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Kolumne: Gegenpressing
Transferpolitik für Reiche

Porträt: Mario Balotelli: Skandal-Stürmer und Deutschland-Schreck
Porträt: Mario Balotelli: Skandal-Stürmer und Deutschland-Schreck FOTO: afp, GABRIEL BOUYS
Düsseldorf. Wer hätte gedacht, dass man eines Tages die Transferpolitik im Fußball mit Mario Balotelli erklären könnte? Ich jedenfalls nicht. Aber das geht. Nämlich so.

Es begab sich zu den Tagen, als der italienische Nationalspieler noch für Manchester City stürmte. Da hielt ihn mal wieder die Polizei an. Er war entweder zu schnell gefahren, hatte falsch geparkt, die falsche Straßenseite benutzt oder während der Fahrt Kurznachrichten auf dem Handy verfasst. Das weiß niemand mehr so genau. Sicher aber ist, dass in seinem Luxusauto viele tausend Pfund einfach so herumlagen wie bei unsereinem Einkaufstaschen, Regenschirme oder Bonbonpapierchen. Da wollten die neugierigen Ordnungshüter natürlich wissen, warum der berühmte Fußballer so viel Geld dabei hatte. Seine Antwort: "Weil ich reich bin, Mann."

Genauso verhält es sich mit den Ablösesummen, die in diesem Sommer mal wieder so großzügig gezahlt werden. Da blättert Leicester City, der 14. in Englands Premier League, für Shinji Okazaki von Mainz 05 mal eben elf Millionen Euro auf den Tisch. Der Mainzer Manager Heidel kann sich vor Freude kaum auf den Beinen halten, weil Schalke für seinen ehemaligen Mittelfeldspieler Johannes Geis auch noch zehn Millionen Euro zahlt, nur damit der angeschossene Sportvorstand Horst Heldt bei der Klubversammlung in Gelsenkirchen den aufgebrachten Anhang mit einer guten Nachricht besänftigen kann.

Die Krone in diesem heißen Sommer der Aufgeregten gebührt aber wieder Manchester City, das gar nicht so viel Geld ausgeben kann, wie der Besitzer Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan aus Abu Dhabi in den Klub karrt. Damit auch jeder merkt, wie reich die Jungs bei City sind, haben sie auf den Einkaufsbummel des Lokalrivalen Manchester United, der sich unter anderem den deutschen Nationalmannschaftskapitän Bastian Schweinsteiger leistete, angemessen reagiert. Sie machten Raheem Sterling vom FC Liverpool zum teuersten englischen Fußballer aller Zeiten. 69 Millionen Euro haben sie sich die zweifelhafte Ehre kosten lassen, ManUnited in dieser Kategorie hinter sich zu lassen. Balotelli wird sich möglicherweise ärgern, schon 2010 zu City gewechselt und 2013 zum AC Mailand weitergezogen zu sein. Aber es gibt noch Hoffnung, denn heute steht er beim FC Liverpool unter Vertrag (siehe Sterling). Scheich Mansours berühmte Scouting-Abteilung könnte ihn ja wiederentdecken. Sie hat es in Nordengland schließlich nicht so weit.

Der Wahnsinn grassiert freilich nicht nur auf der britischen Insel, dort allerdings besonders heftig. Auch in Spanien wird mit tollen Summen spekuliert. Die mit Abstand tollste ist die festgelegte Ablösesumme für Cristiano Ronaldo von Real Madrid. Eine Milliarde Euro hat der Klub aufgerufen. Das ist königlich. Vielleicht weckt es den Ehrgeiz des Scheichs.

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Quelle: RP
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