| 16.13 Uhr
Nach Terroranschlag
Togo sagt Afrika-Cup-Teilnahme ab
Terroranschlag auf Togos Mannschaftsbus
Terroranschlag auf Togos Mannschaftsbus FOTO: AP
Luanda (RPO). Togo wird nicht am Afrika-Cup in Angola teilnehmen. Nach dem Terroranschlag auf den Mannschaftsbus der Togolesen in der angolanischen Exklave Cabinda zieht der Verband seine Mannschaft zurück. Dies teilte der togolesische Minister und Regierungssprecher Pascal Bodjona am Samstagabend mit.

"Die Spieler stehen unter Schock. Deshalb hat die Regierung beschlossen, die Mannschaft zurückzurufen", sagte Bodjona: "Wir können nach diesem Drama nicht am Wettbewerb teilnehmen."

Bei dem Angriff waren Assistenztrainer Abolo Amelete und Pressesprecher Stanislas Ocloo sowie der Busfahrer getötet worden. Sieben Personen sollen zum Teil schwer verletzt worden sein.

Rückt Marokko nach?

Die kontinentale Fußball-Meisterschaft soll am Sonntag mit dem Duell zwischen Angola und Mali beginnen.

Nach den Regeln des Africa-Cups würde Marokko den frei werdenden Platz einnehmen. Es wird jedoch nicht damit gerechnet, dass das nordafrikanische Land in der aktuellen Situation diesen wahrnimmt. In diesem Fall wird die Gruppe nur aus drei Mannschaften bestehen.

"Das war Krieg"

Der tödliche Terroranschlag auf die Nationalmannschaft Togos im Vorfeld der kontinentalen Meisterschaft hat bei den Opfern Spuren hinterlassen. Togos Nationaltrainer Hubert Velud erhob nach dem Angriff schwere Vorwürfe gegen das Organisationskomitee des Afrika-Cups.

"Das war Krieg. Die Organisatoren scheinen das nicht ernst zu nehmen", sagte der Franzose, der am Freitagabend bei dem Überfall in der angolanischen Exklave Cabinda selbst von einer Kugel am Arm getroffen worden war.

Zudem sprach sich Velud für eine Absage des Turniers aus. "Sie sollten sich überlegen, den Wettbewerb abzusagen. Es ist ein Akt der Barbarei, während wir hier eigentlich den afrikanischen Fußball feiern wollten", sagte Velud. Mittelfeldspieler Alaixys Romao erklärte, Togo werde versuchen, die anderen Mannschaften der Gruppe zum Turnierboykott zu überreden.

Kapitän Emmanuel Adebayor hatte zuvor gesagt, niemand sei "bereit, hier sein Leben zu riskieren. Ich denke, dass viele Spieler nach Hause wollen. Sie haben gesehen, wie ein Mitspieler mit einer Kugel im Körper schrie, bewusstlos wurde und das alles."

Terroranschlag

Der bewaffnete Arm der "Befreiungsfront für die Unabhängigkeit von Cabinda" (FLEC) bekannte sich zu dem Anschlag und drohte weitere Aktionen an. "Diese Operation war nur der Anfang einer Serie von zielgerichteten Aktionen in der gesamten Region Cabinda", hieß es in einem Bekennerschreiben.

Cabinda sollte 1975 von der Kolonialmacht Portugal in die Unabhängigkeit entlassen werden, aber Angola besetzte das Gebiet. Seitdem kämpfen Rebellen gewaltsam für die Unabhängigkeit.

Ein Mitglied der afrikanischen Fußball-Konföderation CAF erklärte, bei dem Angriff der Rebellen-Organisation FLEC in der angolanischen Exklave Cabinda seien der Assistenztrainer sowie der Pressesprecher des Teams ums Leben gekommen. "Abolo Amelete und Stanislas Ocloo sind um vier Uhr am frühen Morgen verstorben", sagte Kodjo Samlan. Vorherige Berichte, ein Busfahrer sei getötet worden, seien falsch.

"Wir wurden beschossen wie Hunde"

Adebayors Teamkollege Thomas Dossevi lieferte eine eindringliche Schilderung des Vorfalls an der Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Cabinda, einem von vier Austragungsorten des 27. Kontinentalturniers. "Wir wurden beschossen wie Hunde. Die Angreifer waren bis an die Zähne bewaffnet. Alle versteckten sich 20 Minuten lang unter den Sitzen. Es war schrecklich."

Unter den Verletzten sind anscheinend Torhüter Kodjovi Obidale vom französischen Amateurklub GSI Pontivy und Verteidiger Serge Akakpo vom rumänischen Klub FC Vaslui. Der Nationaltorhüter befindet sich nach seinen Schussverletzungen in stabilem Zustand. Dies sagte Richard Friedland, Präsident der Milpark-Klinik in Johannesburg. Obilale soll nun schnellstmöglich operiert werden.

Der Keeper war bei dem Anschlag von zwei Kugeln in Rücken und Bauch getroffen worden. Zwischenzeitlich hatte ein französischer Radiosender bereits vermeldet, Obilale sei verstorben.

Bayer Leverkusen konnte nach einer Nacht der Ungewissheit dagegen aufatmen, denn Abwehrspieler Assimiou Toure überstand den Angriff unversehrt. "Er ist körperlich nicht verletzt. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut", sagte Pressesprecher Dirk Mesch. Verletzt wurden dagegen einige weitere Delegationsmitglieder, unter ihnen angeblich der Vizepräsident des togolesischen Verbandes und der Torwarttrainer.

Die angolanische Regierung will die Sicherheitsvorkehrungen drastisch verschärfen. "Wir garantieren, alle Maßnahmen zu ergreifen, um Schutz und Unversehrtheit aller Mannschaften, Fans, Betreuer und Touristen zu gewährleisten", sagte Sportminister Goncalves Muandumba.

"Das Turnier findet statt"

Eine Abordnung der CAF reiste nach Cabinda, um die Togolesen zum Bleiben zu bewegen. Eine Absage des Turniers hatte die CAF fast reflexartig abgelehnt. "Das Turnier findet statt", teilte der Verband mit. Am Sonntag soll der Afrika-Cup mit dem Duell zwischen Angola und Mali eröffnet werden. Am Freitag hatte die CAF den Anschlag völlig falsch eingeschätzt: Ein Reifenplatzer habe die Spieler verängstigt, hieß es zunächst.

Das Organisationskomitee des Afrika-Cups (COCAN) erhob schwere Vorwürfe gegen die Togolesen. "Die Regeln waren eindeutig: Kein Team sollte mit dem Bus anreisen. Ich weiß nicht, was Togo bewogen hat, es trotzdem zu tun", sagte Virgilio Santos: "In der Stadt hätte es diesen Vorfall niemals gegeben." Fifa-Präsident Joseph S. Blatter sprach den Opfern seine "allerhöchste Anteilnahme" aus und forderte einen ausführlichen Bericht an.

Mit Entsetzen reagierte der ehemalige togolesische Nationaltrainer Otto Pfister auf den Anschlag. "Das war ein echter Schock für mich. Eine ganz bittere Sache, unglaublich", sagte der Afrika-Experte, der Togo während der WM 2006 in Deutschland betreute: "Das ist ein echter Schlag für Afrika."

Quelle: SID/seeg
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