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Brasilianer bleibt gesperrt
Neymar bedankt sich bei Firmino – für ihn ist die Copa vorbei

2015: Neymar sitzt bei Brasiliens Sieg auf der Tribüne
2015: Neymar sitzt bei Brasiliens Sieg auf der Tribüne FOTO: afp, mvd
Santiago de Chile. Brasilien kann bei der Copa America nicht mehr auf Geniestreiche von Neymar hoffen. Nun will die Selecao für ihren Offensivkünstler den Titel holen.

Erst zitterte Neymar trotz Wollmütze 90 lange Minuten hilflos auf der Tribüne, dann fiel Brasiliens Superstar erleichtert seinen Teamkollegen in die Arme. "Wir haben für Neymar gespielt. Er ist bei uns in der Kabine gewesen, hat uns für den Sieg gedankt", sagte Torschütze Roberto Firmino von 1899 Hoffenheim nach dem knappen 2:1 (1:0) gegen Venezuela. Noch drei Schritte ist die Selecao vom ersehnten Titelgewinn bei der Copa America entfernt - muss dabei aber auf Neymar verzichten.

Während das Turnier für das bislang wenig überzeugende Starensemble mit dem Viertelfinale am Samstag gegen Paraguay erst richtig anfängt, ist es für seinen Edeltechniker bereits gelaufen. Wie der brasilianische Fußballverband CBF am Montag mitteilte, akzeptiert er die Vier-Spiele-Sperre für Neymar nach dessen Ausraster gegen Kolumbien. Selbst bei einem Einzug ins "Gran Final" kann der Profi des FC Barcelona nicht mehr mit Geniestreichen glänzen, am Montag reiste er aus dem Teamquartier ab.

Neymar sieht nach Kopfstoß die Rote Karte FOTO: dpa, apc ms

Der verfrühte Abschied des Fanlieblings schmerzt den Rekordweltmeister erheblich. Bereits in Spiel eins ohne Neymar ließ Brasilien die Souveränität eines Titelfavoriten vermissen. Am Ende verteidigte das einst für seinen Zauberfußball gefürchtete Team von Trainer Carlos Dunga den knappen Vorsprung gegen den Fußball-Zwerg Venezuela mit Mann und Maus. "Lange Bälle in den Strafraum, das war ihre einzige Option. Und die wollten wir verhindern", rechtfertigte Dunga den Einsatz von vier Innenverteidigern in der Schlussphase.

Neymar verfolgte das Geschehen aus einer Loge des Monumental-Stadions von Santiago de Chile. Und hoffte nach früher Führung durch Thiago Silva (9.) auf ein entspanntes Spiel. Doch auch das 2:0 durch Firmino (52.) reichte nicht, um Venezuela bis zum Schluss locker zu kontrollieren. Nach einem Freistoß des Ex-Mönchengladbachers Juan Arango verkürzte Nicolas Fedor (84.) - und plötzlich wackelte der große Favorit noch einmal.

Im Viertelfinale wartet nun mit Paraguay eine noch einmal deutlich kniffligere Aufgabe auf den achtmaligen Copa-Champion. Brasilien hegt dabei Revanche-Gelüste, das 0:2 nach Elfmeterschießen beim Turnier 2011 in Argentinien steckt noch immer in den Köpfen. Allen vier Schützen versagten damals vom Punkt die Nerven, nun muss die Dunga-Elf größere mentale Stabilität beweisen.

Brasilien feiert Last-Minute-Sieg über Peru FOTO: dpa, apc cs

Und das ohne Neymar, der nach der 0:1-Pleite im Gruppenspiel gegen Kolumbien seinem Gegenspieler Pablo Armero den Ball aus kurzer Distanz in den Rücken geschossen und dann zu einem Kopfstoß gegen den Siegtorschützen Jeison Murillo angesetzt hatte. Der Frustabbau hatte sich im Kabinengang ungebremst fortgesetzt, Neymar beschimpfte Schiedsrichter Enrique Osses (Chile) wüst - und muss nun zuschauen.

Deutlich aktiver ist da das peruanische Bundesliga-Trio Carlos Zambrano (Eintracht Frankfurt), Claudio Pizarro (Bayern München) und Jefferson Farfan (Schalke 04). Durch ein 0:0 in Temuco gegen Kolumbien machte "La Blanquirroja" das Weiterkommen perfekt und trifft nun im Anden-Duell in der Nacht zu Freitag auf Bolivien.
"Dieses Team hat Großes vor", sagte Zambrano entschlossen.

Für die vor dem Turnier hoch gewetteten Kolumbianer mit WM-Torschützenkönig James Rodriguez war das Unentschieden dagegen ein erneuter Rückschlag. Zwar zitterten sie sich noch als Gruppendritter ins Viertelfinale, doch dort wartet am Freitag Favorit Argentinien mit Lionel Messi. Zuvor duellieren sich zum Auftakt der K.o.-Runde am Mittwoch Gastgeber Chile und Titelverteidiger Uruguay.

(sid)
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