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Blatter-Nachfolge
Platini, Prinz Ali oder Mister X

Sepp Blatter: Mögliche Nachfolger des Fifa-Präsidenten
FOTO: afp, AMD/JM/tlr
Zürich. Platini, Zico, Prinz Ali Bin Al-Hussein, Chung Mong Joon, Issa Hayatou, Michael van Praag – oder doch jemand ganz anderes: Einen Tag nach der Rücktrittsankündigung Blatters werden potenzielle Nachfolger ins Spiel gebracht.

Einen Tag nach der überraschenden Rücktrittsankündigung von Fifa-Präsident Sepp Blatter haben die umstrittenen künftigen WM-Gastgeber Russland und Katar bekräftigt, die Turniere wie geplant auszurichten. Der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow, sagte am Mittwoch, Russland setze seine Vorbereitungen für die WM 2018 fort. Auch Katar beharrte darauf, die WM auszurichten. Derweil brachten sich potenzielle Nachfolger für Blatter in Stellung.

Die Fifa wird vom schwersten Korruptionsskandal seit ihrer Gründung vor 111 Jahren erschüttert. Am Dienstagabend hatte Blatter seinen Rücktritt angekündigt, nur vier Tage nach seiner Wiederwahl vergangene Woche. Über die Beweggründe wird gerätselt. Medienberichten zufolge sollen US-Behörden Ermittlungen gegen Blatter aufgenommen haben.  US-Justizministerin Loretta Lynch lehnte es ab, mitzuteilen, ob gegen den Fifa-Präsidenten ermittelt werde.

Fotos: Sepp Blatter: 17 Jahre an der Spitze der Fifa FOTO: dapd, Alessandro Della Bella

Vergangene Woche waren vor dem Fifa-Kongress in Zürich sieben Fußball-Funktionäre auf Antrag von US-Behörden wegen Korruptionsverdacht festgenommen worden. Sie gehören zu insgesamt 14 Verdächtigen, gegen die in den USA wegen Korruption ermittelt wird.
Darüber hinaus ermitteln die Schweizer Behörden wegen Bestechungsvorwürfen im Zusammenhang mit der Vergabe der Weltmeisterschaften nach Russland und Katar.

Peskow sagte, bezüglich der WM 2018 würden alle Pläne umgesetzt und die Arbeiten ausgeführt. Zwölf Stadien werden derzeit gebaut oder sind bereits fertig. Der Präsident des Fußballverbands von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa Al Thani, sagte, sein Land begrüße die Schweizer Ermittlungen bezüglich der WM-Vergaben 2018 und 2022.

Australien kritisierte die Vergabe der WM an Katar. Das Verfahren 2010 sei nicht sauber gewesen, schrieb der Vorsitzende des australischen Fußballverbands, Frank Lowy. Das Land hatte bei der Vergabe im Dezember 2010 nur eine Stimme bekommen.

Pressestimmen: "Welch herrlicher Tag!" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Interpol sucht Warner

Interpol schrieb sechs Verdächtige im Fifa-Korruptionsskandal zur Fahndung aus, darunter den früheren Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner aus Trinidad. Sie seien auf die Liste der am meisten gesuchten Personen gesetzt worden. Neben Warner ist das frühere Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees Nicolas Leoz aus Paraguay betroffen. Gesucht werden zudem Alejandro Burzao sowie die Brüder Hugo und Mariano Jinkis aus Argentinien.

Sie sollen zusammen mehr als 100 Millionen Dollar an Schmiergeldern für Medien- und Verwertungsrechte an Fußballturnieren gezahlt haben. Auf der Interpol-Liste steht darüber hinaus der brasilianische Rundfunkmanager Jose Margulies. Ex-Vizepräsident Warner hatte sich in seinem Heimatland Trinidad und Tobago der Justiz gestellt, kam aber gegen eine Kaution von umgerechnet rund 360.000 Euro auf freien Fuß.

Derweil stritt Südafrika ab, zehn Millionen Dollar Bestechungsgelder gezahlt zu haben, um sich die WM 2010 zu sichern. Sportminister Fikile Mbalula sagte, die Zahlung sei legal gewesen, um die Entwicklung des Fußballs in der Karibik zu fördern. Das Geld, das in einen von Warner verwalteten Fonds floss, ist Gegenstand der US-Ermittlungen.

Derweil brachten sich auch mögliche Nachfolger von Blatter in Stellung: Dazu zählt der jordanische Prinz Ali Bin Al-Hussein, der die Wahl am Freitag als einziger Herausforderer Blatters verloren hatte. Der ehemalige Fifa-Vizepräsident Chung Mong Joon sagte in Seoul, er denke darüber nach. Der brasilianische Ex-Mittelfeldstar und heutige Trainer Zico schrieb auf Facebook, er sehe keinen Grund, warum er nicht darüber nachdenken sollte, Kandidat zu werden. Als weitere Kandidaten gelten Uefa-Präsident Michel Platini, der Kameruner Issa Hayatou und der Niederländer Michael van Praag. Bis zur Neuwahl, die frühestens im Dezember stattfindet, bleibt Blatter im Amt.

Platini sagte einen für das Wochenende geplanten Krisengipfel seines Verbands in Berlin ab. Es sei besser, die Entwicklungen abzuwarten, sagte er und verwies auf die "schwer einschätzbare Natur" der US-Ermittlungen gegen Korruption in der Fifa.

(ap)
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