Italien: Torwart trinkt während des Spiels Kaffee
zuletzt aktualisiert: 12.09.2007 - 11:20Empoli (RPO). Eine der schillerndsten Figuren des Fußballs ist Daniele Balli. Während des Spiels genehmigt sich der Torwart des italienischen UEFA-Cup-Teilnehmers FC Empoli schon mal einen Kaffee. Über sich sagt er: "Wäre ich nicht Profifußballer, wäre ich wohl Priester geworden."
Einen Hang, die Welt verbessern zu wollen, ist dem Mann, der am Sonntag (16. September) 40 Jahre alt wird, nicht abzusprechen. Seit gut zwei Jahren verbringt Balli die Nächte nach einem Heimspiel auf der Notaufnahmestation eines benachbarten Krankenhauses - jeweils von 23.00 Uhr bis 5.00 Uhr in der Früh. "Ich bin kein Krankenpfleger, aber ich denke, dass ich mit meinen Geschichten und Gesprächen die Leute ablenken und ihr Leid ein wenig lindern kann", berichtet der Keeper.
Krankenhaus statt Disco
Dann gerät Balli ins Erzählen: "Ich trinke an jedem Spieltag mindestens sieben Kaffee. Manchmal lasse ich mir von einem Balljungen noch während des Spiels einen bringen. Kaffee erhöht meine Aufmerksamkeit. Aber dann kann ich nach einem Spiel, in dem man ja immer auch hochkonzentriert sein muss, nicht abschalten. Anstatt mich im Bett zu wälzen und die Zeit mit Fernsehen zu töten, anstatt in Discos abzuhängen, gehe ich eben lieber ins Krankenhaus."
Auslöser für die wahrlich ungewohnte Freizeitbeschäftigung war der tödliche Autounfall des Chefs eines Fanklubs, Emiliano Del Rosso. Die Trauerfeierlichkeiten fanden im Dezember 2004 im veralteten Stadion von Empoli statt, und die gesamte Mannschaft nahm daran teil. Der Bruder des Getöteten, Guicciardo, nahm den Torhüter nach dem Ende der Zeremonie beiseite und meinte: "Allein meinem Bruder zuliebe müsst ihr in die Seria A aufsteigen."
Das gelang, aber aus dem Gespräch entstand auch eine tiefe Freundschaft. Und weil Guicciardo Del Rosso Krankenpfleger ist, entschloss sich Balli, die Zeit nach einem Spiel in der Notaufnahme zu verbringen.
Trainer Luigi Cagni ist über die außergewöhnlichen Aktivität seines Torhüters natürlich auf dem Laufenden. Montags, nach seiner Nachtwache, kann Balli sowieso ausschlafen, und dienstags darf er als Torhüter die Trainingseinheiten so gestalten, wie es ihm beliebt und wie er sich in Form fühlt. Aber ab mittwochs gibt es keine Entschuldigungen, keine Ausreden und keine Krankenhausbesuche mehr.
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