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Regelrevolution
Kopfballverbot für Nachwuchsfußballer in den USA

Regelrevolution: Kopfballverbot für Nachwuchsfußballer in den USA
Kopfballduelle wird es in der USA zukünftig nur noch selten geben. US-Nachwuchsfußballer dürfen bis zum elften Lebensjahr nicht mehr köpfen - das hat der Verband entschieden. FOTO: dpa, dbo fdt
Mit einer außergewöhnlichen Regeländerung will der US-Verband seine Jugendspieler vor Verletzungen schützen: Kopfbälle sind teilweise verboten, und auch die Wechselregel soll angepasst werden.

Eigentlich gehören Kopfbälle zum Fußball wie die Torpfosten und der Mittelkreis. Das ist seit jeher bekannt, und so mancher Profi hat sich im Laufe seiner Karriere sogar den Status eines "Kopfballungeheuers" erarbeitet. Damit soll nun aber Schluss sein - zumindest in den USA. Der US-Verband (USSF) stellte eine umfassende Regeländerung vor, und das, wie der Verband betont, zum Wohle der Gesundheit der Spieler.

"Wir führen Regeln und Parameter ein, um die Gefahr von potenziellen Kopfverletzungen einzudämmen", sagte USSF-Chefmediziner George Chiampas. Konkret beinhaltet die Änderung: Bis einschließlich des zehnten Lebensjahres sind Kopfbälle gänzlich verboten, und Fußballer zwischen elf und 13 Jahren dürfen zumindest im Training nicht köpfen.

Auch die Wechselregel wird angepasst: Wenn ein Spieler aufgrund einer Kopfverletzung ausgewechselt werden muss, belastet dieser Wechsel nicht das Kontingent des Trainers - er hat also weiterhin alle drei Wechsel zur Verfügung. Zudem kann der betroffene Spieler wieder eingewechselt werden, sobald er wieder fit ist.

Chiampas betonte, die Regeländerung sei das Resultat einer Langzeitstudie des US-Verbandes: "Die Forschung über Schädel-Hirn-Verletzungen im Jugendfußball entwickelt sich weiter, und das sollten auch die Regeln", sagte er. Den Stein ins Rollen brachten allerdings einige besorgte amerikanische Eltern und Spieler, die im August 2014 eine Sammelklage einreichten und den Verband dabei der "Fahrlässigkeit bei der Behandlung und im Umgang mit Kopfverletzungen" bezichtigten.

Der USSF reagierte - auch wenn er betonte, die Regeländerung hänge nicht mit der Klage zusammen, da man "schon lange zuvor" mit Forschungen und Planungen zu diesem Thema begonnen habe. "Mit den jüngsten Entwicklungen haben wir unser Primärziel erreicht. Deshalb sehen wir keinen Anlass, den Rechtsstreit fortzuführen", sagte Anwalt Steve Berman, der die Kläger vor Gericht vertrat.

Der USSF orientiert sich damit an den anderen großen Sportarten, die im Umgang mit Kopfverletzungen höchst sensibel sind. In den Profiligen NFL (Football), NHL (Eishockey) oder NBA (Basketball) müssen betroffene Spieler lange Tests absolvieren, ehe sie wieder am Spielbetrieb teilnehmen dürfen.

Langzeitstudien belegen, wie gefährlich Kopfverletzungen sind - die Boston University hat erst im September bei einer Untersuchung von Gehirnen verstorbener Ex-Footballer in fast allen Fällen die chronische traumatische Enzephalopathie (CET) nachgewiesen. Auch im Fußball kann die Summe der Kopfbälle über Jahre zu Schäden führen - das belegen entsprechende Forschungen.

Der präventive Entwurf des US-Verbandes kann daher sicherlich helfen, auch wenn Neurologe Dr. Dietmar Schäfer jüngst in der Bild sagte: "Akute Kopfverletzungen beim Fußball sind eher die Folge von Zusammenstößen oder eines Aufpralls auf den Torpfosten. Denn ein anderer Knochen oder das Alu-Profil geben beim Kontakt mit dem Kopf weniger nach als ein Fußball." Und in einem solchen Fall schützt auch keine Regeländerung mehr.

(sid)
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