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Bald auf dem Fifa-Thron?
Platini wird 60: Vom Schwächling zum Schwergewicht

Blatters mögliche Nachfolger
Blatters mögliche Nachfolger FOTO: ap
Michel Platini wird am Sonntag 60. Der einstige Mittelfeld-Stratege und vor wenigen Wochen zum dritten Mal gewählte Uefa-Präsident gilt als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von Joseph S. Blatter auf dem Fifa-Thron. Aber er lässt sich nicht in die Karten schauen.

Vielleicht denkt Michel Platini am Sonntag in einer ruhigen Minute über seine Zukunft nach. Falls er im Trubel rund um seinen 60. Geburtstag dafür überhaupt Zeit hat. Die entscheidende Frage, die sich für den Franzosen stellt: Soll er Fifa-Präsident werden oder nicht.

Platini war Zeit seines Lebens ein Anführer. Als Nummer 10 wusste er - vielleicht sogar einen Tick besser als Günter Netzer oder Wolfgang Overath - wann ein Pass wohin zu schlagen und wie ein Freistoß zu schießen ist.

Auch wenn das Ziel immer das Tor war - Platini hält bis heute den Passgeber für wichtiger als den Vollstrecker. "Der Pass ist die kostbarste Geste, die der Fußball zu bieten hat", schrieb er in seinem Buch "Reden wir über Fußball". "Die Ballkontrolle ist reine Technik; der Pass ist Technik gepaart mit Intelligenz."

Platini überreicht erste Tickets FOTO: afp, pk/AG

Mit dieser Überzeugung wurde der Junge aus dem lothringischen Joeuf zum besten Mittelfeld-Dirigenten seiner Zeit. Seine Freistöße waren gefürchtet, seine Dribblings auch. Platini, 1983, 1984 und 1985 Europas Fußballer des Jahres, wurde beim Gewinn der Europameisterschaft 1984 Torschützenkönig mit neun Treffern. Selbst ein Zinedine Zidane hatte diese Zielstrebigkeit nicht.

Es gibt da noch die Anekdote, dass der Weltstar, dessen erster Trainingspartner das Garagentor des elterlichen Hauses war, als Jugendspieler vom FC Metz abgewiesen wurde, weil er laut ärztlichem Befund "zu schmächtig" sei. Platini unterschrieb in Nancy, wechselte später nach St. Etienne und dann zu Juventus Turin.

Einen Sieg in seiner Karriere würde Platini am liebsten ungeschehen machen: Der Gewinn des Europapokals von Juventus gegen Liverpool 1985 im Brüsseler Heysel-Stadion, bei dem 39 Menschen ums Leben kamen. Platini verwandelte den Elfmeter zum entscheidenden 1:0. "Über das Ausmaß hatte man uns Spielern nichts gesagt. Man hat uns aufgefordert zu spielen, um die Zuschauer im Stadion zu halten, damit sie die Rettungswege nicht blockieren. Ich habe das Stadion seitdem nie wieder betreten."

EM 2016: So sieht das Logo aus FOTO: dpa, Ian Langsdon

Die Niederlage im WM-Halbfinale 1982 in Sevilla gegen Deutschland, als es zu dem Zwischenfall zwischen Torhüter Toni Schumacher und Patrick Battiston kam, als Frankreich schon 3:1 führte und dann im Elfmeterschießen verlor, hat Platini bis heute nicht überwunden: "Wir waren besser und hätten auch das Finale gegen Italien gewonnen. Aber Sevilla war auch ein Sieg, weil es uns gelehrt hat, in Würde zu verlieren."

Platini blieb auch nach seinem Karriereende der Dirigent, wurde 1988 mit 33 Teamchef der Nationalmannschaft. In der Qualifikation zur EM 1992 gewann seine Equipe alle Spiele, scheiterte in Schweden aber kläglich. Platini zog die Konsequenzen: "Qualifikationsspiele kannst du als Trainer wie ein Überfallkommando organisieren, aber bei einem Turnier, das wochenlang dauert, sind andere Qualitäten gefragt. Die hatte ich nicht", sagte er selbstkritisch.

Diese Ausdauerqualitäten, ein Team über einen längeren Zeitraum zu motivieren, hat er sich in seiner politischen Karriere angeeignet. Zunächst war er Co-Präsident des Organisationskomitees der WM 1998; dann unterstützte er Joseph S. Blatter - heute sein erbitterter Gegner - bei dessen Wahl 1998 zum Fifa-Präsidenten. Gegenkandidat war der Schwede Lennart Johansson, den Platini 2007 in Düsseldorf vom Uefa-Thron stieß.

Im Frühjahr wurde Platini für eine dritte Amtszeit gewählt, seine Zwischenbilanz fällt aber nicht nur positiv aus. Die Ausweitung der EM auf 24 Teilnehmer wird kritisiert, das Verfahren des Financial Fair Play ist umstritten. Dass er bei der WM-Vergabe 2022 für Katar gestimmt hat, hat sein Image angekratzt, obwohl er der Einzige ist, der aus seiner Wahl kein Geheimnis macht.

Der Mann, der Niederlagen hasst, ist gegen Blatter nicht um die Präsidentschaft im Weltverband angetreten. Ob er kandidiert, wenn Blatter zurückgetreten ist? Platini lässt sich nicht in die Karten schauen. Den Spielrhythmus bestimmt immer noch er.

(sid)
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