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+++ Alle Fifa-News im Ticker +++
Schily: WM-Vergabe 2006 war sauber

Fotos: Sepp Blatter: 17 Jahre an der Spitze der Fifa
Fotos: Sepp Blatter: 17 Jahre an der Spitze der Fifa FOTO: dapd, Alessandro Della Bella
Düsseldorf. Nach dem Rücktritt von Sepp Blatter als Fifa-Präsident weitet sich der Korruptionsskandal um den Weltverband weiter aus. In unserem Newsticker finden Sie alle wichtigen Informationen.

+++ Blatter trifft Treuhänder Scala wegen Reformen +++

Zwei Tage nach seiner Rücktrittsankündigung hat Fifa-Präsident Joseph S. Blatter in einem Treffen mit dem neuen starken Mann Domenico Scala einen Handlungsrahmen und einen Zeitplan für den Reformprozess im Fußball-Weltverband festgelegt. "Ich möchte ein umfassendes Reformprogramm. Ich bin mir dabei sehr wohl bewusst, dass nur der Fifa-Kongress diese Reformen verabschieden kann", wird der 79-jährige Blatter in seinem ersten Statement seit seiner Rücktritts-Ankündigung zitiert: "Darüber hinaus hat das Exekutivkomitee eine besondere Pflicht, die Verantwortung in diesem Prozess auf mehrere Schultern zu verteilen."

+++ Schily: WM-Vergabe 2006 war sauber +++

In der Fifa-Korruptionsaffäre hält der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) die Vergabe der WM 2006 an Deutschland für sauber. Schily sagte der "Bild"-Zeitung (Freitagausgabe): "Deutschland hat eine in jeder Hinsicht hervorragende Bewerbung für die Weltmeisterschaft 2006 abgeliefert." Die habe – mit Unterstützung der Bundesregierung - das Exekutivkomitee der Fifa beeindruckt und überzeugt. Schily hält es für ausgeschlossen, "dass von den für die Bewerbung verantwortlichen DFB-Vertretern versucht worden sein sollte, die Mitglieder des Exekutivkomitees durch unlautere Mittel zu beeinflussen". Zur Korruptionsaffäre im Fußball-Weltverband sagte Schily: "Jedoch handelt es sich um Vorwürfe, die nicht nur die Fifa, sondern auch die nationalen Fußball-Verbände angehen." Diese entsendeten bekanntlich ihre Vertreter in das Exekutivkomitee der Fifa.

+++ Ermittlungen auch um WM in Brasilien? +++

Im Zuge der Korruptions-Ermittlungen um den Fußball-Weltverband untersucht die US-Justiz angeblich auch Vermarktungsverträge für die WM 2014 in Brasilien. Wie die Zeitung "Estadao" aus Sao Paulo in ihrer Online-Ausgabe am Donnerstag berichtet, geht es dabei offenbar hauptsächlich um die Geschäftsbeziehungen von Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke und dem früheren brasilianischen Verbandschef und Fifa-Funktionär Ricardo Teixeira. Es bestehe der Verdacht der gegenseitigen Vorteilsnahme. Eine offizielle Bestätigung der US-Justiz oder eine Reaktion von Valcke oder Teixeira lag vorerst nicht vor. Kürzlich war bekanntgeworden, dass die deutsche Baufirma Bilfinger in einen Korruptionsskandal in Brasilien für die Bereitstellung eines Kontroll- und Überwachungssystems für die WM verwickelt sein soll.

Der frühere Verbandschef Jose Maria Marin gehört zu den in der vergangenen Woche in Zürich festgenommenen Fußball-Funktionären, denen wegen Korruptionsvorwürfen die Abschiebung in die USA droht.

+++ Südafrikanische Polizei will Anschuldigungen der US-Justiz prüfen +++

Die südafrikanische Polizei hat sich in die Bestechungsvorwürfe rund um die Vergabe der WM 2010 eingeschaltet und will die Anschuldigungen der amerikanischen Justizbehörden näher untersuchen. Es müsse noch geprüft werden, ob von der Spezialeinheit Hawks offizielle Ermittlungen eingeleitet werden, berichtete der Nachrichtensender eNCA am Donnerstag. Erst nachdem die Ergebnisse der vorläufigen Untersuchungen vorlägen, könne entschieden werden, "ob es komplette formale Ermittlungen" geben werde, sagte Hawks-Sprecher Hangwani Mulaudzi. Die Regierung in Pretoria hatte nach Bekanntwerden des Fifa-Skandals in den vergangenen Tagen immer wieder dementiert, dass Bestechungsgelder geflossen seien. Sportminister Fikile Mbalula hatte erst am Mittwoch eingeräumt, dass zwar 2008 die Summe von zehn Millionen Dollar an die Konföderation von Nord- und Mittelamerika CONCACAF bezahlt worden sei. Jedoch sei das Geld für ein genehmigtes Projekt verwendet worden und keine Bestechung der Fifa gewesen, sagte er.

+++ Laut Sportminister: England bereit für WM 2022 +++

England wäre dem britischen Kultur- und Sportminister zufolge bereit, anstelle von Katar die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 auszurichten. Es sei zwar unwahrscheinlich, dass 2022 nach Russland wieder ein europäisches Land an die Reihe käme, falls man Katar die WM wegen Korruption wegnehme, sagte John Whittingdale am Donnerstag in London. "Aber falls die Fifa  auf uns zukäme und uns bitten würde, die Ausrichtung in Betracht zu ziehen, hätten wir natürlich in diesem Land die Einrichtungen, und natürlich haben wir eine sehr eindrucksvolle, wenn auch erfolglose Bewerbung abgeben, die Weltmeisterschaft 2018 auszurichten."

