| 19.06 Uhr

Ehemaliger Weltfußballer
Ronaldinho ist nur noch eine Werbefigur

Diese Brasilianer wechselten in die Heimat
Diese Brasilianer wechselten in die Heimat FOTO: AP
Orlando. Bayer Leverkusen und der FC Schalke 04 werden seinen Auftritt nicht mehr mitbekommen. Wenn Ronaldinho am Samstag in Orlando aufschlägt, sind die beiden Bundesligisten, die sich in Florida auf die Rückrunde vorbereiten, wieder zu Hause. Seine Ankunft wird bereits mit Spannung erwartet, weil der Klub Fluminense im Sonnenstaat mit einem Fußballer wirbt, der längst nicht mehr zum Verein gehört. Von Stefanie Sandmeier

Erst im Juli des vergangenen Jahres hatte der Weltmeister von 2002 einen Vertrag bis 2016 unterschrieben. Nach nur elf Wochen wurde der Kontrakt wieder aufgelöst. Seine Bilanz: Neun Spiele, kein Tor, keine Vorlage. Wirklich böse war man dem 35-Jährigen aber nicht. Die kurze Liaison hat sich für Fluminense nämlich trotzdem bezahlt gemacht. Von einer freundschaftlichen Trennung "in beiderseitigem Einvernehmen" ist die Rede, wenn man mit Vertretern des Vereins spricht. Der Erstligist aus Rio erklärte unlängst selbst auf seiner Internetseite: "Die Verpflichtung erfüllte in Bezug auf Marketing alle Vorstellungen, denn Ticketnachfrage, der Verkauf von Trikots und die Zahl der Vereinsmitglieder sind gestiegen."

"Ronaldinho zieht viele Fans an"

Ein ehemaliger Weltstar als verkaufsförderndes Instrument. Insofern war niemand sonderlich traurig darüber, dass der Veranstalter des Florida-Cups auf die Einhaltung der Verträge beharrt, die für einen USA-Aufenthalt (mit Ronaldinho) abgeschlossen wurden. Sein Name ist noch immer groß – obwohl es seine fußballerischen Qualitäten schon lange nicht mehr sind. Wenn der Mann mit den langen Haaren, den schiefen Zähnen und dem markanten Lachen in Orlando ankommt, werden sich die Menschen um Fotos mit ihm reißen. Fluminense garantiert das Beachtung. Also hat der Verein ihn noch einmal mit einem Vertrag für zwei Spiele ausgestattet. Der 35-Jährige wird am Vorabend der ersten Partie, die am Sonntag stattfindet, zum Team dazustoßen, das sich in den USA vorbereitet. "Das Interesse, ihn mit Fluminense spielen zu sehen, wird groß sein. Ronaldinho zieht viele Fans an", sagt ein Sprecher des Klubs. "Wir sehen diese Verbindung zwischen Ronaldinho und dem Klub als eine großartige."

Nicht alle Spieler sind glücklich damit. Trainer Edurardo Baptista betonte indes: "Er wird uns hier nicht stören. Er muss auch kein ganzes Spiel absolvieren. Dass er dabei, ist vielmehr eine Wertschätzung für das, was er für den Weltfußball geleistet hat." Der beste Fußballer der Welt war er zwischen 2003 und 2005, mit einem Gefühl für den Ball wie wohl kein Zweiter. Mit 21 ging er nach Europa, zu Paris St. Germain. Dann zum FC Barcelona. Er war Weltfußballer 2004 und 2005, er war seinerzeit der am bestbezahlte Profi, er engagierte sich bei den Vereinten Nationen. Dann begann der Abstieg. Zu viel Nachtleben, zu viele Partys, zu wenig Training. 2011 verließ er die europäische Bühne, wechselte vom AC Mailand zu Flamengo nach Brasilien. Vier langfristige Verträge hat er bei unterschiedlichen Klubs unterschrieben, die alle kurzfristig beendet wurden. Seither begleitet ihn ein schlechter Ruf. Er verdient weiterhin sehr viel Geld für eine Show, die längst keine mehr ist.

Jedenfalls keine sportliche.

Quelle: RP
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