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Vierter Clasico auf der Bank
Flüchtet ter Stegen zu Guardiola?

Foto-Porträt: Das ist Marc-Andre ter Stegen
Foto-Porträt: Das ist Marc-Andre ter Stegen FOTO: afp, JL/ql
Düsseldorf. Die großen Emotionen gibt es bereits vor dem Anpfiff. Wenn 90.000 Fans eine Minute lang schweigen oder applaudieren. Wenn das Camp Nou in Barcelona die verstorbene Legende Johan Cruyff mit einem aus Papptafeln gebildeten Mosaik ehrt und dazu ein Videofilm mit Höhepunkten seiner Karriere gezeigt wird. Von Andreas Reiners

Auch sportlich hat der 264. Clasico am Samstag zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid kaum etwas von seinem Reiz eingebüßt. Auch wenn die beiden Erzrivalen in der Meisterschaft acht Spieltage vor Schluss zehn Punkte trennen. Zu den Emotionen kommen schließlich noch Prestige, die auf den Rängen und dem Platz gelebte Rivalität. Und eine mögliche neue Bestmarke: Lionel Messi steht vor seinem 500. Pflichtspieltreffer für die Katalanen. "Wir wollen den Clasico gewinnen und Cruyff widmen", sagte Barcas Mittelfeldspieler Andres Iniesta.

Marc-Andre ter Stegen wird das ganze Spektakel wohl wieder mal auf der Bank erleben. Es wäre der inzwischen vierte Clasico seit seinem Wechsel im Sommer 2014, bei dem er nur die Zuschauerrolle einnimmt. Das Duell mit den Königlichen steht dabei exemplarisch für die Situation des gebürtigen Gladbachers, die sich seit fast zwei Jahren nicht verändert hat: Sein Rivale Claudio Bravo spielt in der Liga, ter Stegen in den Pokalwettbewerben.

Triple-Sieg als Trost für ter Stegen

Ter Stegen und Pique sehen Barca-Sieg gegen Bamberg FOTO: afp

Klar, es könnte Schlimmeres geben, gewann ter Stegen mit Barca in der vergangenen Saison doch das Triple und war an zwei Titeln immerhin maßgeblich beteiligt. Doch dem 23-Jährigen reicht das freilich nicht, dafür ist der Nationaltorhüter zu ehrgeizig. Und zu jung, um sich mit einem "Jobsharing" zufrieden zu geben. FC Barcelona hin oder her. Und langsam aber sicher verliert er die Geduld.

"Am Ende der Saison werde ich ungefähr 25 Spiele gemacht haben. Das ist nicht wenig, aber wenn ich vom DFB zurückkehre, werde ich in der Liga beim Clásico gegen Real Madrid wahrscheinlich wieder auf der Bank sitzen", hatte ter Stegen vor seinem fünften Länderspiel gegen Italien am vergangenen Dienstag in diversen Interviews erklärt: "Auf Dauer sind diese 25 Spiele pro Saison nicht genug für mich." Insgesamt sind es seit seinem Wechsel 41 Pflichtspiele, sein knapp zehn Jahre älterer Konkurrent kommt in diesem Zeitraum auf 66 Einsätze.

Ter Stegen hält Elfmeter von Dzeko FOTO: afp, JL/seb

Als Nummer zwei mit zur EM?

Dafür waren für ter Stegen die 90 Minuten im DFB-Trikot umso wertvoller. "Weil ich im Verein die Situation habe, so wie sie ist. Da freut man sich immer wieder, wenn man mehr Spielzeit bekommt. Und auf so einem Niveau ist es umso besser", meinte ter Stegen. Auch wenn er es in der Rolle als mitspielender Torhüter manchmal übertrieb und nicht die absolute Sicherheit ausstrahlte. Ein Lob vom Bundestrainer gab es trotzdem. Dass er im Idealfall als Nummer zwei hinter Manuel Neuer nach Frankreich reisen wird, damit kann ter Stegen problemlos leben. Ganz im Gegensatz zur Situation im Verein.

Der Ton ter Stegens, der in der Vergangenheit eher diplomatisch auf die für ihn unbefriedigende Situation reagierte, wird deshalb eine deutliche Spur "rauer", ungeduldiger. Er kokettiert nicht nur unterschwellig und zwischen den Zeilen mit einem Wechsel, sondern kündigt offensiv Gespräche im Sommer an.

"Der Trainer entscheidet, und er wird seine Gründe haben. Ich möchte den nächsten Schritt machen und mehr spielen. Deswegen ist die Situation klar: Wenn sich nichts ändert, müssen wir zwangsläufig reden. Im Fußball geht es manchmal sehr schnell", erklärte er. Ter Stegen kennt das Geschäft, die Mechanismen und weiß, dass manchmal bereits Andeutungen reichen, um gewisse Rädchen in Gang zu setzen.

Nur kurz nach seinen Aussagen kochte die Gerüchteküche dann auch nicht mehr nur auf Sparflamme, sie brodelte. Nicht nur Jürgen Klopp und der FC Liverpool seien an ihm interessiert, sondern auch Pep Guardiola und Manchester City, hieß es in englischen Medien. Zu weit aus dem Fenster lehnen wollte sich ter Stegen letztendlich aber auch nicht.

Über eine ebenfalls mögliche Rückkehr in die Bundesliga macht sich ter Stegen nach eigener Aussage "noch keine Gedanken. Dafür ist es zu früh. Wir spielen mit Barcelona jetzt in der Liga gegen Real und in der Champions League gegen Atlético, das zählt. Danach sehen wir, wie der Verein mit mir plant."

(are)
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