+++ US-Behörden stufen Fifa als RICO-Organisation ein +++

Die US-Behörden ordnen den Weltverband Fifa als sogenannte RICO-Organisation ein - als einen "vom organisierten Verbrechen und Korruption beeinflussten" Zusammenschluss. Das geht aus dem Protokoll der 2013 geführten Vernehmung des ehemaligen Fifa-Funktionärs und "Whistleblowers" Chuck Blazer hervor. Grund für die Einordnung sind die Anklagepunkte, laut denen bei verschiedenen Gelegenheiten mit krimineller Energie Geld geflossen sein soll. Das würde die Fifa als RICO-Organisation identifizieren. Hintergrund ist ein 1970 in den USA erlassenes Gesetz (Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act), das als Rechtsgrundlage zur Bekämpfung von kriminellen Vereinigungen dient. Die US-Behörden haben im Zuge des Fifa-Skandals 14 Personen angeklagt, darunter neun Fifa-Offizielle. Sieben sitzen in der Schweiz in Auslieferungshaft.

+++ Zentrale des venezolanischen Verbandes durchsucht +++

Im Zuge des Fifa-Skandals ist am Mittwoch die Zentrale des venezolanischen Fußball-Verbands FVF in Caracas durchsucht worden. Die Behörden suchten nach Beweisen für die Korruptionsvorwürfe gegen den ehemaligen FVF-Chef Rafael Esquivel, der als einer von sieben hohen Funktionären des Weltverbands in der vergangenen Woche in der Schweiz festgenommen worden war. Die venezolanischen Behörden ordneten zudem eine Sperrung der Bankkonten an, die von Esquivel, inzwischen ehemaliges Mitglied des Exekutivkomitees des Kontinentalverbands für Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (CONCACAF), kontrolliert werden.

+++ Warner droht Blatter mit brisanten Beweisen +++

Der von den US-Behörden angeklagte ehemalige Fifa-Vize Jack Warner droht mit brisanten Korruptionsbeweisen gegen den Weltverband und Noch-Präsident Joseph S. Blatter. Bei einer TV-Ansprache in seinem Heimatland Trinidad und Tobago sprach der 72-Jährige von "Unterlagen, Dokumente und Schecks", welche sogar die Einmischung der Fifa in die Präsidenten-Wahl 2010 im Karibikstaat belegen sollen. Kurz darauf wurde der frühere Politiker Warner, der sich in seiner Heimat der Justiz gestellt und gegen die Zahlung einer Kaution in Höhe von rund 350.000 Euro auf freien Fuß gesetzt wurde, bei einer öffentlichen Rede noch deutlicher. "Blatter weiß, warum er zurückgetreten ist. Und ich weiß es auch", sagte Warner, der von 1997 bis 2011 als Fifa-Vizepräsident einer von Blatters Stellvertretern war: "Ich fürchte um mein Leben. Aber nicht einmal der Tod kann die Lawine jetzt noch aufhalten."

+++ Australien ermittelt wegen Vergabe der WM 2022 +++

Australien startet eigene Ermittlungen wegen möglicher Korruption bei der gescheiterten Bewerbung des Landes um die Weltmeisterschaft 2022. Betroffen sei auch der frühere Fifa-Vizepräsident Jack Warner aus Trinidad und Tobago, teilte die australische Polizei am Donnerstag mit. Hintergrund sind Äußerungen des Chefs des australischen Fußballverbands, Frank Lowy, zu einer Zahlung von 500.000 Australischen Dollar (knapp 350.000 Euro) an den amerikanisch-karibischen Fußballverband Concacaf. Dieser Betrag sei von Concacaf-Präsident Warner zweckentfremdet worden, hatte Lowy am Mittwoch gesagt. Warner ist einer von 14 Fußballfunktionären, denen US-Behörden Korruption vorwerfen. Australien hatte sich um die Austragung der Weltmeisterschaft 2022 beworben und umgerechnet 36 Millionen Euro dafür ausgegeben. Doch erhielt das Land bei der Abstimmung 2010 nur eine einzige Stimme. Das Turnier ging an Katar.

+++ Ehemaliger Fifa-Mediendirektor fordert Blatter zur Kooperation mit FBI auf +++

Der frühere Fifa-Mediendirektor Guido Tognoni hat Joseph Blatter nach dessen Rücktrittsankündigung zur Zusammenarbeit mit dem FBI geraten. "Ich bin der Auffassung, Sepp Blatter könnte sich unglaubliche Verdienste erwerben und plötzlich in einem ganz anderen Licht dastehen, wenn er selbst sagt: Ich werde Zeuge. Ich gehe zum FBI. Ich werde alles sagen", sagte der ehemalige Mediendirektor des Fußball-Weltverbandes und Ex-Berater von Blatter bei stern TV. Mit seiner Darstellung, er habe von allem nichts gewusst, habe sich Blatter "letztlich völlig unglaubwürdig gemacht", sagte Tognoni. Er hoffe, dass der 79 Jahre alte Schweizer "dazu beiträgt, den Saustall auszumisten und einen totalen Neuanfang zu ermöglichen".

(dpa/sid)
 
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