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Doku über Weltfußballer
Nur Ronaldos Sohn rettet den Film

Düsseldorf. Superstar Cristiano Ronaldo polarisiert wie kaum ein anderer Sportler. Eine Vielzahl von Menschen wird die Doku mit dem schlichten Titel "Ronaldo" deshalb dankend ablehnen. Viel wird darin sowieso nicht verraten. Als eigentlicher Star entpuppt sich der Sohn des Weltfußballers. Von Christoffer Kleindienst

Gleich zu Beginn des Films werden Zuschauer, die wenig Sympathien mit Ronaldo hegen, auf eine Probe gestellt. "Es gibt Leute, die mich lieben. Es gibt Leute, die mich hassen", erklärt der Profi von Real Madrid aus dem Off: "Aber das ist Teil des Erfolgs. Ich wurde dazu erschaffen, der Beste zu sein." Das sitzt! Wer auf einen demütigen Ronaldo gehofft hatte, wird enttäuscht.

Vor allem in den ersten dreißig Minuten des Werks wird mit Nachdruck an dem "Ich bin der Geilste"-Image des Superstars gearbeitet. "Das war ein großer Mensch, oder?", fragt er seinen Sohn Cristiano Ronaldo junior, nachdem ihn ein Mann auf der Straße angesprochen hatte. Sein Sohn darauf: "Ja, größer als du." Ronaldo senior kontert: "Nein, optisch größer. Aber dein Vater ist stärker." Dazu kommen Sprüche voller Pathos. Ein Beispiel gefällig? "Die Zukunft wird schon kommen. Die Gegenwart ist jetzt, das ist das Wichtigste."

"Ich habe Messi nicht als Rivalen gesehen"

Allerdings liegt die Stärke einer Doku darin, dass sie es schafft, den Zuschauer Empathie für den Protagonisten empfinden zu lassen. Nach dem hölzernen Start gelingt das im weiteren Verlauf auch den Machern von "Ronaldo". Nach dem ersten Drittel wirken die Szenen deutlich authentischer und tiefgründiger. Zum Beispiel, wenn Ronaldo über sein Privatleben spricht. Er sei eine isolierte Person, erklärt er dann: "Ich komme nach Hause und trenne mich komplett von der Welt." Er wisse, dass er am darauffolgenden Tag wieder in diese Welt hineingedrängt wird. Das sind Aussagen, die man der öffentlichen Person Ronaldo nicht zutraut.

Fotos: Ronaldo posiert mit seinem Sohn auf dem Roten Teppich FOTO: dpa, fa mb

Ebenso wie seine Sichtweise auf die Rivalität mit Lionel Messi. "Ich habe Messi nicht als Rivalen gesehen, sondern als Person, die mich zu einem besseren Spieler macht. Und umgekehrt." Privat würden die beiden auch hin und wieder miteinander sprechen, behauptet Ronaldo.

"Ein Vater ist gut genug"

Als eigentlicher Star des Films avanciert derweil Ronaldo junior. Der süße Filius des Fußball-Megastars zieht, das ist auch den Produzenten bewusst. In zahlreichen Szenen sind Vater und Sohn zu sehen. Dabei entpuppt sich Ronaldo als liebevoller Papa, der seinen Sohn zwar mit recht strenger Hand erzieht ("Du willst Torwart werden? Machst du Witze?"), aber es sich nicht nehmen lässt, den Sohn auch zur Schule zu fahren und immer wieder einen Kuss einzufordern. Die Frage nach der Identität der Mutter, die unbekannt bleibt, wird hingegen nur gestreift. Ronaldos banale Antwort: "Manche Kinder lernen weder ihren Vater noch ihre Mutter kennen. Ein Vater ist gut genug."

Dennoch: In den Szenen rund um seine Familie schneidet Ronaldo am besten ab. Er wird als Familienmensch dargestellt, der zwar von der Mutter gar nicht gewollt war, aber nun als gefeiertes Oberhaupt fungiert: Den alkoholkranken Bruder unterstützt er beim Kampf gegen die Sucht, der Mutter fehlt es sowieso an fast gar nichts – nur der Ehemann verließ sie zu früh.

Fotos: Cristiano Ronaldo – Weltfußballer, Schönling, Torjäger FOTO: afp

Eben dessen Tod nach langjährigen Alkoholexzessen scheint Ronaldo anzutreiben, als Familienmensch besser abzuschneiden. "Ich habe meinen Vater nicht wirklich kennengelernt. Ich wollte einen anderen Vater, der meine Erfolge anerkennt", erklärt er in einer Szene. Das Porträt des Vaters in Ronaldos Esszimmer, das sofort in der schicken Einrichtung auffällt, deutet dabei an, wie sehr er dem Vater nachtrauert.

Manchmal droht die Langeweile

Richtig tief in die Materie wagen sich die Macher dabei nicht. Weitaus problematischer ist jedoch, dass die Doku wenig vom Fußballer selbst zeigt. Den akribischen Sportler vermisst man in dem 93-minütigem Film fast gänzlich. Lediglich die wichtigsten sportlichen Etappen in den zwölf Monaten zwischen Anfang 2014 und 2015 sind in der Doku involviert.

Fotos: Sohn des Flüchtlings läuft mit Ronaldo ein FOTO: dpa, dcm mr

Der Fokus liegt ganz klar auf der Familie. Die Harmonie, die auf den Bildschirm projeziert wird, sorgt beim Zuschauer nach einer Weile aber vor allem für eines: Langeweile. Damit man sich zwischendurch doch noch etwas aufregen darf, werden immer wieder Ronaldo-Weisheiten aus dem Off eingespielt: "Ich werde nicht lügen: Wenn wir zwei oder drei Cristiano Ronaldos im Team hätten, würde ich mich besser fühlen. Haben wir aber nicht."

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