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2283 Euro pro Stunde
Toni Kroos unterschreibt den Vertrag seines Lebens

Toni Kroos spricht über neuen Millionen-Vertrag
Toni Kroos spricht über neuen Millionen-Vertrag FOTO: dpa, vmo cdv mr
Madrid/München. Bis 2022 läuft sein neuer Millionen-Vertrag bei Real Madrid: Und Toni Kroos kann sich vorstellen, bei den Königlichen seine Karriere zu beenden. Nur mit der spanischen Sprache tut er sich immer noch schwer.

Toni Kroos wollte keine Fehler machen. Nicht an diesem Tag, der ein "besonderer ist für mich". Und deshalb grüßte er mit einem höflichen, einem fröhlichen "Buenos tardes a todos" in die Runde, sprach dann aber dann doch lieber auf Deutsch weiter. Über seine Gefühle, über Real Madrid, über seinen bis 2022 verlängerten Vertrag, der im Jahr mit angeblich 20 Millionen Euro brutto honoriert wird.

Das Spanische zu verstehen, versicherte er, "klappt schon ganz gut", auch "das Sprechen fällt mir immer leichter", vor allem, wenn es um Fußball gehe. "Aber gerade an so einem Tag will man auch nichts Falsches sagen, wenn man sich nicht 100 Prozent sicher fühlt." Er werde aber bald mal ein Interview auf Spanisch im vereinseigenen Fernsehen geben, versprach er, auch da verfahre er nach der Devise: "Schritt für Schritt."

Bestverdienender deutscher Fußballer

Da saß Kroos also, gekleidet in einen dunkelblauen Anzug, weißes Hemd, dunkelblaue Krawatte, er sah aus wie und klang wie ein (deutscher) Geschäftsmann, der gerade das Geschäft seines Lebens abgeschlossen hat. Umgerechnet 2283 Euro pro Stunde wird er bis zum Ende seines Sechsjahresvertrages kassieren. Nach Berichten spanischer Medien avanciert der gebürtige Greifswalder durch die Verlängerung hinter Megastar Cristiano Ronaldo zu einem der bestbezahlten Profis der Königlichen. Und er überhole auch seine Nationalmannschaftskollegen Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger und Ilkay Gündogan, hieß es.

Aber über Geld redet man nicht, man hat es, deshalb sagte Kroos vor allem, wie wunderbar das alles sei in Madrid und natürlich bei Real. "Ich bin sehr glücklich beim besten und größten Verein der Welt", versicherte er. Er habe schon zwei "tolle" Jahre in Madrid gehabt, nun hoffe er, "dass ich noch viele weitere habe". Es sollen sechs werden, er habe sich das gewünscht, der Verein habe sich das gewünscht, berichtete Kroos.

Ob er vielleicht für immer bei Real bleiben werde, wollten die Spanier wissen. "Vielleicht" gehe er bei Real in Rente, erwiderte Kroos, wenn der neue Vertrag auslaufe, sei er ja schon 32 Jahre alt. Und weil er dereinst mal "auf einem absoluten Top-Nivau aufhören will", müsse er sich schon überlegen, ob und wie es nach 2022 weitergehe, denn das Top-Niveau "kann ich mir mit 36 nicht mehr vorstellen".

Zunächst aber genießt er eine Wertschätzung, die ihresgleichen sucht. "Ich habe mich vom ersten Tag in Madrid sehr wohl gefühlt und in meiner Entscheidung bestätigt gefühlt", erzählte Kroos, "von daher gab es keinen anderen Gedanken als Real Madrid, und ich bin sehr froh, dass Real es mehr als genauso gesehen hat." Vor zwei Jahren sahen sie beim FC Bayern alles mehr als ein bisschen anders - ein Irrtum.

Neben Kroos saß ein stolzer Emilio Butragueno, Ikone der Königlichen, offiziell Direktor für internationale Beziehungen, der oberste Botschafter des Klubs. Kroos werde bewundert, sagte "El Butre" (der Geier) mit ein wenig Pathos in der Stimme, er erwähnte, dass viele Vereine Kroos, einen "der besten Mittelfeldspieler der Welt", gerne hätten, "aber wir haben ihn, und wir sind froh, dass wir diesen Vertrag gemacht haben".

Kroos wiederum ist auch froh, dass nicht nur er sich in Madrid wohlfühlt, sondern auch seine Familie. "Wenn meine Frau hier todunglücklich wäre", sagte er, "hätte ich es natürlich berücksichtigt." Musste er nicht. Und bei der nächsten Vertragsverlängerung dürfte es dann auch mit dem Spanischen klappen.

"Toni lässt die anderen glänzen"

Das spanische Fernsehen erhob Kroos unterdessen zu "Senor Constancia" (Herr Konstanz): Die Zahlen des Deutschen sprechen Bände: Er schießt kaum Tore (in 108 Pflichtspielen für Real traf er nur vier Mal), mit über 90 Prozent gut gespielter Pässe gilt er als bester Zuspieler der La Liga. Oder wie Real-Trainer Zinedine Zidane sich ausdrückt: "Toni sorgt dafür, dass die anderen glänzen."

Hast du bei Real noch eine offene Rechnung?, wurde der Spieler von einer spanischen Journalistin gefragt. "Na ja, das liegt ja auf der Hand: Die spanische Liga habe ich noch nicht gewonnen, diese Saison können wir das schaffen, aber der Weg dahin ist sehr lang."

Nach ihm stehen bei Real nun weitere Vertragsverlängerungen an: Ronaldos Kontrakt läuft nur bis 2018, Bales bis 2019. Für viele ist aber Kroos der Garant des Erfolgs der nächsten Jahre: Bayern-Vorstandschef "Karl-Heinz Rummenigge wird es inzwischen sehr bereuen, die Gehaltsforderungen von Kroos im Sommer 2014 nicht erfüllt zu haben", schrieb die Madrider Sportzeitung "AS".

(sid/dpa)
 
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