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Titelkampf in Spanien
Bei Barca liegen die Nerven blank

Barca verliert gegen Valencia trotz Messis Jubiläumstor
Barca verliert gegen Valencia trotz Messis Jubiläumstor FOTO: dpa, jrp sam
Vor weniger als zwei Monaten schien die Titelverteidigung für den FC Barcelona nur noch Formsache. Barcas "MSN"-Sturm schoss die Katalanen von Sieg zu Sieg. Doch der einst komfortable Vorsprung auf die Verfolger ist dahin. Von Phillip Oldenburg

Ein halbes Jahr lang waren die Katalanen in 39 Pflichtspielen in Folge unbesiegt. Nach 29 Spieltagen thronte der FC Barcelona unangefochten an der Spitze der Primera Division. Die Verfolger Atletico Madrid und Real Madrid waren acht bzw. zwölf Punkte entfernt. Zudem war man gerade in der Champions League durch Siege gegen Arsenal ins Viertelfinale eingezogen. Kein Team wurde von den Rivalen so gefürchtet wie der spanische Fußballmeister. Dabei verbreitete vor allem der "MSN"-Sturm um Neymar, Lionel Messi und Luis Suarez Angst und Schrecken - zusammen schossen die drei 68 der 84 Liga-Tore. 

"Clasico" läutet Pleitenserie ein

Niemand rechnete damit, dass die Meisterschaft nochmal spannend werden würde - zu groß war das Selbstvertrauen in die eigene Stärke und das Selbstverständnis, mit denen die Katalanen von Sieg zu Sieg eilten. "Es gibt nur einen Klub, den ich nicht zugelost bekommen möchte, und das ist der FC Barcelona", witzelte der Barca-Coach Luis Enrique vor der Auslosung des Champions-League-Viertelfinals.

Doch innerhalb weniger Wochen hat sich der Wind kräftig gedreht. Ausgerechnet mit der Niederlage im "Clasico" Anfang April begann für Barcelona eine fast schon historische Pleitenserie.

Das jüngste 1:2 gegen Valencia war bereits die dritte Niederlage in Folge in der Primera Division für die Katalanen. Hinzu kommt das bittere Aus in der Champions League gegen Atletico Madrid. Eine schlimmere Serie hatte Barcelona zuletzt mit vier Pleiten hintereinander zwischen dem 5. und 15. April 2000 unter Trainer Louis van Gaal hingelegt. So wundert es nicht, dass die spanische Presse schon Untergansszenarien anstellt. "Barca gleicht dem Zusammenbruch von Real unter Queiroz", stellte das Sportblatt "As" fest. Unter Carlos Queiroz hatten die Königlichen 2003/2004 die letzten fünf Saisonspiele verloren und damit die Meisterschaft verspielt - Valencia holte damals den Titel.

Nutznießer der Pleitenserie könnten dieses Mal die beiden Madrider Klubs Real und Atletico sein.  Atletico liegt nur aufgrund des verlorenen direkten Vergleichs auf Platz zwei. Die "Königlichen" liegen einen Punkt hinter dem Führungsduo. "Das sieht nicht schlecht aus", sagte Real-Trainer Zinedine Zidane nach Madrids 5:1-Erfolg beim FC Getafe. Der Franzose, der seinem Team Ende Februar keine Chancen für den Titelgewinn mehr eingeräumt hatte, hat nun gar das Double im Visier. "Wir werden bis zum Schluß um die Meisterschaft und die Champions League kämpfen."

Das Selbstbewusstsein der Katalanen ist derweil arg ramponiert. "Es gibt jetzt keinen Platz für Fehler mehr", sagte Gerard Pique nach der Heimniederlage. Teamkollege Sergio Busquet konstatierte: "Wir haben einen schlechten Lauf".

Diskussionen um Neymar

Zu allem Überfluss ließ sich der Brasilianer Neymar gegen Valencia nach Schlusspfiff noch zu einer Aktion hinreißen, die ein Nachspiel haben könnte. 

Nach Abpfiff jubelten die Gäste aus Valencia ausgelassen über den Auswärts-Coup, was Neymar offenbar nicht gefiel. Der brasilianische Superstar ging auf eine Traube sich freuender Valencia-Spieler zu, darunter der deutsche Nationalspieler Shkodran Mustafi. Von hinten wischte Neymar Dani Parejo ins Gesicht. 

In den spanischen Medien wird nun debattiert, ob der Brasilianer für diese Aktion nachträglich gesperrt werden könnte. Ein ähnliches Schicksal hatte Teamkollege Luis Suarez nach dem Pokalspiel gegen Espanyol Bareclona ereilt, als er seine Gegner im Kabinengang beschimpft hatte. Der Uruguay wurde damals für zwei Spiele gesperrt. Auch im Fall Neymar soll der Tumult laut der "Marca" in den Katakomben eine Fortsetzung gefunden haben. 

Die Nerven in Barcelona liegen blank - auch wenn Trainer Enrique weiter fest an sein Team glaubt: "Wenn es eine Mannschaft gibt, die sich selbst wieder aufrichten kann, dann ist es dieses Barca." Bleibt für ihn zu hoffen, dass er am Ende Recht behält. Ansonsten wird es nichts mit Meistertitel Nummer 24.

(old)
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