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Barca-Star kurz vor Unterschrift in Paris
Wie Katar den Neymar-Wechsel möglich macht

Fotos: Neymar – Copa-Libertadores- und Champions-League-Sieger
Fotos: Neymar – Copa-Libertadores- und Champions-League-Sieger FOTO: rtr, ao
Düsseldorf. Der Wechsel von Neymar zu Paris St. Germain wird immer konkreter. Die festgeschriebene Ablösesumme von 222 Millionen Euro ist alleine schon Irrsinn, die Hintergründe dahinter allerdings noch mehr. Es geht dabei um Katar, Sponsoren und Financial Fair Play. Von Daniel Brickwedde

Wie ist der aktuelle Stand?

Kaum noch jemand zweifelt am Wechsel von Neymar zum französischen Spitzenklub. Die Zeitung "Al-Watan" aus Katar hatte zuvor bereits berichtet, Neymar sei zu Verhandlungen in Doha gewesen und sollte sich am Montag dem Medizincheck unterziehen. Übereinstimmende französischen Medienberichten vermelden allerdings, er soll in den kommenden Tagen in Katar den Medizincheck absolvieren. Die Anzeichen verdichten sich, dass der Wechsel unmittelbar bevor steht.

Welche Rolle spielt Katar bei dem Wechsel?

Der Klubchef von Paris St. Germain, Scheich Nasser Al-Khelaifi, stammt aus dem Wüstenstaat und die Organisation Qatar Sports Investment gehört der Investorengruppe an, die den französischen Verein besitzt. Mit der Organisation soll Neymar einen Sponsorenvertrag über 300 Millionen Euro unterschrieben haben, wodurch er nach außen offizieller Botschafter der Weltmeisterschaft 2022 in Katar wird. Tatsächlich soll Neymar das Geld allerdings dafür verwenden, um selber die festgeschriebene Ablösesumme von 222 Millionen Euro beim FC Barcelona zu hinterlegen.

Was hat es mit den Ausstiegsklauseln auf sich?

In Spanien müssen Spieler nach den Statuten des Ligaverbandes formal selbst für die Ablösesummen aufkommen. In der Praxis werden die Ablösesummen allerdings auch in Spanien überwiegend durch die Vereine bezahlt. Trotzdem ist es nach geltendem Arbeitsrecht in Spanien sogar Pflicht, Ausstiegsklauseln mit festgeschriebenen Ablösesummen in den Verträgen zu vereinbaren.

Wie steht es um das Financial Fair Play?

Bestens für Paris. Sofern der Spieler die Ablöse selbst bezahlt, fällt die hohe Summe nicht auf die Bilanzen des Vereins zurück. Findige Leute bei Paris St. Germain haben diese Schlupflöcher im Financial Fair Play gefunden.

Welche finanziellen Aufwendungen kommen trotzdem auf Paris zu?

In französischen und spanischen Medien wird von einer jährlichen Gehaltssumme von 30 Millionen Euro netto für Neymar gesprochen. Auch für seinen Vater, gleichzeitig sein Berater, wird noch ein Handgeld im zweistelligen Millionenbereich fällig.

Wie viel Geld ist sonst noch im Spiel?

Nicht nur, dass Neymar die Differenz zwischen den 300 Millionen Euro Sponsorengeldern aus Katar und der Ablösesumme von 222 Millionen Euro als nette Zuwendung einstreicht, nebenbei soll es laut Medienberichten auch noch eine Wechselprämie in Höhe von 100 Millionen Euro als Anreiz von Klubchef Scheich Nasser Al-Khelaifi geben. Und damit nicht genug: Auch Barcelona könnte Neymar am Ende noch Geld kosten. Dem 25-Jährigen und seinem Vater stehen nach einem Bericht der Zeitung "Sport" aus Barcelona bei den Katalanen eine Sonderzahlung von 26 Millionen Euro zu. Diese Klausel war Bestandteil der Vertragsverlängerung bis 2021 – andere Medien sprechen von einer Verschwiegenheitsklausel. Entsprechend hielt sich Neymar bislang auch aus allen Spekulationen um seine Zukunft raus.

Wie verhält sich der FC Barcelona?

Bei den Katalanen scheint man mittlerweile den bevorstehenden Wechsel zu akzeptieren. Finanziell will der Verein aber keinen Meter nachgeben. "Mit dem Geld, das wir kassieren, wird die Mannschaft verstärkt. PSG muss die Ablösesumme bis zum letzten Cent zahlen", so Barcelonas Präsident Josep Maria Bartomeu. Auch die Summe von 26 Millionen Euro wurde vorerst bei einem Notar hinterlegt. Im Falle eines Wechsels haben Barcelonas Anwälte schon eine Kürzung der Prämie um 80 Prozent für die vier nicht erfüllten Vertragsjahre angekündigt - gleichwohl würde der Neymar-Clan sich immer noch über 5,2 Millionen Euro erhalten.

 
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