| 18.30 Uhr

Adieu, Michel
"Kronzprinz" Platini geht mit Blatter unter

Das ist Michel Platini
Das ist Michel Platini FOTO: afp, VH/nb
Uefa-Präsident Michel Platini geht mit unter. Die Fifa-Ethikkommission beendete mit der achtjährigen Sperre gegen den Franzosen eine schillernde Karriere - die noch bis ganz nach oben hätte führen sollen.

Es sollte sein Jahr werden. In ein paar Monaten, wenn im Pariser Stade de France "seine" EM angepfiffen wird, wollte Michel Platini als Fifa-Präsident auf der Tribüne sitzen. Als der Mann, der den Weltverband aus der Krise geführt hat. Der Traum des französischen Uefa-Bosses platzte am Montag mit einem Urteil, das die Karriere des einstigen Weltstars wahrscheinlich für immer beendete. Adieu, Michel.

"Sein Handeln entbehrte ethischen Verhaltens, verstieß gegen die anwendbaren Gesetze und zeugte von einem Missbrauch seiner Stellung", schrieben die Richter der Fifa-Ethikkommission über Platini (60). Über den Musterfunktionär, der in den vergangenen Monaten immer mit dem Finger auf andere gezeigt hatte. Meistens auf den jetzt ebenfalls verbannten Fifa-Präsidenten Joseph S. Blatter (79), seinen einstigen Freund und jetzigen Feind. Platini wird gegen die achtjährige Sperre vorgehen, er wird alle Instanzen anrufen. Seine Chancen: sehr, sehr gering.

"Ich werde vor nichts haltmachen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen", hatte der nun Ex-Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa) mal gesagt. Unschuldig sei er sowieso. Die Wahrheit über die dubiose Zahlung von 1,8 Millionen Euro im Februar 2011 auf sein Konto bewegte die Fifa-Ethikkommission zu ihrem Urteil gegen den Franzosen, der als einer der genialsten Fußball-Profis in die Geschichtsbücher einging.

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Die Lichtgestalt des französischen Fußballs war im Herbst von der Schweizer Justiz in Sachen Blatter zunächst nur als "Auskunftsperson" vernommen und nicht - wie Blatter - als Angeklagter. Schon da begann ihn der Schatten der Vergangenheit einzuholen. Platini war in Blatters Sog gewachsen, der Schweizer Fifa-Boss war Förderer und Ziehvater des Franzosen.

Der damalige Fifa-Generalsekretär Blatter gewann dank der Werbetrommel der französischen Lichtgestalt 1998 gegen den ehrenamtlichen Uefa-Boss Lennart Johansson die Präsidenten-Wahl des Weltverbands. Im Gegenzug unterstützte Blatter Platini im Jahr 2007, als dieser gegen Johansson bei der Wahl zum Uefa-Chef triumphierte. Blatter und Platini - an den Spitzen der mächtigsten Fußballverbände waren sie ein eingeschworenes Team. Bis es zum Bruch kam, weil Blatter seinen Stuhl entgegen der Absprache nicht für Platini räumen wollte.

In seiner Heimat ist Platini so etwas wie der französische Franz Beckenbauer. Er war dreimal Europas Fußballer des Jahres, er wurde Europameister 1984. Danach wurde er von 1988 bis 1992 Nationaltrainer, später Co-Präsident des Organisationskomitees für die WM 1998. Seine Funktionärskarriere verlief immer steiler, für viele ist er ein Idol.

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Als Uefa-Präsident erweiterte Platini die Europameisterschaft auf 24 Teilnehmer, er führte die umstrittene Nations League (ab 2018) ein und war federführend bei der Entwicklung des Financial Fair Play, das die europäischen Klubs zumindest offiziell aus der Schuldenfalle führte.

Zweifel weckte Platini mit der Wahl Katars als Gastgeber der WM 2022. Vor der Entscheidung im Dezember 2010 war es im im französischen Elysee-Palast zu einem Treffen mit dem damaligen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und dem früheren Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa Al Thani, gekommen. Platini wies die Vorwürfe einer Einflussnahme zurück. "Die Wahl für Katar war richtig", beteuerte er immer wieder.

(sid)
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