| 19.07 Uhr

Kritik am rumänischen Nationaltrainer
"Daum ist schuld an der ganzen Kloake"

Nationaltrainer: Scharfe Kritik an Christoph Daum in Rumänien
Christoph Daum ist rumänischer Nationaltrainer. FOTO: dpa, gj pat
Bukarest. Angesichts der nur noch geringen Hoffnungen auf die Qualifikation für die WM 2018 wird Christoph Daum als rumänischer Nationaltrainer in Frage gestellt. Ähnlich geht es Bernd Storck in Ungarn. Auch der Schweizer Marcel Koller ist in Österreich nicht mehr unumstritten.

Erst Bernd Storck, nun Christoph Daum: Die Fußball-Lehrer 'Made in Germany' müssen nach herben Rückschlägen in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland öffentliche Kritik einstecken. "Nicht die Spieler sind schuld. Für Daum ist der rumänische Fußball etwas Unbekanntes und er für den Nationaltrainer-Posten ungeeignet", urteilte Ex-Auswahlcoach Victor Piturca knallhart. Wie mies die Stimmung rund um die Auswahl ist, die als Vierte der Gruppe E nur noch minimale Chancen auf Platz zwei und die WM-Relegation hat, zeigt dies: Der Test am Dienstag in Cluj gegen Südamerika-Meister Chile droht vor halbleeren Rängen stattzufinden.

Daum denkt nicht an Rücktritt

Der vor elf Monaten nach dem Vorrunden-Aus bei der EURO in Frankreich geholte Iordanescu-Nachfolger Daum ist nicht mehr der erhoffte Heilsbringer, er will aber von Rücktritt nichts wissen. "Seit Wochen stellt man mir dieselbe Frage, und ich verstehe nicht warum", sagte Daum dem "kicker". Schon bei seinem Amtsantritt habe er Demut und Geduld eingefordert: "Wir müssen am Aufbau einer neuen Generation arbeiten, in die Jugend investieren", erklärte der 63-Jährige nun.

Der frühere Stuttgarter Bundesliga-Profi Florin Raducioiu sieht die Lage differenziert. Er kritisierte nach dem 1:3 in Polen die Einstellung der Profis. Die nehmen Daum immerhin in Schutz. "Er ist mit einem neuen Konzept gekommen und will seine Denkart auf uns übertragen. Ich glaube aber, dass er nur schwer schnelle Ergebnisse liefern kann", sagte stellvertretend Kapitän Vlad Chiriches.

"Prosport" meinte, man könne den Deutschen nicht für 20 Jahre Korruption im rumänischen Fußball verantwortlich machen. "Daum ist schuld an der ganzen Kloake des rumänischen Fußballs", schrieb das Blatt. Und fügte ebenso ironisch gemeint im Kommentar hinzu, Daum sei schuld an den Schwarzgeldern, die in die Taschen der wohlhabenden Klubchefs und Aktionäre, statt auf den Konten der Klubs gelandet und in die Entwicklung des Fußballs gesteckt worden seien.

Die "Gazeta Sporturilor" dagegen vermutet, dass der einstige Meistertrainer des VfB Stuttgart "nur wegen des Geldes" nicht zurücktrete. Umgekehrt belasse der rumänische Verband Daum nur im Amt, weil er die Zahlungen bis 2018 so oder so leisten müsse.

Bei acht Punkten Rückstand auf den zweitplatzierten EM-Champion Portugal steht Storck mit den Magyaren noch schlechter da als sein Leidensgenosse Daum. Auch der Ex-Dortmunder spricht von einem zwingend nötigen Neuaufbau bei den im EM-Sommer 2016 gefeierten Ungarn. "Es war mir bewusst, dass es schwierig und gefährlich wird", sagte Storck, dem nach Medienberichten auch das Aus drohen könnte.

Kaum besser geht es dem in Deutschland geachteten Schweizer Marcel Koller in Österreich. "Rechnerisch lebt die Hoffnung, weshalb wohl bis zum September diskutiert werden wird, ob der Teamchef bleiben will, darf und soll", schrieb der "Kurier" nach dem Irland-Spiel des Austria-Teams (1:1). Und: "Wenn dann aber vielleicht in Wales die letzte rechnerische Chance weg ist, ist dann Koller endgültig weg?"

(dpa)
 
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