wäre das Größte", bekennt er: "Es sind aber noch sieben Jahre Zeit bis dahin."

Regelrecht genervt reagiert man in Eupen auf Spekulationen, Katar wolle auch den Rest seiner Aspire-Talente aus Eupen einbürgern und sich damit genau wie zuletzt die Handballer ein Nationalteam aus Legionären zusammenkaufen. "Der Vorwurf der Einbürgerung ist faktisch falsch", sagt Bleicher energisch und verweist auf die deutlich schärferen Regularien der FIFA: "Handball mit Fußball ist wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen." Generaldirektor Henkel versichert: "Diese Spieler sollen Nationalspieler ihrer Heimatländer werden."

(sid)
 
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