"Zeit, die Mannschaft wiederzubeleben" Real entlässt Trainer Ancelotti

Madrid · Am Ende halfen auch die warmen Worte von Weltfußballer Cristiano Ronaldo nicht mehr: Nach einer Saison ohne großen Titel hat der spanische Rekordmeister Real Madrid seinen Trainer Carlo Ancelotti vor die Tür gesetzt. Das verkündete Präsident Florentino Perez am Montag auf einer Pressekonferenz. Der Italiener besaß noch einen Vertrag bis 2016.

Real-Spieler werfen Trainer Ancelotti in die Luft
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"Es war keine einfache Entscheidung. Aber es ist an der Zeit, die Mannschaft wiederzubeleben, um neue Titel zu gewinnen. Ich danke Carlo Ancelotti für seine Arbeit in den zwei Jahren bei Real Madrid", sagte der mächtige Klubchef der Journalistenschar.

Schon seit Wochen wurde in der spanischen Hauptstadt über die Ablösung Ancelottis spekuliert, der Real im vergangenen Jahr zum Champions-League-Triumph geführt hatte. Keine zwölf Monate später ist das längst vergessen. "Ich möchte diese zwei fantastischen Jahre in Erinnerung behalten. Danke an den Klub, die Fans und meine Spieler", teilte der Italiener über Twitter und Facebook mit und beendete die Botschaft mit dem Schlachtruf der Real-Fans: "Hala Madrid".

Als heißer Anwärter auf die Nachfolge gilt nun der gebürtige Madrilene Rafael Benitez, der zurzeit den SSC Neapel betreut. Benitez würde auch eine wichtige Anforderung erfüllen, die Florentino Perez am Montagabend stellte: "Der neue Trainer sollte Spanisch sprechen." Perez erklärte, der neue Coach werde in der kommenden Woche benannt.

Ancelotti stolperte über eine Saison, in der das erfolgsverwöhnte Real mit den Weltmeistern Toni Kroos und Sami Khedira sämtliche Saisonziele verfehlte. In der Liga wurde Madrid "nur" Zweiter hinter dem Erzrivalen FC Barcleona, in der Champions League kam das Aus im Halbfinale gegen Juventus Turin, im Pokal war im Achtelfinale gegen Atletico Madrid Endstation.

Noch am Sonntag hatte Ancelotti von keinem Geringeren als Cristiano Ronaldo Unterstützung erhalten. Der Portugiese twitterte ein Foto von sich und dem Realcoach, garniert mit dem Kommentar: "Großartiger Trainer und eindrucksvolle Persönlichkeit. Ich hoffe, wir arbeiten nächste Saison zusammen."

Auch Kroos hatte stets zum Trainer gehalten und auch nach dem Aus gegen Juventus dessen Qualitäten hervorgehoben. "Ich kann nur sagen, dass er ein absoluter Top-Trainer ist", schrieb er. Nach der Entlassung meldete sich Mittelfeldstratege Kroos erneut zu Wort: "Danke. Es war eine Freude, mit ihnen zu arbeiten. Ich wünsche ihnen nur das Beste für die Zukunft."

Für den 55 Jahre alten Ancelotti kamen die warmen Worte zu spät. Schon nach dem 7:3 am Samstagabend gegen den FC Getafe am letzten Saisonspieltag der Primera Division hatte er geahnt, was kommen würde. "Ich möchte bei Real Madrid weitermachen - oder ich werde eine einjährige Pause einlegen", sagte er. Ein Sabbatjahr hatte auch Pep Guardiola nach seinem Abschied beim FC Barcelona und vor seinem Engagement beim deutschen Meister Bayern München eingelegt.

Laut Gazzetta dello Sport ist sich Benitez bereits seit der vergangenen Woche mit Real einig. Der Vertrag des 55-Jährigen bei Napoli läuft Ende Juni aus. Der ebenfalls gehandelte Dortmund-Coach Jürgen Klopp soll demnach aus dem Rennen sein.

Benitez soll den ebenfalls interessierten Vereinen FC Liverpool, Manchester City und West Ham United abgesagt haben, weil er Ancelotti bei Real beerben möchte, hieß es in Italien.

(sid)
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