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Mächtiger Spielerberater
Raiola macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt

Spielerberater: Mino Raiola macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt
Mino Raiola auf einer Pressekonferenz in Nizza. FOTO: dpa, oa ay
Spielerberater Mino Raiola vertritt millionenschwere Fußballer. Seine Machenschaften gelten als zwielichtig, doch seine Klienten vertrauen dem Italiener ihre wertvollen Karrieren an.

Zu Vertragsverhandlungen erscheint Mino Raiola gerne in Kapuzenpulli und Sneakern, wahlweise auch in Badelatschen. Millionenschwere Karrieren wie die von Superstar Zlatan Ibrahimovic liegen in seinen Händen, doch äußerlich passt der Spielerberater nicht in die Welt der schnellen Autos und protzigen Uhren. Dennoch gehört er zu den mächtigsten Männern der Fußballwelt. Mit seinen kompromisslosen Verhandlungstaktiken tanzt der gedrungene Italiener mit Kugelbauch den Klub-Chefs auf der Nase herum.

Bei Kollegen in der Branche erntet er für seine geschäftliche Kreativität wenig Bewunderung. "Wenn ich davon lese, dass Mino Raiola in einem Jahr rund 42 Millionen Dollar verdient, dann bringt das natürlich unsere Branche ins Zwielicht", sagte Spielerberater Jörg Neblung dem SID.

Ex-Machester-United-Boss Sir Alex Ferguson bezeichnete den Vorstandschreck erst kürzlich als "Scheißkerl", weil dieser das französische Talent Paul Pogba 2012 zu einem ablösefreien Wechsel zu Juventus Turin überzeugt hatte. Dass eben dieser für eine Rekordsumme von 105 Millionen Euro im Sommer 2016 wieder zurück nach England wechselte, spiegelt Raiolas Gerissenheit wieder.

Seine Trickkiste ist groß. Als der damalige Ajax-Spieler Ibrahimovic 2004 zu Juventus wechseln wollte, soll Raiola den heutigen Superstar vom Training ferngehalten haben, um einen Transfer zu erzwingen. Dortmund-Chef Hans-Joachim Watzke setzte er 2016 mit einer pfiffigen Klausel die Pistole auf die Brust. Hätte der BVB das Angebot aus Manchester für Henrich Mchitarjan abgelehnt, wäre Dortmund zu einer Millionenzahlung an den Berater verpflichtet gewesen. Der hatte sich mit dem Schriftsatz eine finanzielle Beteiligung auch beim Verbleib des Spielers zugesichert.

Er macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt: Das Vertragsdrama zwischen dem AC Mailand und Torwart-Talent Gianluigi Donnarumma (18) gleicht einem Musterbeispiel für die Raiola-Show. Hatte der Berater noch vor einigen Wochen erklärt, dass sein Klient auf keinen Fall verlängern werde, soll der als Nachfolger von Towartlegende Gigi Buffon gehandelte Donnarumma nun doch wieder bei Mailand unterzeichnet haben.

Mit solchen Schachzügen macht sich der in den Niederlanden aufgewachsene Italiener zwar keine Freunde, aber die Taschen voll. An dem Megatransfer von Pogba verdiente Raiola rund 50 Millionen Euro. Laut Enthüllungen von "Football-Leaks" soll sich die Summe aus den Provisionen der beiden Klubs und Geld aus Pogbas Portemonnaie zusammensetzten.

Wegen dieses Monstercoups ermittelt die FIFA jetzt gegen den Italiener. Raiola, der sein Jurastudium vorzeitig abbrach, soll als Berater beider Vereine und des Spielers im Interessenkonflikt gestanden haben. Wird Raiola finanziell zur Verantwortung gezogen, dürfte ihn das laut eigener Aussage aber nicht hart treffen: "Um ehrlich zu sein, ist mir Geld schon lange ziemlich egal." Bis zum nächsten Rekordtransfer.

Egal ist Raiola auch sein unprofessionelles Verhalten. Meist kommt er zu spät und beschimpft jeden, der nicht anständig mit seinen Spielern umgeht: "Ich habe keinen Respekt vor einem Verein, wenn der Verein keinen Respekt vor meinen Spielern hat." Konsequenzen hat sein Verhalten nicht. Raiola hat zu große Fische in seinem Spielerpool. "Wenn ich einen großen Spieler bewege, dann bewegt sich der Markt mit. Ich kreiere den Markt, weil ich die Fähigkeit dazu habe", sagte Raiola im Interview mit dem Fußballmagazin 11Freunde.

Sein Handwerk habe er in der Pizzeria seines Vaters gelernt. Dort hatte sich Raiola vor seiner Karriere um die Lieferantenverträge gekümmert und sein Verhandlungsgeschick entdeckt.

Seine Art treibt Verhandlungspartnern die Zornesröte ins Gesicht, seine Klienten fühlen sich hingegen durch sein Verhalten beschützt. "Meine Spieler sind das Zentrum, um das ich kreise", sagte der Spieler-Pate und betonte dabei den engen Zusammenhalt zu seinen Arbeitgebern: "Ich löse die Probleme meiner Klienten, wie es ein Vater täte. Ich bin ihre Familie."

(sid)
 
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