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Brasiliens Fußball-Legende
Lang lebe der "König" – Pele wird 75

Porträt: Pele: Fußball-Legende, UN-Botschafter, Lebemann
Porträt: Pele: Fußball-Legende, UN-Botschafter, Lebemann FOTO: dpa, rf nic hpl
Rio de Janeiro. Brasiliens Fußball hat schon bessere Zeiten erlebt. Vor allem mit "O Rei" Pelé. Zum 75. Geburtstag wird ihn das Land hochleben lassen. Er hatte zwar zuletzt einige gesundheitliche Probleme, mischt aber immer noch kräftig mit. Welche Rolle wird er bei Olympia in Rio spielen?

Er gilt vielen als der größte Fußballer, manche nennen ihn König: "O Rei". Er hat eigentlich alles erreicht, aber etwas fehlte noch. Das muss sich zumindest der damalige Präsident des 1. FC Köln, Wolfgang Overath, selbst Weltmeister, gedacht haben. Also übergab er Pelé 2007 eine Urkunde mit der Ehrenmitgliedschaft – Nummer: 67541.

Der Kölner denkt ja nicht in kleinen Karos. Und der immer noch sehr fitte Pelé tat bei dem Werbetermin in Köln das, was er immer tut: Er zeigte sein strahlendes Lächeln mit blitzweißen Zähnen. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" vermerkte ganz unbescheiden: "Pele ab jetzt Kölsch."

Das ist etwas unfair gegenüber dem FC Santos, wo Edson Arantes do Nascimento, kurz Pelé, doch 6662 Tage gespielt und dem Verein zufolge 1091 Tore geschossen hat. Jetzt wird er schon 75, am 23. Oktober 1940 wurde er im Ort mit dem schönen Namen Três Corações (drei Herzen) im Bundesstaat Minas Gerais geboren. Im Juli bangten viele Brasilianer mit ihm, als er sich einer Wirbelsäulenoperation unterziehen musste, mit Spannung wurde auf die Bulletins der Klinik Albert Einstein in São Paulo gewartet. Alles verlief gut. Bestens gelaunt posierte er beim Verlassen des Hospitals mit seiner Partnerin Márcia Cibele Aoki.

Fotos: Pele gibt nach Entlassung Pressekonferenz FOTO: afp, msc

Der immer freundliche Pelé hat nie groß über die Stränge geschlagen, er hat Millionen verdient, vor allem dank viel Werbung: "Aber nie für alkoholische Getränke, Politik, Religion oder Tabak", betont er. Er warb auch für ein bekanntes Potenzmittel, betonte aber stets, nie selbst welche gebraucht zu haben. Sieben Kinder hat er, davon zwei Uneheliche. Und zwei gescheiterte Ehen stehen in seiner Bilanz.

Sein Lieblingsfeind ist Diego Maradona, der sich selbst als legitimen Fußballgott sieht, zumindest hat er ja schon einmal mit Gottes Hilfe den Ball bei der WM 1986 gegen England ins Tor befördert. Pelé wirft dem Argentinier vor, der Jugend ein schlechtes Beispiel zu sein, während Maradona Pelé mal als einen Fall fürs Museum bezeichnet hat.

Dort ist zumindest schon so manches aus seiner Sportlerzeit gelandet. In Rios Maracanã-Stadion ist der alte Lederball ausgestellt, mit dem er am 19. November 1969 gegen Vasco da Gama sein 1000. Santos-Tor schoss – sogar die Kirchenglocken läuteten damals zu seinen Ehren.

Diese Spieler wurden zu Ikonen ihrer Klubs FOTO: afp, mb/aa/ia

Insgesamt soll der dreimalige Weltmeister 1281 Tore in 1365 Partien erzielt haben – eine unglaubliche Bilanz. Das schönste? Pelé sagt, das 4:2 beim Santos-Spiel gegen Juventus Turin am 2. August 1959, als er im Strafraum den Ball in der Luft jongliert, nacheinander über drei Gegenspieler lupft, dann noch über den Torwart, um den Ball per Kopf einzunetzen. Davon gibt es aber leider keine Videoaufnahmen.

