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Krisensitzung bei der Uefa
Platini raus – Niersbach rein?

Das ist Michel Platini
Das ist Michel Platini FOTO: afp, VH/nb
Nyon. Erst Michel Platini in Abwesenheit absägen, dann Wolfgang Niersbach zum Retter ausrufen – so soll der Masterplan der Europäischen Fußball-Union (Uefa) bei ihrer Krisensitzung am Donnerstag aussehen, wenn es nach dem Willen des Uefa-Ehrenpräsidenten Lennart Johansson geht. Der 85-Jährige fordert vor dem Treffen aller 54 Mitglieder in Nyon, den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zum Nachfolger des suspendierten Uefa-Chefs zu machen, dem er Bestechlichkeit vorwirft.

"Ich habe Wolfgang Niersbach vorgeschlagen, für die Präsidentschaft der Uefa zu kandidieren. Niersbach sollte Uefa-Präsident werden", sagte Johansson der "Sport Bild". Auch wenn der 64 Jahre alte Deutsche den Posten nicht anstrebe, soll er nach dem Willen des Schweden das Amt übernehmen: "Er wäre als Uefa-Präsident ein hervorragender Mann."

Ganz im Gegensatz zu Platini, der Johansson im Jahr 2007 bei der Wahl in Düsseldorf an der Uefa-Spitze abgelöst hatte. Johansson hält den 60 Jahre alten Franzosen, der aufgrund einer unerklärten Zahlung von zwei Millionen Euro durch die Fifa für angebliche Beraterdienste von der Ethikkommission des Weltverbands 90 Tage gesperrt wurde, für bestechlich.

"Es muss so sein", antwortete Johansson bei insideworldfootball.com auf die Frage, ob die Millionen als Bestechungsgelder vom ebenfalls suspendierten Fifa-Präsidenten Joseph S. Blatter an Platini angesehen werden müssen: "Das ist exakt das, worauf es hindeutet. Warum sollte er zu diesem Zeitpunkt Geld erhalten haben – ohne dem Uefa-Exekutivkomitee darüber zu berichten?"

Platini hatte das Geld im Jahr 2011 erhalten – kurz bevor er auf eine Kampfkandidatur gegen Blatter um den Fifa-Chefposten verzichtete. Johansson gab an, dass weder Blatter noch Platini die Exekutivkomitees der Fifa und der Uefa über die Zahlungen informiert haben.

Nach Ansicht Niersbachs könnte Platini unter der Last der Anschuldigungen zusammenbrechen und doch nicht zur Wahl des neuen Fifa-Präsidenten, die Stand jetzt am 26. Februar 2016 stattfinden soll, antreten. Laut Niersbach darf zudem die Uefa nicht unter den Vorwürfen gegen Platini leiden.

Es gelte die Unschuldsvermutung, nichts sei bewiesen. Dennoch lasteten die Vorwürfe wie ein Rucksack auf dem Uefa-Präsidenten, "der einen möglicherweise in die Knie zwingen kann", sagte Niersbach der Wochenzeitung Die Zeit.

Auf der Sitzung komme es nun darauf an, "ob mindestens die Mehrheit die Situation ähnlich einschätzt wie ich", sagte Niersbach. Sollte durch den "Fall Platini" auch die Uefa in die Fifa-Skandale hineingezogen werden, wäre das "fatal". "Das müssen wir mit allen Kräften verhindern", äußerte der DFB-Boss.

Zu seinen eigenen Ambitionen auf Ämter bei der Uefa oder der Fifa äußerte sich Niersbach erneut kryptisch. "Ich will und werde mich nicht davor drücken, meinen Beitrag zu leisten", sagte er. Auf die Frage, wie ein solcher Beitrag aussehen könnte, sagte Niersbach: "Diese Geschichte ist sicher nicht über die Medien zu gewinnen. Die gewinnen Sie nur, wenn Sie intern einen klaren Kurs fahren und dafür Mehrheiten gewinnen."

In Nyon werden wahrscheinlich zwei Möglichkeiten diskutiert. Entweder, die Europäer im Fifa-Exekutivkomitee (sieben Mitglieder) drängen auf eine Verschiebung des Wahltermins, um Platini ("Ich bin mehr denn je entschlossen, mich vor den zuständigen Justizbehörden selbst zu verteidigen") mehr Zeit zu verschaffen.

Oder die Uefa einigt sich auf einen anderen Kandidaten, sollte Platinis Sperre bestehen bleiben. Das dänische Exko-Mitglied Allan Hansen hat bereits angekündigt, Platini nicht länger zu unterstützen, falls er die Vorwürfe nicht ausräumen könne.

Bislang galt es als offenes Geheimnis, dass Niersbach auf Platinis Posten rücken könnte, sollte dieser Fifa-Boss werden. Das möchte Präsidentschaftskandidat Prinz Ali bin Al Hussein – vor wenigen Monaten noch Platinis Strohmann im Kampf gegen Blatter – verhindern. Deshalb hat sich der Jordanier gegen eine Verschiebung der Wahl ausgesprochen.

"Eine Verzögerung der angesetzten Wahl würde die notwendigen Veränderungen nur verschieben und für zusätzliche Instabilität sorgen", sagte der 39 Jährige vor der Dringlichkeitssitzung der Fifa-Exekutivkomitees am kommenden Dienstag in Zürich: "Es würde der Welt zeigen, dass die Lektionen nicht gelernt wurden und dass die Absprachen in den Hinterzimmern – die die Fifa erst in Misskredit gebracht haben – weitergehen."

Prinz Ali möchte eine Verschiebung verhindern, da seine Chancen bei einer Wahl am 26. Februar gut stehen würden. Der Grund dafür sind die Regularien: Platini dürfte nach dem momentanen Stand der Dinge im Anschluss an die Bewerber-Deadline am 26. Oktober wohl kaum zur Wahl zugelassen werden.

(sid)
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