Afrika-Cup im Visier des Terrors: Rebellen kündigen weitere Anschläge an
zuletzt aktualisiert: 09.01.2010 - 14:56Luanda/Düsseldorf (RPO). Nach der Attacke auf den Bus der togolesischen Nationalmannschaft im Vorfeld des Afrika-Cups steht ein ganzer Kontinent unter Schock. Doch der Angriff auf die togolesische Delegation soll nur der Anfang gewesen sein.
Die bewaffnete Armee der "Befreiungsfront für die Unabhängigkeit von Cabinda (FLEC)" kündigte weitere Anschläge an. "Diese Operation war nur der Anfang einer Serie von zielgerichteten Aktionen in der gesamten Region Cabinda", hieß es in einem Bekennerschreiben. Auch auf den Afrika-Cup sollten weitere Anschläge verübt werden.
"Der afrikanische Fußball-Verband ist seit langem gewarnt, dass sich dieses Land in einem Krieg befindet. Sie besaßen die Dokumente, aber sie haben die Warnungen ignoriert. Nun müssen sie dafür bezahlen", hieß es weiter.
Die Exklave Cabinda, ehemals Portugiesisch-Kongo, wird durch einen Landstrich der Demokratischen Republik Kongo vom angolanischen Staatsgebiet getrennt. Auf einem Gebiet von der Größe Puerto Ricos leben in der ölreichen Region am Atlantik schätzungsweise 300.000 Menschen.
Bei dem Anschlag wurden zwei Menschen getötet. Ein Mitglied der afrikanischen Fußball-Konföderation CAF erklärte am Samstag in Cabinda, es handele sich um den Assistenztrainer des Teams und den Pressesprecher. Vorherige Berichte, beim Rebellenangriff auf den Fahrzeugkonvoi in der angolanischen Exklave sei ein Busfahrer getötet worden, seien falsch.
"Abolo Amelete und Stanislas Ocloo sind um vier Uhr am frühen Morgen verstorben", sagte Kodjo Samlan, der für Togos Mannschaft zuständige Sprecher der afrikanischen Fußball-Konföderation CAF.
Die WM-Generalprobe beim Afrika-Cup in Angola wird trotz der schrecklichen Ereignisse planmäßig über die Bühne gehen. Ob die bis ins Mark erschütterten Spieler Togos am Turnier teilnehmen, stand jedoch am Samstag in den Sternen.
Nach dem Angriff der Rebellen zeigte das Staatsfernsehen den Starstürmer Emmanuel Adebayor völlig verschreckt und in Tränen aufgelöst. Vor dem Krankenhaus, in dem zwei Spieler und sieben Betreuer der togolesischen Delegation behandelt werden, tröstete Afrikas Fußballer des Jahres von 2008 seine Mitspieler.
"Viele wollen nach Hause"
"Niemand ist bereit, hier sein Leben zu riskieren. Sie haben gesehen, wie ein Mitspieler mit einer Kugel im Körper schrie, dann bewusstlos wurde und das alles", sagte Adebayor: "Ich glaube, dass viele Spieler nach Hause wollen." Sofern nicht sofort die Sicherheit gewährleistet werde, sei die Konsequenz die umgehende Abreise.
Sein Teamkollege Thomas Dossevi lieferte eine eindringliche Schilderung des Vorfalls an der Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Cabinda, einem von vier Austragungsorten des 27. Kontinentalturniers. "Wir wurden beschossen wie Hunde. Die Angreifer waren bis an die Zähne bewaffnet. Alle versteckten sich 20 Minuten lang unter den Sitzen. Es war schrecklich."
Der angolanische Busfahrer wurde getötet. Verletzt wurden Torhüter Kodjovi Obidale vom französischen Amateurklub GSI Pontivy und Verteidiger Serge Akakpo vom rumänischen Klub FC Vaslui. Der Zustand Obidales, der von einer Kugel in den Rücken getroffen wurde, soll sehr kritisch sein.
Bayer Leverkusen konnte nach einer Nacht der Ungewissheit dagegen aufatmen, denn Abwehrspieler Assimiou Toure überstand den Angriff unversehrt. "Er ist körperlich nicht verletzt. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut", sagte Pressesprecher Dirk Mesch. Verletzt wurden dagegen sieben weitere Delegationsmitglieder, unter ihnen angeblich der Vizepräsident des togolesischen Verbandes und der Torwarttrainer.
Angola verschärft Sicherheitsvorkehrungen
Die angolanische Regierung, die sich zunächst überfordert gezeigt hatte, will nun die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Afrika-Cup drastisch verschärfen. "Wir garantieren, alle Maßnahmen zu ergreifen, um Schutz und Unversehrtheit aller Mannschaften, Fans, Betreuer und Touristen zu gewährleisten", sagte Sportminister Goncalves Muandumba.
Eine Abordnung der afrikanischen Fußball-Konföderation CAF reiste am Samstag nach Cabinda, um die Togolesen zum Bleiben zu bewegen. Eine Absage des Turniers hatte die CAF fast reflexartig abgelehnt. "Das Turnier findet statt", teilte der Verband mit. Am Sonntag soll der Afrika-Cup mit dem Duell zwischen Angola und Mali eröffnet werden. Am Freitagabend hatte die CAF den Anschlag völlig falsch eingeschätzt: Ein Reifenplatzer habe die Spieler verängstigt, hieß es zunächst.
Das Organisationskomitee des Afrika-Cups (COCAN) erhob am Samstag schwere Vorwürfe gegen die togolesische Delegation. "Die Regeln waren eindeutig: Kein Team sollte mit dem Bus anreisen. Ich weiß nicht, was Togo bewogen hat, es trotzdem zu tun", sagte Virgilio Santos, Mitglied des COCAN: "In der Stadt hätte es diesen Vorfall niemals gegeben." FIFA-Präsident Joseph S. Blatter sprach den Opfern seine "allerhöchste Anteilnahme" aus und forderte einen ausführlichen Bericht an.
Mit Entsetzen reagierte der ehemalige togolesische Nationaltrainer Otto Pfister auf den Anschlag. "Das war ein echter Schock für mich. Eine ganz bittere Sache, unglaublich", sagte der Afrika-Experte, der Togo während der WM 2006 in Deutschland betreute.
Der 72-Jährige befürchtet, dass der Angriff einen Schatten auf die WM in Südafrika werfen wird. "Klar wird das jetzt direkt auf die WM projiziert. Das ist ein echter Schlag für Afrika. Die Kritiker werden Oberwasser bekommen."
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