Real Madrid in der Krise: Ultimatum für Bernd Schuster
VON CHRISTOPH DE GROOT - zuletzt aktualisiert: 13.11.2008 - 10:43Madrid (RP). Der deutsche Trainer steht bei Real Madrid mächtig unter Druck. Der große Klub schied gegen den Drittligisten Irun aus dem Pokal aus. Spanische Medien melden, dass bereits Nachfolger bereitstehen.
Madrid. Christoph Metzelder ist Vize-Weltmeister und erlebte das deutsche Sommermärchen 2006 als Hauptdarsteller. Selbst die wenig überzeugende Europameisterschaft in diesem Jahr schloss der Verteidiger mit einem glänzenden Ergebnis ab. Er wurde mit Jogi Löws Team Zweiter.
Vielleicht wird er bald eine neue Rolle kennenlernen, die des Sündenbocks bei Real Madrid. Sein deutscher Trainer Bernd Schuster hat den Verteidiger bislang nur im nationalen Pokal auf den Rasen geschickt.
Und dort handelten sich Metzelder und seine teuren Kollegen nun eine riesige Blamage ein. Sie schieden gegen den Drittligisten Real Union Irun aus. Das Hinspiel gewann der Außenseiter mit 3:2, im Rückspiel reichte ein 3:4.
Sechs Gegentreffer gegen ein drittklassiges Team stellen der Abwehr ein niederschmetterndes Zeugnis aus. Das muss Metzelder beschäftigen, aber natürlich auch seinen Chef. Michel Salgado, ebenfalls hauptberuflich in der Defensive beschäftigt, schob jedenfalls den Schwarzen Peter schon mal eilfertig auf Schusters Tisch. „Wenn der Trainer nicht weiß, was in der Abwehr vor sich geht, dann müssen wir es ihm halt erklären“, sagte er.
Über die Gesetze des Geschäfts muss er Schuster allerdings nicht aufklären. Der einst als „blonder Engel“ vor allem in Madrid und Barcelona hochverehrte Spieler steckt als Trainer des spanischen Meisters in seiner ersten schweren Krise. Seine Mannschaft hat in der Champions League zweimal gegen Juventus Turin verloren.
In der Meisterschaft reichte es gegen das Durchschnittsteam Malaga zu Hause gerade mal zu einem 4:3. Real ist auf Rang vier zurückgefallen, spielt unbefriedigenden Fußball und muss sich gefallen lassen, dass sein eigenes Publikum gegnerische Spieler feiert – wie zuletzt Alessandro del Piero von Juventus.
So etwas wird dem Trainer angekreidet – überall auf der Welt. Schuster nimmt das äußerlich sehr gelassen zur Kenntnis. „Ich bin nicht besorgt über meine Zukunft“, sagt er, „ich kann es aber verstehen, wenn es andere sind. Ich habe auch Verständnis dafür, dass andere Zweifel an meiner Arbeit haben.“
Nach Erkenntnissen spanischer Medien gehören zu dieser Gruppe Schusters direkte Vorgesetzte. Es heißt, dem deutschen Trainer sei ein Ultimatum gesetzt worden. Wenn er nicht am Samstag bei Real Valladolid einen Sieg feiern kann, werde er abgelöst.
Nachfolge-Kandidaten sind Miguel Angel Portugal, zurzeit Technischer Direktor bei Real, und Juande Ramos, der zuletzt bei Tottenham Hotspur in der englischen Premier League arbeitete. Schuster hatte die Mannschaft 2007 übernommen und auf Anhieb zur Meisterschaft geführt.
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