Beim FC Santos erhielt der Schuhmacherlehrling 1956 einen Vertrag und debütierte schon mit 15 in der ersten Mannschaft. "Dieser Junge wird der beste Fußballspieler der Welt", sagte Waldemar de Brito, der als sein Entdecker gilt. Mit 16 spielte Pelé erstmals in der Nationalelf.

1958 nahm Nationaltrainer Vicente Feola den 17-Jährigen mit zur WM nach Schweden. Dort ging Pelés Stern auf – er ist bis heute der jüngste Weltmeister der Fußball-Geschichte. Beim 5:2 im Finale gegen den Gastgeber schoss er zwei Tore. 1962 in Chile, als Brasilien seinen Titel verteidigte, verletzte er sich aber bereits im zweiten Spiel. 1970 führte Pelé Brasilien zum dritten Mal auf den WM-Thron.

Es gibt in Santos inzwischen sogar ein eigenes Museu Pelé. Und zu seinem 75. Geburtstag wird er mit einer Neuauflage seines Trikots aus den Jahren 1962 und 1963 geehrt, als Santos zweimal nacheinander den Weltpokal gewann. Insgesamt wird es wohl etwas ruhiger zugehen als zum 70., damals wurde ein Ligaspiel in seinem Heimstadion Vila Belmiro zur großen Pelé-Party. Der damalige, neue Santos-Star, der 18-jährige Neymar, lief mit der Nummer 70 als Hommage an das Geburtstagskind auf. Viele sahen Neymar lange Zeit als möglichen Erben Pelés, doch beim FC Santos ist er nicht mehr gut gelitten.

Der Verein hat gerade bei der Fifa eine sechsmonatige Sperre für Neymar beantragt, weil er dem Verein nicht die Wahrheit gesagt habe über die wahren Summen, die beim Wechsel zum FC Barcelona geflossen sind. Santos bekam 55 Millionen Euro, aber der Wechsel soll ein Volumen von bis zu 95 Millionen Euro gehabt haben. Pelé war hingegen eine treue Seele, was ihn so populär machte und macht. Von 1956 bis 1974 spielte er bei Santos, bevor er bis 1977 bei Cosmos New York seine Karriere ausklingen ließ. Eine Saison kickte er dort zusammen mit Franz Beckenbauer. "Mein Freund", sagt Pelé über Beckenbauer.

Es ist unbekannt, wo Pelé die Kölner Ehrenurkunde aufbewahrt. Ebenso die von Rot-Weiss Essen, auch hier ist er Ehrenmitglied. Und erst die ganzen Trikots mit der legendären Nummer 10. Als er damals in Köln war, wurde übrigens in Zürich die WM 2014 an Brasilien vergeben. Damals war Pelé hoffnungsfroh, dass es anders als 1950 mit dem Weltmeister-Titel daheim klappt. Nach dem 1:7 im Halbfinale gegen Deutschland meinte er lapidar: "Ich sage immer, Fußball ist eine Überraschungskiste." Heute ist er wenig erbaut über die "Seleção". "Es ist nur der Trainer ausgetauscht worden", kritisiert "O Rei".

Sein Wort hat weiter Gewicht, unter Staatspräsident Fernando Henrique Cardoso war er von 1995 bis 1998 sogar Sportminister. Er kritisiert die Machenschaften der Fifa, ist viel unterwegs. Und so mancher in Brasilien fragt sich bereits, ob sie ihm in knapp 290 Tagen noch eine der größten Ehren zukommen lassen? Irgendwer muss ja das Feuer für die Olympischen Spiele in Rio, den ersten in Südamerika, anzünden.

(dpa)
 
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