| 08.10 Uhr

Wahnsinn auf dem Transfermarkt
Neymar und der Gott des Geldes

Pressestimmen: "Auf Nimmerwiedersehen"
Pressestimmen: "Auf Nimmerwiedersehen" FOTO: afp
Meinung | Düsseldorf. Für die Rekord-Ablösesumme von 222 Millionen Euro wechselt Neymar vom FC Barcelona zu Paris St. Germain. Der exzentrische Star-Trainer José Mourinho findet das nicht teuer, steht damit aber ziemlich alleine da. Selbst die spanische Liga hat urplötzlich moralische Bedenken. Von Robert Peters

Führende Funktionäre im Fußball-Zirkus haben gelegentlich eine recht eigenwillige Sicht der Dinge. José Mourinho, zum Beispiel, hat zum bevorstehenden Transfer von Neymar zu Paris St. Germain diese bemerkenswerte Feststellung getroffen: "Teuer sind nur Spieler, die eine bestimmte Summe ohne eine gewisse Qualität erreichen. Neymar für 222 Millionen ist daher nicht teuer, denke ich." Wäre er für 444 Millionen Euro teuer? Die Mourinhos des Jahres 2027 würden wahrscheinlich den Kopf schütteln. Und vielleicht hat der Original-Mourinho von 2017 sogar Recht, wenn in der englischen Liga, die er als Coach von Manchester United ganz gut kennt, für gerade mal leicht überdurchschnittliche Fußballer Ablösesummen von 40 bis 50 Millionen Euro hingeblättert werden.

Vergleichsweise bodenständigen Menschen wird bei solchen Summen immer noch zuverlässig schwindlig. Christian Streich ist so ein Mensch. Er trainiert den Bundesligisten SC Freiburg, der stolz darauf ist, in der vergangenen Saison erstmals den Umsatz des gesamten Klubs auf über 70 Millionen Euro getrieben zu haben. Davon könnten nicht mal zwei komplette Jahresgehälter für Neymar gezahlt werden. Und deshalb hat Streich gesagt: "Mir ist es egal, ob er 220 oder 440 Millionen kostet. Es löst bei mir nichts mehr aus. Ich kann keine Unterscheidung mehr finden, es übersteigt meine Fähigkeit, das einzuordnen." Und seine Mahnung an all die Teilhaber dieses Geschäfts hört sich fast alttestamentarisch an. "Der Gott des Geldes wird immer größer, und irgendwann verschlingt er alles", erklärte der Trainer.

Den Wahnsinn auf dem Transfermarkt wird er damit nicht beenden. Das weiß Streich natürlich. Aber er hat zumindest darauf hingewiesen, wie weit sich die Unterhaltungsindustrie vom vermeintlich wahren Leben entfernt hat, in dem sich ihre Kundschaft befindet. Ehrenwert.

Die spanische Liga versuchte sich zum Wächter von Sitte und Anstand aufzuschwingen und Neymars Wechsel zu blockieren. Er sei mit den Regeln des Financial Fair Play nicht vereinbar, finden die Spanier. Das klingt nur ehrenwert. Moralische Bedenken haben sie nicht vorgetragen, als Cristiano Ronaldo und Gareth Bale für je rund 100 Millionen Euro zu Real Madrid und Neymar für 86 Millionen Euro zu Barcelona wechselten.

Und die Uefa, die derartige Verstöße gegen das Prinzip eines ausgeglichenen Haushalts ahnden müsste? Die Uefa schweigt und prüft. Es wäre ein Wunder, wenn Neymars Wechsel, der am Donnerstagabend von Paris als perfekt gemeldet wurde, bei dieser Prüfung kippen würde. Und Wunder gibt es vielleicht im Schlager, nicht aber im Funktionärswesen.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Neymar und der Gott des Geldes


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.